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21.01.2003

17:52 Uhr

dpa DÜSSELDORF. Müde und sichtlich angeschlagen, aber mit großem Optimismus stellte er sich am Dienstag nach einem viereinhalbstündigen Anhörungsmarathon um seinen Ausschluss aus der Düsseldorfer Landtagsfraktion den Journalisten. "Ich habe die Achterbahn des Lebens immer wieder neu kennen gelernt", bewertete er seine Chancen, wieder Einfluss in der Partei zu erlangen, der er seit 32 Jahren angehört. "Mir scheint, dass es nach dieser Kurve, in der ich mich jetzt befinde, wieder in die andere Richtung gehen müsste."

Nach der Anhörung scheint der Ausgang der Entscheidung der 24 Abgeordneten am 4. Februar völlig ungewiss. Dass Möllemann acht Getreue findet, die dem Antrag auf seinen Ausschluss aus der Fraktion nicht zustimmen und damit die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit verhindern, ist nicht unwahrscheinlich. Etliche Abgeordnete verdanken dem 57-Jährigen, der die Landespartei und die Fraktion in der Vergangenheit in patriarchaler Manier geführt hatte, viel. Und Möllemann erinnerte die Mandatsträger auch daran, dass er bei den Landtagswahlen 2000 einen maßgeblichen Anteil am fulminanten Wiedereinzug der FDP ins Düsseldorfer Parlament hatte.

"Mit Möllemann geht es nicht und ohne ihn auch nicht", sagte ein Parteimitglied. Einerseits wird befürchtet, dass Möllemann seine Polemik gegen den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, fortsetzen wird. Andererseits ist das Risiko hoch, dass die FDP bei der Landtagswahl 2005 ohne ihr einstiges Zugpferd Möllemann die Fünf-Prozent-Hürde verfehlt. Das neue Führungsduo an der Partei- und Fraktionsspitze, Andreas Pinkwart und Ingo Wolf, gilt eher als Übergangslösung denn als Wählermagnet.

Dass er sich künftig nicht mehr gegen Friedman oder die eigene Parteiführung äußern werde, hat Möllemann in der Anhörung nicht versprochen. "Die Bitte ist nicht an mich heran getragen worden", stellt er auf Nachfrage lakonisch fest. "Es wäre ja auch komisch, wenn die Fraktion eine Liste aufgestellt hätte mit Namen, gegen die nicht polemisiert werden darf."

Sollte es Möllemann gelungen sein, die Stimmung für sich zu wenden, würde es für die Bundestagsfraktion und erst recht für die Partei erheblich schwerer, den widerborstigen Münsteraner auszuschließen. Dass er Partei und Fraktion über die private Finanzierung seines umstrittenen Wahlkampfflugblatts belogen hat, hält Möllemann für verzeihlich. "Bisweilen muss der Beste lügen, mitunter tut er's mit Vergnügen", zitiert er Wilhelm Busch. Er habe seine Anliegen im Nahost-Konflikt eben "nicht durch eine Finanzierungsdebatte erschlagen wollen". Dennoch sei sein "Fehlverhalten unbestritten".

Der Ausgang der geheimen Abstimmung in der Landtagsfraktion dürfte maßgeblich davon abhängen, mit welchen Äußerungen Möllemann in den kommenden zwei Wochen von sich reden machen wird. Am Dienstag präsentierte er sich ernst und besonnen. Zu Fuß kam der schwarz gekleidete Politiker langsam und mit schwerem Gang ganz allein die letzten hundert Meter zum Landtag hoch. Dass er künftig nicht gedenkt, zurückzustecken, machte er nach der Anhörung aber deutlich. Er halte es mit dem Sportsgeist des Boxers René Weller, der, nachdem er bei einem Kampf kurz zu Boden gegangen sei, insistiert habe: "Ich war nie am Boden. Wo ich bin, ist oben."

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