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16.01.2003

16:45 Uhr

Kartellamtsverbot für Übernahme

Ruhrgas auch ohne Eon gesichert

Die Essener Ruhrgas AG sieht ihre Zukunft als führender deutscher Gasimporteur auch dann gesichert, sollte der geplante Zusammenschluss mit dem Energiekonzern Eon nicht gelingen.

Reuters BERLIN. "Ruhrgas würde sich auch ohne Eon weiter entwickeln, vor allem international", sagte Ruhrgas-Chef Burkhard Bergmann am Donnerstag bei einem Reuters-Gespräch in Berlin. "In puncto Sicherung der Versorgung und Ausbau der Versorgungswege würde uns ohne Eon aber ein großer Sprung verwehrt bleiben. Eon hat zugesichert, Ruhrgas nach der Fusion mit Milliarden-Investitionen zu unterstützen.

Auch könnte Ruhrgas ohne die Fusion mit Eon große Synergien im Ausland nicht heben, sagte Bergmann. Als Beispiel nannte er Großbritannien, wo Eon mit dem Versorger Powergen ein starkes Standbein im Markt habe und wohin Ruhrgas in Zukunft größere Mengen Gas liefern will. Die Eon-Aktie reagierte auf die Bergmann-Äußerungen mit einem leichten Aufschlag. Am Nachmittag notierte sie in Frankfurt bei 42,31 Euro um ein halbes Prozent höher.

Die von Eon geplante Übernahme der Ruhrgas war nach einem Kartellamtsverbot im vorigen Sommer im Wege einer Ministererlaubnis genehmigt worden. Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf hat den Vollzug der Fusion aber auf Eis gelegt, nachdem sich eine Reihe von Konkurrenten beschwert hatte. In einem am 29. Januar beginnenden Verfahren will das Gericht endgültig über die Zulässigkeit der Ministererlaubnis entscheiden.

Eon hat in der Vergangenheit wiederholt erklärt, alle Rechtsmittel auszuschöpfen, um die Fusion doch noch vollziehen zu können. In Unternehmenskreisen hieß es, man werde außerdem auch andere Handlungsoptionen prüfen. Dazu zählt beispielsweise, die Fusionsgenehmigung bei der EU-Kommission in Brüssel zu beantragen.

"Durch das OLG Düsseldorf ist die Angelegenheit zu einer Hängepartie geworden. Die Sache hängt an verfahrensrechtlicher Akrobatik", sagte Bergmann. Über den Ausgang des Verfahrens wollte er sich ebenso wenig äußern wie über mögliche Reaktionen Eons. Das sei ausschließlich deren Sache. "Wir haben überhaupt keine Angst vor einer Entwicklung ohne Eon, aber den Quantensprung, der auch für Deutschland wichtig wäre, den würden wir nicht erreichen", sagte Bergmann.

Die Selbstständigkeit von Ruhrgas sieht Bergmann auch in der Tatsache bewiesen, dass das Unternehmen im vorigen Jahr mit 2,2 Milliarden Euro einen neuen Investitionsrekord aufgestellt habe. 2002 sei "wirtschaftlich in Ordnung" gewesen, sagte der Vorstandschef, wollte sich im Detail aber nicht zu Zahlen äußern. Ruhrgas hatte sich unter anderem zusammen mit Gaz de France und der russischen Gazprom mit knapp 50 Prozent am slowakischen Gasmonopolisten SPP beteiligt und damit Einfluss auf wichtige Transitpiplines für Gas aus Russland nach Westeuropa bekommen.

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