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30.01.2008

18:47 Uhr

John McCain

Triumph des Einzelgängers

VonMarkus Ziener

John McCains Siege in New Hampshire und South Carolina waren wichtig – doch der jüngste Erfolg in Florida könnte entscheidend sein. Denn dem Senator aus Arizona ist damit etwas gelungen, was zuvor viele Skeptiker bezweifelt hatten.

John Mccain ist zurzeit der Favorit bei den Republikanern. Foto: dpa

John Mccain ist zurzeit der Favorit bei den Republikanern. Foto: dpa

WASHINGTON. Der 71-jährige McCain, der häufig mit seiner Partei über Kreuz liegt, holte den Sieg diesmal ausgerechnet bei der republikanischen Basis, denn in Florida durfte nur sie wählen. „Unser Sieg ist vielleicht kein Erdrutsch, aber süß schmeckt er gleichwohl“, sagte McCain, nachdem sein Erfolg in der Nacht zum Mittwoch feststand. McCain wusste in diesem Moment, wie wertvoll Florida für ihn sein würde.

Strahlende 36 Prozent holte er im „Sunshine State“, fünf Prozent mehr als Mitt Romney und über 20 Prozent mehr als der frühere Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani. So strahlend der Sieg für den einen ist, so bitter ist die Niederlage für den anderen. Giulianis Wahlkampfstrategie fiel an diesem Abend still und leise in sich zusammen. Doch statt Enttäuschung zu zeigen, präsentierte sich Giuliani in der Wahlnacht so, als sei eine zentnerschwere Last von ihm gefallen. Er machte Witze über sich und seine Partei, über seinen Wahlkampf, über sein politisches Aus. „Was für eine großartige republikanische Partei, wenn sie sogar Platz für einen wie mich hat“, scherzte der New Yorker. Unklar blieb gestern nur noch, ob Giuliani nach dem erwarteten Rückzug aus dem Kandidaten-Rennen seine Anhänger aufrufen würde, jetzt McCain zu unterstützen.

Die Florida-Republikaner jedenfalls erteilten McCain auch deshalb den Segen, weil er sich in den Monaten zuvor einer wahlkämpferischen Ochsentour unterzogen hatte. Dabei ist es nach wie vor mehr der Respekt vor diesem Mann als eine uneingeschränkte Liebe, die ihn nach oben trägt. Auch in Florida gaben lediglich 20 Prozent seiner Wähler an, dass sie für ihn stimmten, weil sie McCains Werte teilten. Der Senator gilt als „Maverick“, als Einzelgänger, der vor allem seinem eigenen Wertekanon folgt. Das entfremdet ihn oft von der Partei.

Allerdings: Zunehmend fremd geworden ist der republikanischen Basis auch der amtierende Präsident George W. Bush. Da McCain in der Wahrnehmung vieler Konservativer inzwischen zu einer Art Anti-Bush avanciert ist, bekommt er deren Zuspruch. Auf diesem Feld punktet McCain, während bei den Bush-Loyalen Mitt Romney auf mehr Sympathie stößt.

Zwar stimmt dieses Bild nicht mit dem aktuellen Wahlkampf überein. Denn hier wirbt McCain mit seinem „harten“ Kurs im Irak, den auch Präsident Bush vertritt. Romney hingegen prangert die Regierung in Washington stets als „gebrochen“ an, eine Regierung, die er wieder in Ordnung bringen müsse. Doch bei den Wählern überwiegt am Ende die Erinnerung aus dem Jahr 2000, als sich McCain mit Bush einen erbitterten und ziemlich schmutzigen Kampf um die Nominierung lieferte.

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