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28.04.2000

17:11 Uhr

Karriere-Strategie

Management ist die Kunst der Wirksamkeit

Wie kommt es, dass manches große Talent auf der Strecke bleibt, während mittelmäßig Begabte mit ihrer Karriere zügig vorankommen?

Fredmund Malik

Fredmund Malik

Management ist die Kunst der Wirksamkeit. Intelligenz, Begabung, Talente, eine akademische Ausbildung usw. sind wünschenswerte Voraussetzungen. Aber für sich genommen, sind sie völlig nutz- und wertlos. Erst und nur jene typischen Verhaltensweisen und Methoden, die man zusammengefasst als Management bezeichnen kann, führen zu Ergebnissen.

Vielen Menschen wird das nie gesagt, sie begreifen es ein Leben lang nicht und wenn überhaupt, dann wird es ihnen erst spät in ihrer Berufslaufbahn klar. Daher gibt es ja jene Tragik, dass so viele Menschen mit einer an sich hervorragenden Ausbildung in ihrem Beruf bestenfalls mittelmäßig sind; dass es Menschen trotz herausragender Intelligenz so oft zu nichts bringen; und dass das Beste, was ein Mensch haben kann, seine Begabungen und Talente, so häufig ungenutzt verrottet.

Voraussetzungen und Ressourcen zählen nicht, so lange sie nicht genutzt werden. Von all den vielen Definitionen von Management, die es gibt, ist daher die beste und fruchtbarste jene, die diese Aufgabe ins Zentrum stellt: Management ist die Transformation von Ressourcen in Nutzen - und das Kriterium, der Maßstab ist die Wirksamkeit, mit der das geschieht. Alles was dazu beiträgt, diese Aufgabe zu erfüllen, gehört zum Management, völlig unabhängig davon, ob es in den Lehrbüchern steht - was es meistens leider nicht tut.

So gesehen ist Management selbstverständlich nichts Neues. Die Menschen hatten dieses Problem ja zu allen Zeiten zu lösen. Es war früher nur sehr viel einfacher und leichter - weil wir noch keine Organisationen hatten, jedenfalls keine großen und komplexen. Auch heute hat ja der Mensch auf sich allein gestellt oder in der Familie, im kleinen Handwerksbetrieb, im Pionierunternehmen, in der "Softwarebude" meistens kein Problem mit seiner Effektivität. Seine Wirksamkeit ist dort augenfällig; dort sieht er seine Ergebnisse und dort kann er vor allem den Unterschied zwischen Arbeit und Leistung sehr leicht wahrnehmen. Wenn seine Wirksamkeit abnimmt, korrigiert sich das sehr schnell und fast von allein.

Ganz anders ist es aber in der Welt der Organisationen, die ein sehr junges Phänomen ist - kaum 150 Jahre alt -, und vor allem in der Welt der großen und komplexen Organisationen, die nicht mehr, wie früher, "Kraftverstärkungsapparate" sind, sondern "Wissens-, Informations- und Intelligenzverstärkungsapparate".

Dort sieht man die Ergebnisse nicht mehr mit freiem Auge, sondern nur über Vermittlung durch ziemlich komplizierte Berichts- und Informationssysteme, daher meistens gefiltert und verzerrt - und auch nicht mehr sofort, sondern nur noch zeitverzögert. Dort sieht man zwar noch die Arbeit, aber kaum mehr die Leistung; und vor allem ist keineswegs klar, worin Leistung besteht oder bestehen soll, was als Leistung überhaupt zählt und was man unter relevanten Resultaten zu verstehen hat.

Die meisten Menschen - 98 Prozent - verbringen ihr Berufsleben aber genau in diesem Kontext, als Mitarbeiter von Organisationen - und sie werden darauf nicht vorbereitet. Daher ist man nach Abschluss eines Studiums auf einem bestimmten Gebiet zwar gescheit - aber kaum effektiv; man ist vielleicht motiviert - aber kaum wirksam; man ist möglicherweise sogar talentiert - ob man seine Talente aber zu nützen versteht, wäre zu fragen.

Management ist die Kunst der Wirksamkeit. Selbst mittelmäßig ausgebildete Menschen, selbst solche mit unterdurchschnittlicher Intelligenz können von erstaunlicher Wirksamkeit sein, wenn sie sich um ihre Managementkompetenz kümmern. Dies ist im Kern sehr einfach - und praktisch nur deshalb schwierig, weil aus diesem Thema eine neue Metaphysik gemacht wird, eine eigentümliche Mischung aus komplizierten, praxisfremden Theorien, und - noch schlimmer - von Modewellen und Scharlatanerien.

Das Handwerk des Managements ist einfach - aber es ist nicht leicht. Es ist einfach insofern, als keine besonderen intellektuellen Anforderungen vonnöten sind, um es zu begreifen. Es ist aber nicht leicht in dem Sinne, als es einer bestimmten Haltung und eines bestimmten Verhaltens bedarf - es benötigt Disziplin, Gewissenhaftigkeit, Sorgfalt und Gründlichkeit - und man braucht Kenntnisse und Einsichten. Vor allem aber braucht man Training und Erfahrung.



Der Autor:


Professor Dr. Fredmund Malik übernahm 1984 im Rahmen eines "Friendly Buy-Outs" zusammen mit zwei weiteren Partnern das Management Zentrum Sankt Gallen. Seither ist er Präsident des Verwaltungsrates der MZSG Holding AG und ihrer Tochtergesellschaften

Zehntausenden von Führungskräften hat er in Vorträgen und Seminaren die Kernsubstanz des wirklich brauchbaren Management-Wissens vermittelt. Malik versteht Management als eine umfassende gesellschaftliche Funktion, vielleicht die wichtigste bewegende Kraft einer modernen Gesellschaft. Er hat sich als Autor einer Vielzahl von Publikationen zu Management-Themen und vor allem durch seine unermüdliche Kritik an Management-Modewellen, -Scharlatanerien und-Infantilismen einen Namen gemacht.



Maliks Leitspruch:


"Total Quality Management ist wichtig, aber Total Management Quality ist zehnmal so wichtig."



Wichtige Veröffentlichungen:


Malik, F.: Führen, Leisten, Leben. Wirksames Management für eine neue Zeit. DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT, 49,80 DM, ISBN: 3-421-05370-7

Malik, F.: Management- Perspektiven. Wirtschaft und Gesellschaft, Strategie, Management und Ausbildung. HAUPT PAUL, ISBN: 3-258-05898-9

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