Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.01.2001

14:45 Uhr

dpa QUITO. Die Bergung des vor den Galapagosinseln gestrandeten und weitgehend leergelaufenen Tanker "Jessica" hat sich als äußerst schwierig erwiesen. Am Freitag soll trotz hoher Dünung erneut versucht werden, das 40 Meter lange Schiff zu stabilisieren und in tieferes Gewässer zu schleppen. Am Vortag waren sechs Seeleute verletzt worden, als eine besonders hohe Welle gegen den Rumpf des bereits halb gesunkenen Schiffes brandete. Unterdessen setzten hunderte Helfer ihre Suche nach ölverschmierten Tieren fort.

"Wir müssen es erneut versuchen", sagte der Kommandant des zweiten Marinebezirks, Francisco Andrade. Es sei eine "gefährliche, aber unvermeidliche" Arbeit, weil aus dem Havaristen nach wie vor Öl ins Meer fließe. "Uns bleibt nur noch wenig Zeit", warnte der Militärkommandant. Der größte Teil der ursprünglich 900 000 Liter Diesel und schweren Heizöls an Bord waren in den vergangenen Tagen durch mehrere Lecks ins Meer gelangt. Nur wegen günstiger Winde war ein größere Katastrophe ausgeblieben. Dennoch wurde Öl an die Strände von vier Inseln gespült.

Kapitän gesteht Schuld ein

Der Kapitän des Schiffes, Tarquino Arevalo, gestand seine Schuld an dem Unglück "ohne jede Einschränkung" ein. Er habe eine Untiefenboje mit einem Leuchtfeuer verwechselt und sein Schiff deshalb außerhalb der Fahrrinne gesteuert. Er war am Mittwoch mit den 13 anderen Besatzungsmitgliedern festgenommen worden. Kurz darauf hatte er einen Schwächeanfall erlitten und musste auf der Krankenstation der Marinebasis behandelt werden.

Die Gefahr einer unmittelbaren Verschmutzung der Strände und Küstenfelsen durch die ausgelaufene Ladung von fast 900 000 Litern Treibstoffen schien unterdessen weitgehend gebannt. Das meiste Öl sei vom Wind aufs Meer hinaus getrieben worden.

Ein kleinerer Öl-Teppich bedrohte jedoch die Insel Espanola, schrieb die Zeitung "Comercio" (Quito). Das Öl habe die Sandbank "Banco Ruso" zwischen den Inseln Espanola und Floreana erreicht, teilte Washington Tapia vom Nationalpark mit. Dort solle die klebrige Masse von Hand eingesammelt werden, um Espanola und Floreana zu schützen. Auf der Insel leben Albatrosse, Seelöwen, Meeresechsen und auch Pinguine.

Einzigartige Tierarten

Bereits zuvor war Öl an den Strand der Bahia Tortuga auf der Insel Santa Cruz gespült worden. Dort gibt es Leguane, Seelöwen, Albatrosse, Pelikane und andere Seevögel. Freiwillige sammelten die klebrige Masse ein und bisher seien dort noch keine ölverschmierten Tiere gesichtet worden, berichtete der World Wide Fund for Nature (WWF) .

Die Galapagos-Inseln wurden 1535 von den Spaniern entdeckt und 1832 von Ecuador in Besitz genommen. Wegen der langen Abgeschiedenheit haben sich dort zahlreiche einzigartige Tierarten entwickelt. Der britische Naturforscher Charles Darwin studierte die Tier- und Pflanzenwelt 1835 und erhielt dabei wesentliche Anregungen für seine Abstammungslehre.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×