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31.01.2003

14:43 Uhr

Kampf um Meisterschaft rückt in Hintergrund

Die Angst spielt mit

In der Fußball-Bundesliga wackeln die Trainerstühle. Mit Erik Gerets (1. FC Kaiserslautern), Ralf Rangnick (Hannover 96), Wolfgang Wolf (VfL Wolfsburg) und Klaus Toppmöller (Bayer Leverkusen) müssen gleich vier Fußball-Lehrer um ihren Job fürchten. Weitere Niederlagen am 19. Spieltag würden nicht nur die sportliche Talfahrt ihrer Vereine beschleunigen, sondern auch die Geduld ihrer Vorgesetzten mächtig strapazieren.

HB/dpa DÜSSELDORF. Zumindest eine Schonfrist erhält wolfgang Wolf dank des Wettergotts: Das für Samstag angesetzte Spiel bei Borussia Mönchengladbach fällt dem Wintereinbruch zum Opfer. Die Stadt Mönchengladbach verweigerte am Freitag nach einer Platzbegehung die Freigabe für das Bökelberg- Stadion. Die Ränge und Anfahrtswege können nicht rechtzeitig vom Eis befreit werden. Beide Teams möchten die Partie bereits in der kommenden Woche nachholen.

Ansonsten steht nach Meinung von Paul Breitner vor allem der Bayer-Coach unter Erfolgsdruck. "Toppmöller sitzt schon seit längerem auf einem sehr wackeligen Stuhl. Die Frage ist nur, ob das nun zu Ende gedacht wird", sagte der TV-Kritiker dem Internet-Anbieter "sport1".

Wie groß die Not beim Vorjahreszweiten ist, dokumentiert auch der Blitztransfer von Radoslaw Kaluzny. Der Abwehrspieler aus Cottbus wurde wenige Stunden vor dem Ende der Wechselperiode als Ersatz für den Verletzten Kapitän Jens Nowotny verpflichtet. Doch der Pole steht am Sonntag in der Partie bei Borussia Dortmund noch nicht zur Verfügung. Toppmöllers Hoffnungen ruhen deshalb auf den Rückkehrern Bernd Schneider, Boris Zivkovic und Yildiray Bastürk. Noch stärkt Bayer-Geschäftsführer Reiner Calmund dem Erfolgstrainer der vergangenen Saison den Rücken und versichert: "Wir haben bis heute nicht mit Klaus Toppmöller über dieses Thema gesprochen."

Vergleichbare Treueschwüre könnten sich auch in Hannover schnell als Lippenbekenntnisse erweisen. Nach zuletzt sechs sieglosen Spielen steht Ralf Rangnick mehr denn je in Frage. Geht auch die Partie beim TSV München 1860 verloren, droht der zweite Trainerrauswurf der Saison nach dem Sturz von Andreas Brehme in Kaiserslautern. Davon will Vereins-Chef Martin Kind jedoch nichts wissen: "Es wird bei uns auch nach dem Spiel gegen 1860 keine Trainerdiskussion geben."

Noch prekärer ist die Lage in Kaiserslautern. Nach der Nachforderung des Finanzamtes in Höhe von 12,9 Mill. ? steht der Traditionsclub nicht nur sportlich am Abgrund. Nur ein Sieg beim FC Schalke 04 könnte für neue Hoffnung im Existenzkampf sorgen. Zwar besitzt Erik Gerets noch die Rückendeckung des Sanierers Rene C. Jäggi, doch mit dem 1:2 zum Rückrundenauftakt vor einer Woche gegen Stuttgart verspielte der Trainer weiteren Kredit. Den wachsenden Druck gibt der Belgier an seine auswärts noch immer sieglosen Profis weiter: "Wer Probleme mit der Motivation hat, kann gehen."

Von solch existenziellen Problemen sind die Wolfsburger zwar weit entfernt, müssen sich aber ebenfalls einer Trainerdiskussion stellen. Schließlich ist der Club derzeit sieben Punkte von einem Europapokal- Platz entfernt. Die Suche nach einer Interimslösung für Wolfgang Wolf, dessen zum Saisonende auslaufender Vertrag nicht verlängert wurde, wollen sich die Norddeutschen ersparen. Denn nach der Absage des Schweizers Christian Gross haben sie genug damit zu tun, einen neuen Coach für die kommende Spielzeit zu finden.

Der Kampf der Trainer stellt den um die Meisterschaft in den Schatten. Dazu trägt die drohende Alleinherrschaft des FC Bayern bei, der den Druck auf die Verfolger mit einem Sieg in Bielefeld erhöhen will. "Es ist schwer, sich zu motivieren, wenn man auf die Tabelle guckt und die acht Punkte Vorsprung sieht. Man muss sich einreden, dass es noch 16 Spieltage sind und noch viel passieren kann", meinte Abwehrspieler Thomas Linke.

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