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23.01.2003

15:15 Uhr

Joint-Venture geplant

VW und Siemens machen dem Diesel Dampf

Der Technologiekonzern Siemens und Europas größter Automobilkonzern Volkswagen planen die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zur Herstellung von Diesel-Einspritzsystemen in Sachsen. Die Entscheidung über eine der größten Industrie-Ansiedlungen in Ostdeutschland hängt aber offenbar noch von der Höhe öffentlicher Fördermittel ab.

Reuters HAMBURG/DRESDEN. Ein VW-Sprecher sagte am Donnerstag, man sei sich mit Siemens prinzipiell einig über eine Zusammenarbeit, Details müssten aber noch besprochen werden. Er bestätigte zugleich, dass als Standort für ein gemeinsames Zulieferwerk der Ort Stollberg in der Nähe von Chemnitz in Frage komme. Aus Wolfsburger Unternehmenskreisen hieß es ergänzend, eine Einigung könnte Anfang Februar, spätestens im März bekannt gegeben werden. Zuvor hatte Siemens-Chef Heinrich von Pierer auf der Hauptversammlung des Münchener Konzerns von fortgeschrittenen Gesprächen mit Volkswagen gesprochen.

Sachsens Regierungssprecher Christian Striefler sagte Reuters auf Anfrage, die Verhandlungen befänden sich in einer schwierigen Endphase. Noch sei nicht endgültig entschieden. Nähere Angaben zum Stand der Verhandlungen machte er nicht. Aus Kreisen der an dem Projekt Beteiligten hieß es: "Die Entscheidung hängt an der EU." Die Region gehöre zu den besonders förderwürdigen in der Europäischen Union. Siemens-Chef von Pierer sagte vor der Hauptversammlung des Konzerns in München: "Es ist so, das wir uns in fortgeschrittenen Gesprächen mit VW befinden." Er sei aber nicht glücklich darüber, dass das Vorhaben bereits in der Zeitung stehe.

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) hatte in ihrer Donnerstagausgabe berichtet, mit einem geschätzten Investitionsvolumen von bis zu 500 Millionen Euro und annähernd 600 neuen Arbeitsplätzen werde das Werk in Stollberg eine der größten Industrieansiedlungen der vergangenen Jahre in den neuen Bundesländern werden. Der Freistaat Sachsen sei dem Vernehmen nach bereit, das Unternehmen aus den Fördermitteln der Gemeinschaftsaufgabe und der Europäischen Union mit bis zu 150 Millionen Euro zu subventionieren. Stollberg liege in der Region, in der die EU die Höchstförderung von bis zu 30 Prozent der Investitionssumme zulasse.

Bei dem Vorhaben von VW und Siemens geht es um eine Weiterentwicklung des von Volkswagen eingesetzten so genannten Pumpe-Düse-Verfahrens für TDI-Motoren, bei denen Kraftstoff unter Hochdruck direkt in die Brennkammer der Zylinder eingespritzt wird. Dadurch sind diese Diesel-Motoren besonders leistungsstark und stoßen bei vergleichsweise niedrigem Verbrauchweniger Schadstoffe aus. Zu Einzelheiten des Projekts wolle man sich erst äußern, wenn über das Vorhaben entschieden sei, hieß es bei Volkswagen.

Der Diesel-Anteil an Pkw-Neuzulassungen ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen und liegt zurzeit bei rund 50 Prozent. Volkswagen erwartet, dass der Anteil weiter zunehmen wird. In Chemnitz verfügt Volkswagen über ein Motorenwerk, in dem gut 800 Beschäftigte täglich bis zu 3500 Aggregate fertigen, etwa drei Viertel davon Benzin- und ein Viertel Dieselmotoren.

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