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14.02.2001

21:01 Uhr

Kartellamt hat Bedenken: Dekoder-Geschäft droht zu platzen

Kirchs D-Box ohne Telekom

VonDonata Riedel

Die Kirch-Gruppe muss ohne die Milliarde DM auskommen, für die sich die Deutsche Telekom an Kirchs Dekoder-Tochter Beta-Research beteiligen wollte. Das Kartellamt will dem Geschäft nicht zustimmen.

BERLIN. Die Deutsche Telekom AG, Bonn, wird sich aller Voraussicht nach nicht an der Dekoder-Firma Beta Research beteiligen. Beta Research entwickelt für die Münchener Kirch-Gruppe die D-Box-Dekoder. Ursprünglich wollte die Telekom 1 Mrd. DM für die Beteiligung zahlen. Wie das Bundeskartellamt dem Handelsblatt bestätigte, haben die Wettbewerbshüter große Bedenken gegen das Zusammengehen der Telekom als größtem Netzbetreiber und Kirch als dem einzigen Pay-TV-Anbieter ausgerechnet bei der Dekoder-Technik. Die Prüffrist läuft bis zum 26. Februar.

"Im Grunde sind die Bedenken dieselben wie beim Verbot der Media Service GmbH durch die EU-Kommission 1994", sagte ein Kartellamtssprecher. Damals wollten Kirch, Telekom und Bertelsmann eine Bezahlfernseh-Allianz bilden. Diese wurde wegen der Dominanz des Dreierbundes untersagt.

Nach Handelsblatt-Informationen verlangt das Kartellamt von der Telekom, in fest zu vereinbarenden Zeiträumen ihr Kabelgeschäft zu verkaufen. Bisher hat die Telekom die Mehrheit an den Kabel-Regionalgesellschaften Nordrhein-Westfalen an die US-Gruppe Callahan und Hessen an den Investor Klesch verkauft.

Preisverfall für Kabel-Unternehmen

Um die übrigen sieben Regionen wird noch verhandelt. Angesichts des jüngsten Preisverfalls für Kabel-Unternehmen will sich die Telekom auf zeitliche Zusagen aber nicht einlassen. "Wir werden keiner Forderung des Kartellamts zustimmen, die Einfluss auf den Wert unserer Kabelaktivitäten hat. Es geht hier um Milliarden", sagte Gerd Tenzer, Telekom-Vorstand für Technik und Netze.

Tenzer wies den Vorwurf zurück, dass ein Zusammengehen der Telekom mit Kirch bei Beta-Research den Wettbewerb behindere. "Die D-Box ist heute die einzige Pay-TV-Technik auf dem deutschen Markt. Uns kommt es darauf an, diese Technik an europäische Standards heranzuführen und zu einer offenen Plattform zu machen", sagte er. Als Hersteller für Dekoder solle künftig jeder, der will, tätig werden.

Laut Tenzer ist die Telekom allerdings nicht unbedingt auf eine Beteiligung an Beta-Research angewiesen. "Technisch gibt es immer mehrere Wege zum Ziel. Deshalb müssen wir uns nicht zwingend an Beta-Research beteiligen." Wie in Telekom-Kreisen zu hören ist, ist das Unternehmen nicht allzu unglücklich über das Scheitern der Pläne. Aus heutiger Sicht findet manch ein hochrangiger Manager die vor einem Jahr verabredete Milliarde als Kaufpreis für die halbe Beta Research viel zu teuer. Eine Öffnung der D-Box hin zu den neuen europäischen Standards, so diese Meinung, werde ohnehin stattfinden.

Für andere Boxen öffnen

Branchen-Experten teilen diese Sicht der Dinge. "Kirchs Premiere muss sich ohnehin für andere Boxen öffnen, weil es in Deutschland auch andere Boxen geben wird", sagte Hans Hege, Chef der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. So hatte David Colley, Partner des Kabelnetzbetreibers Callahan, bereits angekündigt, mit vier Boxen-Herstellern zu verhandeln - allerdings nicht mit Kirch. Hege sieht die Fronten zwischen D-Box-Anhängern und ihren Gegnern dennoch aufgeweicht. "Die Kirch-Leute haben viel gelernt", meinte Hege.

Ein Sprecher der Kirch-Gruppe wollte "zu dem laufenden Kartellverfahren" nicht Stellung nehmen.

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