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14.06.2000

12:54 Uhr

Kartellamtspräsident Böge sieht genügend Außenwettbewerb

Veag wird zur vierten Wettbewerbskraft - Das Strom-Duopol ist abgewendet

Die EU- Kommission hat gestern in Straßburg uneingeschränkt grünes Licht für die Fusion von Veba AG, Düsseldorf, und Viag AG, München gegeben. Dagegen wurde die Prüfungsfrist im Fall von RWE AG, Essen, und VEW AG, Dortmund, bis zum 10. Juli verlängert. Doch geht das Bundeskartellamt in Bonn, das für die Ruhrfusion zuständig ist, davon aus, dass "vorbehaltlich wirksamer Lösungen für den Gasbereich" mit einer Freigabe zu rechnen ist. In den Bereichen Strom- und Entsorgungswirtschaft hätten RWE sowie VEW den vorgesehenen Auflagen bereits zugestimmt.

ews/jsn DÜSSELDORF. "Die Entstehung von Marktbeherrschung ist nicht mehr zu erwarten. Denn die Schaffung von wirksamem Außenwettbewerb auf allen Marktstufen (Stromhandel, Belieferung von Groß- und Kleinkunden) verhindert zusammen mit anderen Auflagen das andernfalls zu erwartende oligopolistische Parallelverhalten in einem weitgehend symmetrischen Duopol" RWE/VEW und Veba/Viag, stellt Kartellamtspräsident Ulf Böge als Ergebnis der Prüfungen wettbewerbsverbessender Maßnahmen heraus.

In enger Zusammenarbeit haben sowohl die Wettbehörde der EU als auch das Bundeskartellamt die Auflagen für die Verschmelzungen abgestimmt. Der wichtigste Kritikpunkt betraf die Verflechtungen in der deutschen Energiewirtschaft. So müssen RWE/VEW und die neue Eon (Veba/Viag) gegenseitige Beteiligungen abgeben.

Der größte Brocken lag in dem gut 20-%-Paket der Eon an der VEW. Dabei soll kein Bargeld fließen, sondern es werden andere Beteiligungen getauscht. Eon erhält die RWE-Beteiligungen an der Gasag AG, Berlin (12 %), an Erdgas Schwaben, Augsburg (26 %), sowie die VEW-Beteiligung an Gelsenwasser AG, Gelsenkirchen (28 %). Die gemeinsamen Anteile an der Rhenag AG, Köln, werden zwischen RWE (54 % Anteile) und Veba (41 %) real geteilt. Zugleich wird RWE innerhalb von 5 Jahren seine Bergemann-Beteiligung von 3,4 % an der Ruhrgas AG, Essen, an Eon abgeben. Da die Kartellbehörden neben Eon, RWE und Energie Baden-Württemberg AG (EnBW), Karlsruhe, noch einen vierten leistungsfähigen, unabhängigen Wettbewerber sichern wollten, müssen die Fusionskandidaten sich von ihren Anteilen am ostdeutschen Versorger Veag AG, Berlin, und deren Braunkohlenlieferanten Laubag AG, Senftenberg, trennen. Während die Eon zudem ihre Beteiligungen an der HEW AG, Hamburg, und der Bewag AG, Berlin, verkaufen muss, soll RWE den Anteil von 63 % am größten ostdeutschen Regionalversorger Envia Energie Sachsen Brandenburg AG, Chemnitz, abgeben. Den Rest halten Kommunen.

Böge begründete diese Auflage damit: "Mit dem Verkauf von Envia wird der Veag der Einstieg ins Endkundengeschäft ermöglicht." So werde Veag über ihre Erzeugungs- und Stromtransportaktivitäten hinaus zu einem "vollständigen und bedeutenden Wettbewerber auf den deutschen Strommärkten".

RWE will Envia an einen Käufer der Veag, an der die Konsortien Bewag/Southern und HEW/Vattenfall interessiert sind, "zu einem marktangemessenen Preis" veräußern. Sollte der Käufer der Veag-Anteile aber eine Absatzgarantie vorziehen, so werde RWE die Abnahme von 10,6 Mrd. kWh jährlich bis Ende 2007 garantieren. Sie soll sich ab 2004 jedoch um 10 % pro Jahr verringern. Eine weitere Absatzgarantie von 3,5 Mrd. kWh jährlich soll die VEW Meag AG, -Tochter Halle, leisten. Im Entsorgungsbereich stehen weitere Bereinigungen an: Die VEW-Anteile an der Entsorgung Dortmund GmbH und der Müllverbrennungsanlage Hamm erhält die Interseroh AG, Köln.

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