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22.02.2002

16:08 Uhr

Kampf um die besten Köpfe

Sonderkonjunktur für Kostenkiller

VonCHRIS LÖWER

Als Kostensparer und Krisenmanager haben Controller Konjunktur. Wer jedoch nicht spezialisiert und erfahren ist, für den haben sich die Chancen verschlechtert.

Bei der Commerzbank herrscht reges Kommen und Gehen. Während die Bank wie ihre Konkurrenten massiv Personal abbaut, sucht sie gleichzeitig Controller. Wenn auch nicht mehr so viele, wie noch im Vorjahr, als 15 neue Kräfte an Bord gingen. In diesem Jahr werden halb so viele eingestellt werden. Trotzdem: "An guten Controllern haben wir immer Bedarf. Das ist ein Dauerthema", sagt Martin Klaus Müller, Leiter des Personalrecruitings in der Frankfurter Zentrale der Bank. Besonders gefragt: Spezialisten für IT und Personal. Gerade zu Rezessionszeiten stehen Personalcontroller hoch im Kurs. Müller: "Controlling wird immer wichtiger, weil es darauf ankommt, Absichtserklärungen über Kosteneinsparungen Taten folgen zu lassen."

Der Berufszweig erlebt einen Aufschwung dank allgemeinen Abschwungs. "Schlechte Zeiten sind gute Zeiten für Controller", weiß Ernst Heilgenthal, Headhunter und geschäftsführender Gesellschafter der Heilgenthal & Comp Management Consultant in Köln. Allerdings profitiert nicht jeder davon, der glaubt ein guter Controller zu sein, nur weil er etwas von Berichtswesen versteht. Es kommt auf Erfahrung und Spezialisierung an.

Und genau da fängt das Problem für Rekrutierungsabteilungen an. Der Markt an erfahrenen Kräften ist ausgedünnt wie nie. Zum einen ist der hohe Personalbedarf ein Symptom der Wirtschaftsmisere, zum anderen buhlen auch Non-Profit-Organisationen, Dienstleister, Institutionen aus dem Gesundheitsbereich, Stiftungen und Dotcom-Firmen um Controller.

Mittelständler können nicht mithalten

Das Nachsehen haben mittelständische Unternehmen. "Der Bedarf bewegt sich unverändert auf hohem Niveau und damit auch die Gehaltsvorstellungen. Mittelständler können da oft nicht mithalten, wenn bei ihnen Führungskräfte 70 000 Euro im Jahr verdienen, erfahrene Controller aber mindestens 90 000 Euro verlangen", sagt Björn Kiby von der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV). "Und die Controller, die auf dem Markt sind, sind mit Gehaltswünschen bis 150 000 Euro extrem teuer, kommen also nur für Großunternehmen in Frage." Die Unternehmensberatung Kienbaum nennt ähnliche Größenordnungen: auf Abteilungsleiterebene seien für Controller 75 000 bis 100 000 Euro üblich, in der 1. Führungsebene 90 000 bis 125 000 Euro, sagt Christian Naeser, Mitglied der Kienbaum-Geschäftsleitung. "Damit liegen Controller beim Einkommen im oberen Drittel, wobei die Grundgehälter in der laufenden Runde wohl noch einmal um etwa zwei bis drei Prozent steigen werden", prognostiziert Naeser.

Das wird die Arbeit der ZAV, die ausschließlich Kräfte in leitender Position vermittelt, nicht leichter machen. Derzeit stehen 42 offene Stellen 38 Bewerbern gegenüber. Die wiederum wüssten, dass sie sowieso unterkommen werden, weshalb sie seelenruhig auf ein passendes Angebot warteten und oft einen Ortswechsel ablehnten, berichtet Kiby, der einräumt: "Die Arbeitsvermittlung ist sehr schwierig geworden." Er geht davon aus, dass sich an der hohen Nachfrage nichts ändern wird.

Was es selbst für Großunternehmen bedeutet, wenn Bewerber sich den Luxus erlauben können, wählerisch zu sein, hat unlängst der angeschlagene Frankfurter Baukonzern Holzmann zu spüren bekommen: "In den letzten Jahren war es für uns schwer, qualifizierte Kräfte zu bekommen. Viele winkten ab mit den Worten: Bauindustrie, das muss ich mir nicht antun und schon gar nicht bei Holzmann", beklagt sich Gerd Hammerschmidt, Leiter der Personalabteilung des einstigen Bauriesen, über Controller, die die Herausforderung scheuten. Inzwischen können die Holzmann-Personaler sogar wieder zwischen Bewerbern auswählen. "Noch vor einigen Monaten war das nicht der Fall", spricht Hammerschmidt von einer leichten Entspannung der Lage. Insgesamt wird das Unternehmen in diesem Jahr acht bis zehn Controller einstellen. Anforderung: "Wir brauchen strategische Denker. Leute also, die nicht nur in der Lage sind, Zahlen zu addieren, sondern zu analysieren, Schlüsse daraus zu ziehen und diese wiederum im Unternehmen gekonnt vermitteln", sagt Hammerschmidt.

Der Einzelkämpfer ist ein Auslaufmodell

Eine Antwort, die man oft zu hören bekommt. Soziale Kompetenzen gewinnen an Bedeutung, der verstockte Einzelkämpfer wird zum Auslaufmodell. Vor allem aber entscheiden analytische Fähigkeiten. Ein Controller, der nur kontrolliert, ist ein schlechter: Er muss auch planen, steuern, Sparmaßnahmen vorschlagen und umsetzen können, sprich Krisen managen. "Der Controller, der sich noch mit K schreibt, der sich also nur als Zahlenlieferant versteht und mit seinen Daten keine Unternehmensentscheidungen beeinflussen möchte, ist nicht mehr gefragt", weiß Franz-Josef Nuß, Partner der Roland Berger Personalberatung. Im Grunde müsse jeder ein strategischer Controller und firm in der internationalen Rechnungslegung sein.

Und das bedeutet wiederum: "Ein einfacher Controller, der sich mit US-GAAP und IAS nicht auskennt, wird auf dem Arbeitsmarkt Probleme bekommen", prophezeit ZAV-Fachmann Kiby. Und Conrad Günther, Geschäftsführer des Controller Vereins München, warnt vor allzugroßer Bequemlichkeit aufgrund der günstigen Rahmenbedingungen: "Auch Controllingabteilungen sind in einer Rezession nicht vor Abmagerungskuren gefeit, wenn sie sich nach fetten Jahren zu viel Speck angefressen haben." Günther hat den Eindruck, dass noch zu wenige Controller begriffen hätten, dass sie mehr und mehr zum (Risiko-)Berater des Managements würden und es auch ihr Job sei, für Unternehmenstransparenz und gute Investor Relations zu sorgen. Trotz allem sagt Günther: "Auch in den kommenden Jahren wird es auf dem Arbeitsmarkt für Controller auf hohem Niveau weitergehen. Großen Bedarf werden liberalisierte Versorgungsunternehmen und öffentliche Verwaltungen haben." Commerzbank-Rekrutierer Müller resümiert: "Ein guter Controller muss sich auch 2002 keine Gedanken um einen Job machen."

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