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08.01.2003

07:20 Uhr

Kaprepublik gilt als Refugium vor dem weltweiten Terrorismus

In Südafrika boomt der Tourismus

VonWolfgang Drechsler

Beständiges Wetter, günstige Preise und die gute Infrastruktur locken Besucher ins südliche Afrika. Besonders anziehend wirkt aber die Hoffnung der Touristen, von Terroranschlägen verschont zu bleiben. Investoren hoffen, mit Milliardeninvestitionen in Hotels von dem Boom zu profitieren. Vor allem Deutsche und Briten haben Südafrika als Reiseland entdeckt.

KAPSTADT. Sol Kerzner, Erbauer des legendären südafrikanischen Spielerparadieses Sun City und der gleich daneben errichteten Lost City, hat den Glauben an seine alte Heimat nicht verloren. Dreizehn Jahre nach seinem Rückzug aus Südafrika plant der Hotelmagnat, ein spektakuläres Comeback.

Ausgestattet mit einer Kriegskasse von mehr als 1,5 Mrd. Euro wollen Kernzer Senior und Sohn Butch in das Luxussegment der Hotelindustrie am Kap eindringen. Zwar will das Vater/Sohn-Team weltweit in Top-Unterkünfte investieren, doch soll der Schwerpunkt des jüngsten Ventures auf dem südlichen Afrika liegen. "Wir kommen nicht nur zurück, weil wir das Terrain hier kennen sondern weil die Region ein gigantisches Tourismus-Potenzial hat", schwärmt Kerzner.

Das Timing des 68-Jährigen könnte nicht besser sein. Während die Tourismusbranche seit den Anschlägen am 11. September 2001 weltweit in heftige Turbulenzen geraten ist, meldet Südafrika Monat für Monat steigende Besucherzahlen. Nach Angaben der staatlichen Fremdenverkehrs-Organisation SA Tourism lag die Zahl der ausländischen Besucher in den ersten neun Monaten dieses Jahres um fast 15 % höher als im Vergleichzeitraum des Vorjahres. Mit über 400 000 kamen die meisten von ihnen aus Großbritannien. Aber auch die Deutschen strömen wie noch nie ans Kap und bildeten mit mehr als 250 000 Besuchern die zweitgrößte Reisegruppe.

Touristen schätzen vor allem, dass Südafrikas Straßen in gutem Zustand sind, das Wasser überall trinkbar ist und die Telefone funktionieren. Das Angebot in den Läden und Restaurants ist mit dem in Europa vergleichbar, aber fast durchweg billiger. Auch auf die in Europa oft berichtete Kriminalität trifft der Besucher nur selten, weil die gewalttätigsten Orte weitab der Touristenrouten liegen. Entsprechend begeistert kehren die Vertreter vieler Reiseveranstalter in ihre Heimat zurück, um Südafrika dort als neuen Hoffnunsgsträger der Branche zu vermarkten.

Der wohl wichtigste Auslöser des Booms dürfte jedoch in dem neuen Sicherheitsempfinden vieler Besucher liegen. Obwohl Südafrika noch immer eine hohe Verbrechensrate aufweist, gilt das politisch und sozial stabile Land an der fernen Südspitze Afrikas plötzlich als ein Refugium vor dem globalen Terror.

Daneben hat die landschaftlich abwechslungsreiche und oft unberührte Kaprepublik bis vor kurzem vom Niedergang seiner Randwährung Ende 2001 profitiert, der in den letzten drei Monaten des Jahres 2001 fast 40 % gegenüber dem Dollar verloren hatte. Inzwischen hat der Rand diesen Wertverlust zwar fast völlig kompensiert, aber im Vergleich mit Mitteleuropa und Nordamerika ist Südafrika noch immer günstig. Auch wenn darüber spekuliert wird, dass sich das Land wegen seiner großen muslimischen Minderheit und der guten Beziehungen zu Ländern im Nahen Osten zu einem Rückzugsgebiet für arabische Terroristen entwickeln könnte, gibt es dafür erst wenig Anzeichen.

Der südafrikanische Tourismusmarkt ist noch nicht ausgereizt: Südafrikas Anteil am Welttourismusmarkt liegt noch immer bei weniger als 1%. Auch zum nationalen Sozialprodukt steuert der Fremdenverkehr kaum mehr als 6 % bei und liegt damit noch hinter (Industrie) Ländern wie Südkorea.

Das größte Hindernis für einen weiteren Ausbau des Tourismus sind zurzeit die fehlenden Flugverbindungen. Seit längerem herrscht hier ein chronischer Mangel, nachdem die Zahl der Gesellschaften, die zwischen Europa und SA verkehren, von 75 im Jahr 1997 auf knapp über 50 in diesem Jahr zurückgegangen ist.

Südafrika verzeichnete nach seinem friedlichen Übergang zur Demokratie in den 90-er Jahren einen ersten Touristenboom, der jedoch nicht lange anhielt. SA Tourism ist seither unter neuer Führung stark umgekrempelt worden. Im Gegensatz zu früher, als ein Gutteil der Einnahmen in die Gehälter der Angestellten floss, wird nun viel mehr zur Werbung für Südafrika verwendet. Denn Südafrika soll als Reiseland nicht nur von der Mundpropaganda profitieren.

Quelle: Handelsblatt

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