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23.02.2004

09:49 Uhr

Kaltschnäuzigkeit der gehobenen Klasse

Die Fabel von den elf Freunden

VonAndreas Haller

Viel Spaß, wenig Druck und angeblich kein Neid: Bochums Spieler begeistern auch gegen Leverkusen.

Geschlossenheit ist derzeit beim VfL Trumpf. Foto: dpa

Geschlossenheit ist derzeit beim VfL Trumpf. Foto: dpa

LEVERKUSEN. Bochums Trainer Peter Neururer stand in den Katakomben der Leverkusener Bayarena und linste mit einem Auge auf den Fernseher. Dort lief das Spiel Kaiserslautern gegen Stuttgart, Kaiserslautern führte 1:0. "Dabei ist es geblieben", flüsterte jemand Neururer zu. "Oh", sagte dieser sodann mit einem breiten Grinsen, "dann sind es ja zu denen auch nur drei Punkte". Er sagte nicht: zu einem Platz in der Champions-League. Neururer gilt zwar als einer der wortgewaltigen und vorlauten Männer der Liga. Aber soweit wollte er nicht gehen. Noch nicht. Dabei hatte seine Mannschaft in Leverkusen nach famosem Spiel gerade 3:1 gewonnen.

Als Neururer fernsah, war das Stadion schon fast leer. Doch plötzlich brach in einem einzigen Block lauter Jubel aus. Die rund 2 000 Fans aus Bochum feierten jeden einzelnen ihrer Helden enthusiastisch, als diese den Rasen zum Auslaufen erneut betraten. Kurz zuvor hatten sie Qualitäten gezeigt, die womöglich gereicht hätten für die gehobene europäische Klasse. Zumindest die dazu nötige Kaltschnäuzigkeit braucht Neururer den Spielern nicht mehr anzutrainieren. "Wir haben vorher darüber geredet", sagte Rein van Duijnhoven, Bochums erneut erstklassiger Torhüter. "Wir fahren dahin, holen die drei Punkte und gehen wieder nach Hause. Feierabend." Von einer Sensation wollte er nicht sprechen, schließlich hätten sie die letzten Spiele gegen Leverkusen alle gewonnen. "Warum jetzt nicht?", fragte van Duijnhoven, der wieder mit einer Stahlschiene um seinen maladen Finger spielte. Schließlich hatte Bochum vor einer Woche den FC Bayern geschlagen.

Martin Meichelbeck und Dariusz Wosz trafen in der 52. und 54. Minute gegen Leverkusen. Dimitar Berbatows 1:2 kurz darauf war zu wenig, nach dem Platzverweis gegen Juan gelang Mamadou Diabang das 3:1. "Wir spielen einen Riesenfußball, die Mannschaft stimmt, es passt alles zusammen", kommentierte Nationalspieler Paul Freier den Ausbau der Bochumer Erfolgsserie auf sechs Partien ohne Niederlage. Neururer sprach danach von einem "Pflichtsieg", was für seinen Kollegen Klaus Augenthaler ein wenig höhnisch wirken musste. Der Bochumer Trainer begründete das mit einem abstrusen Rechenexempel: Sein Team habe gewinnen müssen, damit die 26 erzielten Punkte in der Vorrunde auch in der Rückrunde erreicht werden können.

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