Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.05.2003

11:03 Uhr

Jonas wieder im Tor

„Spion“ Hans Zach ärgert Österreich

Die Österreicher haben nur Cordoba im Kopf, aber Hans Zach lässt sich von dem Gerede um Deutschlands Fußball-Schmach vor 25 Jahren in Argentinien nicht irritieren. "Die sollen bloß reden. Das sind doch Steinzeitmenschen, die leben noch in der Vergangenheit", sagte der Bundestrainer scherzhaft vor dem Zwischenrunden-Auftakt am Samstag (15.00 Uhr) in Helsinki, wo es gegen Österreich bereits um den Einzug ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft geht.

HB/dpa HELSINKI. Freche Sprüche, Sticheleien von den Österreichern und Zachs unerwünschter Besuch beim gegnerischen Training haben vor dem Nachbarschafts-Duell für Brisanz gesorgt.

Die "emotionale Partie", die Sportdirektor Franz Reindl vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) erwartet, fand schon vor dem Aufeinandertreffen der Erzrivalen statt. Austria-Trainer Herbert Pöck empörte sich, weil sein deutscher Kollege am Donnerstag beim Training der Österreicher als Beobachter auf der Tribüne der Hartwall-Arena saß. "Das ist eine Frage der Ehre. So was gehört sich nicht", kritisierte der Klagenfurter. "Das kann doch nur ein Witz sein, wenn er das gesagt hat", meinte Zach, "aber er kann beruhigt sein. Ich habe ihm nichts abgeschaut."

Geheimnisse haben die Österreicher ohnehin nicht. "Wir wollen unser System durchziehen, uns aber nicht hinten rein stellen und warten, bis was passiert. Als Außenseiter tun wir uns natürlich leichter", erklärte Christoph Brandner. Der Top-Scorer vom deutschen Meister Krefeld Pinguine, der in der neuen Saison beim Zach-Club Kölner Haie spielen wird, muss auf ein Aufeinandertreffen mit seinem Krefelder Teamkollegen Robert Müller verzichten, da wie beim 3:1 gegen die Ukraine der Berliner Oliver Jonas im DEB-Tor steht.

Dem beim 3:2 bei der Fußball-WM 1978 berühmt gewordenen Kollegen will Brandner aber nacheifern. "Ich weiß, dass der Krankl damals das Siegtor gemacht hat. Es wäre schön, wenn mir das auch gelingen würde", sagte der Ausnahmestürmer, "und wenn wir einen guten Tag erwischen, ist gegen die Deutschen was drin." In der DEB-Auswahl konnte man wenig mit Cordoba anfangen. "Ist das in Spanien?", fragte Sven Felski ahnungslos. "Die denken, dass wäre eine Riesenschlange", so Zach über das Fußballwissen seiner Mannschaft, die ohne den verletzten Boris Blank antritt. Für ihn stürmt Christian Hommel. Lasse Kopitz ersetzt Verteidiger Jochen Molling, für den die WM wegen eines Innenbandrisses vorbei ist.

Mit guter Moral, Disziplin und Kampfgeist will das DEB-Team Kurs aufs Viertelfinale nehmen. "Das ist ein Spiel, in dem es für uns um alles geht", mahnte Zach, dessen Zuversicht durch die Sticheleien des österreichischen Kollegen nicht erschüttert wurde. Die Deutschen seien physisch, taktisch und mental sehr stark, aber spielerisch eher Mittelmaß, hatte Pöck gelästert. Während Österreich, seit 69 Jahren ohne WM-Sieg gegen Deutschland, bei einer Niederlage kaum noch Viertelfinal-Chancen hat, kann das Zach-Team im Siegfall unbeschwerter an die zweite Aufgabe herangehen.

Am Sonntag (19.00) geht es gegen die Dollar-Millionäre aus Tschechien mit den NHL-Stars Martin Straka, Milan Hejduk und Robert Reichel, dem Bruder des DEB-Stürmers Martin Reichel. Bei der WM 2001 trotzte man dem Olympiasieger von Nagano in Köln ein denkwürdiges 2:2 ab, im vorigen Jahr in Schweden zog man sich trotz des 5:7 achtbar aus der Affäre. Der zehnfache Weltmeister ist in der Gruppe E mit Titelverteidiger Slowakei und Gastgeber Finnland, am Dienstag deutscher Gegner, erster Anwärter auf einen Viertelfinalplatz.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×