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07.01.2001

12:58 Uhr

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Kalifornische Stromkrise gefährdet zwei große Versorger

Die unter Milliardenschulden stöhnenden Stromversorger Pacific Gas and Electric Co. und Southern California Edison Co., in deren Einzugsgebieten 24 Mill. Menschen leben, haben buchstäblich nur noch Tage, ehe ihnen das Geld für den Stromkauf ausgeht.

dpa-afx SAN FRANCISCO/NEW YORK.Die eskalierende Stromkrise in Kalifornien und die fehlgeschlagene Entregulierung der Stromwirtschaft hat die beiden wichtigsten Stromversorger des größten US-Bundesstaates in Überlebensgefahr gebracht.

Die unter Milliardenschulden stöhnenden Stromversorger Pacific Gas and Electric Co. und Southern California Edison Co., in deren Einzugsgebieten 24 Mill. Menschen leben, haben ihre verfügbaren liquiden Mittel und Kreditfazilitäten weitgehend aufgezehrt und haben buchstäblich nur noch Tage, ehe ihnen das Geld für den Stromkauf ausgeht.



Regierung überlegt Notprogramm

Am kommenden Dienstag soll in Washington ein Spitzentreffen mit Energieminister Bill Richardson und Finanzminister Lawrence Summers sowie den Chefs der beiden Versorger und dem Gouverneur von Kalifornien stattfinden.

In Kalifornien überlegen die Politiker, ob man eine Emission von Landesanleihen in Milliardenhöhe als Nothilfe zur Bewältigung der Stromkrise begeben soll. Drastische neue Strompreiserhöhungen wären ebenfalls ein Ausweg.

Die Kreditrating-Agenturen Standard & Poor's, Fitch und Moody's haben die Kreditratings der beiden Stromversorger scharf herab gestuft. Die Aktion folgte einer Entscheidung der für die Versorgungsunternehmen zuständigen kalifornischen Aufsichtsbehörde CPUC, dass die beiden Stromversorger ihre Strompreise für 90 Tage lang nur um durchschnittlich zehn Prozent anheben dürfen. Die Firmen hatten eine drei Mal so hohe Erhöhung gefordert.

Am Freitag geriet die Wall Street in Aufregung, weil spekuliert wurde, in welchem Umfang die Bank of America mit Krediten an die beiden Versorgungsunternehmen im Falle einer Zahlungsunfähigkeit betroffen sein könnte. Die Bank wies sofort alle Spekulationen über Kreditprobleme zurück. Bank of Amerika sieht keine bedeutenden Verluste

Die kalifornischen Strompreise waren im Zuge der Entregulierung des dortigen Strommarktes bis 2002 staatlich eingefroren. Die Preise am freien Markt, wo sie sich die beiden Gesellschaften ihre Elektrizität besorgen müssen, sind hingegen drastisch in die Höhe geschossen.

Das Resultat: Beide Firmen mussten laut Standard & Poor's im vergangenen Halbjahr jeweils fünf Mrd. $ mehr für die Strombeschaffung ausgeben, als sie einnahmen. Sie hatten im Zuge der Entregulierung ihre kalifornischen Kraftwerke an unabhängige Versorgungsunternehmen verkauft. Sie wollten sich am freien Markt Billigstrom beschaffen, und die Stromverbraucher sollten so profitieren.

Die beiden Unternehmen verlangen Kosten deckende Stromtarife, feste Obergrenzen für die fremden Strompreise oder andere Überlebenshilfen.



Kalifornien bald ohne Strom?

In Kalifornien sind aus Umweltschutzgründen seit knapp zehn Jahren keine neuen Kraftwerke mehr gebaut worden. Der Strombedarf ist jedoch vor allem im Silicon Valley und durch ein jährliches Bevölkerungswachstum von 600 000 Menschen drastisch gestiegen.

Seit Jahren werden in den USA praktisch nur noch Erdgas-Kraftwerke gebaut, weil für Atomkraftwerke keine und auch für neue Kohlekraftwerke kaum noch Genehmigungen erhältlich waren. Deshalb liegen die US-Erdgaspreise auf Rekordniveau und verteuern so die Stromerzeugung.

23 amerikanische Bundesländer haben bereits ihre Strommärkte ganz oder teilweise entreguliert, die restlichen haben diese Pläne angesichts der bitteren Erfahrungen in Kalifornien erst einmal auf Eis gelegt.

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