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25.04.2003

07:33 Uhr

Juve und die Mailänder Klubs unter den letzten Vier

Italien feiert seine Fußball-Helden

VonMarcello Berni (Handelsblatt)

Der Spumante fließt schon am frühen Morgen. In der "Bar California" setzen vier Männer, die hier üblicherweise ihren Cappuccino trinken, die Gläser an die Lippen und krächzen mit ihren rauen Stimmen befriedigt "Grande Milan". Die Tifosi sind überzeugt: Diese strahlenden Frühlingstage haben das Zeug dazu, in die ruhmreiche Geschichte des italienischen Fußballs einzugehen.

MAILAND. Nach dem Herzinfarkt provozierenden und erst in der letzten Sekunde erkämpften 3:2-Sieg des AC Mailand gegen Ajax Amsterdam kommen drei der vier Halbfinalisten in der Champions League aus Bella Italia - davon zwei aus Mailand. Grund genug, bis tief in die Nacht mit wehenden Fahnen lärmend und hupend eine Party auf den Straßen der Stadt zu veranstalten.

"Storico", geschichtsträchtig, meinen denn auch alle Gazetten zwischen Mailand und Neapel. Die Sportreporter des Landes, die sich gern in Superlativen ausdrücken, übertreiben dieses Mal nicht. Nur die spanischen Vereine haben in der (noch kurzen) Geschichte der europäischen Titanenliga schon mal so dominiert, wie in dieser Saison die Klubs von der Apenninenhalbinsel. Vor drei Jahren standen Real, Valencia und Barcelona im Halbfinale.

"Jene, die den italienischen Fußball regelmäßig anschwärzen, sollten zugeben, sich geirrt zu haben," triumphiert heute Giorgio Tosatti, der Edelkommentator des Corriere della Sera. Der Kenner sieht am Horizont bereits ein neues Zeitalter aufziehen, eine Epoche italienischer Dominanz im europäischen Fußball. "Man kann doch heute nicht mehr allen Ernstes behaupten, die Italiener spielten hässlich, schmutzig und schlecht." Eine Meinung, die vor allem angesichts der Spielweise von Inter Mailand umstritten ist. Schließlich haben die Blau-Schwarzen in bester italienischer Tradition ihr Weiterkommen gegen Valencia ausschließlich ermauert.

Die Zeiten, als Milan, Sampdoria Genua und Juventus 1990 die Vorherrschaft des italienischen Vereinsfußballs mit dem Gewinn der damals noch drei europäischen Trophäen zementierten, scheinen trotz der jüngsten Erfolge denn auch weit weg. "Damals war es ein Wandel der Mentalität - weg vom Catenaccio und hin zu einem flüssigen Angriffsspiel, der uns so stark machte. Heute sind eher die taktischen Schwächen der anderen für unsere Erfolge verantwortlich," schreibt die Turiner Sportzeitung Tuttosport in einem kritischen Leitartikel.

Doch wer will das schon lesen - an einem solchen Freudentag? Deshalb dominieren im Fettgedruckten Worte wie "Paradiso" und "Emozioni". Die Gazetta dello Sport verfrachtet den Held des Abends, Filippo Inzaghi, vorsorglich unter die Säulenarkaden des Ruhmestempels Pantheon. Milans Top-Stürmer ist mit seiner "Grinta" - dem entfesselten Biss - bereits heute die Symbolfigur der jüngsten Siege.

Angesichts der großen Worte bleibt bei den Tifosi ein leichtes Schwindelgefühl nicht aus. Und doch wissen alle, dass man auch als Trio nur Außenseiter ist gegen die Madrider Stars. Real verlor zwar bei Manchester United mit 3:4, ist im Halbfinale gegen Juve und auch in einem möglichen Finale gegen einen der beiden Mailänder Klubs das Maß aller Dinge. "Der Favorit bleibt Real," bringt der Corriere dello Sport die Situation und die Sorge der Italiener auf den Punkt.

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