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01.02.2002

00:00 Uhr

Jugendliche rauben Jugendliche aus

Das Handy als Objekt der Begierde

VonAndreas Hoffbauer (Handelsblatt-Korrespondent in London)

Es ist wie mit Turnschuhen, Computern und Autos: Wer beim Handy hip sein will, braucht stets das Neueste vom Neuesten. Das gilt besonders bei Kindern und Jugendlichen, die schon mal gern mit dem kleinen Supermodell auf dem Schulhof prahlen.

Denn, zumindest in Großbritannien, gehört das Taschentelefon bei Kids längst zur Ausstattung. So wie früher Schwamm und Tafel steckt heute in fast jedem Schulranzen ein "Mobilphone", wie die Dinger auf der Insel heißen.

Täglich sind Millionen von Handy-Modellen im Umlauf. Doch was den Herstellern einen kräftigen Umsatz-boom beschert hat, ist für die britische Polizei zum riesigen Problem geworden. Überfälle auf Schulkinder, um ein neues Handymodell zu bekommen, haben im vergangenen Jahr dramatisch zugenommen. Die jüngste Kriminalstatistik hat das Land erschüttert. In 12 Monaten sind 550 000 Kinder im Alter zwischen 11 und 15 Jahren von Handy-Räubern überfallen worden - 1500 Mal am Tag, Dunkelziffer unbekannt.

Dabei kann ein Handy in Kinderhand sinnvoll sein - es bietet durchaus Sicherheit und Hilfe. In Großbritannien fürchten inzwischen aber viele Eltern, dass ihre Kleinen nun zum Lockvogel von skrupellosen Turnschuh-Banden werden. Ein Mädchen liegt in einem Londoner Krankenhaus, weil sie ein Räuber wegen des neusten Nokia-Modells in den Kopf geschossen hat. Bei mehr als einem Drittel aller Straßenüberfälle in London geht es laut Polizei inzwischen um ein Handy.

Jetzt hat der oberste Richter im Land zum Gegenschlag aufgerufen und angewiesen, Handy-Räuber hart zu bestrafen. Mindestens 18 Monate Gefängnis blühen diesen Dieben nun im Königreich. Schon einen Tag nach diesem Appell wurde ein Handy-Räuber zu vier Jahren Haft verdonnert. Das mag manchen Nachahmer abschrecken, doch Skepsis ist angebracht.

Auch Autodiebstähle sind durch härtere Strafen kaum reduziert worden. Erfolge traten laut Statistik erst ein, als die Autohersteller Wegfahrsperren zum Bestandteil der Serienfertigung machten. Und das ist auch bei Handys möglich, wie der Nachbarstaat Holland bewiesen hat. Auch dort trat das Problem der zunehmenden Handy-Überfälle auf. Ein simpler Zusatzservice hat das Problem jedoch weitgehend beseitigt. Wird dort ein Handy als gestohlen gemeldet, sendet es alle fünf Sekunden die Nachricht "Achtung, dieses Handy ist gestohlen!" Für die Räuber ist das Gerät damit wertlos. Und Polizei und Richter haben weniger zu tun.

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