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16.01.2003

07:40 Uhr

Kartellrechtliche Hürden für Fusion sollen niedriger sein als beim ersten Anlauf

Bertelsmann-Tochter BMG liebäugelt wieder mit EMI

Eineinhalb Jahre nach ihrem ersten erfolglosen Fusionsversuch nehmen die Bertelsmann-Musiktochter BMG und die britische EMI Group Plc offensichtlich einen neuen Anlauf. Unternehmensnahe Kreise bestätigen Gerüchte über Gespräche zwischen beiden Unternehmen. Die EMI-Konzernzentrale und ein Bertelsmann-Sprecher wollten die Spekulationen nicht kommentieren.

pes/jkn/scc FRANKFURT/DÜSSELDORF. Ein erneuter Fusionsversuch würde unter einem besseren Stern stehen als noch vor rund eineinhalb Jahren. Zwar ist eine Anfrage bei der Europäischen Kommission in Brüssel noch nicht eingegangen. Eine Sprecherin von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti sagte, sie habe bislang "keine Informationen über eine beabsichtigte Fusion der beiden Unternehmen". Doch scheinen die kartellrechtlichen Hürden, die die ersten Gespräche 2001 zum Scheitern brachten, mittlerweile deutlich niedriger zu liegen. Das bestätigten Banken- und Unternehmenskreise.

EMI und BMG hatten die monatelangen Verhandlungen über eine Fusion im Mai 2001 beendet. Begründet wurde die Entscheidung mit den Auflagen, die die Brüsseler Wettbewerbshüter für den Fall einer Fusion verhängt hätten. Jetzt soll sich Insidern zufolge das Blatt gewendet haben. Alle fünf großen Musikkonzerne Universal, Sony, BMG, EMI und Warner kämpfen mit der Konsumzurückhaltung und der wachsenden Bedrohung durch Musik-Raubkopien im Internet. Laut dem Branchendienst Music Week World Report sind die weltweiten Musikverkäufe im vergangenen Jahr um 9 % zurückgegangen und sollen auch in den kommenden zwei Jahren weiter fallen. Die EU-Kommission werde daher die wirtschaftliche Notwendigkeit von Zusammenschlüssen in der Musikbranche eher anerkennen, heißt es in Unternehmenskreisen.

"In diesem Jahr muss auf dem Musikmarkt etwas passieren", so ein Bertelsmann-Insider. Zwar hat Bertelsmann bereits Ende November letzten Jahres für 2,74 Mrd. $ die Musikfirma Zomba Music Group übernommen. Damit war der Musikbereich des Medienkonzerns zum drittgrößten Musikverlag der Welt aufgestiegen. Doch der Wachstumsdrang scheint noch nicht gestillt. Im vergangenen Herbst hatte Gunter Thielen, der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann, gesagt: "BMG ist auch mit der Zomba Music Group noch nicht groß genug." BMG hat im Geschäftsjahr 2000/2001 rund 2,8 Mrd. $ umgesetzt.

Bertelsmann gilt in der Branche allerdings nicht als der einzige Interessent für den britischen Musikkonzern, der im vergangenen Jahr mit Stellenabbau, neuen Managern und der Schließung unprofitabler Plattenfirmen auf die Branchenkrise reagiert hatte. Auch der US-Medienkonzern AOL Time Warner Inc. hatte noch im September offiziell bekräftigt, an einer Fusion mit EMI interessiert zu sein.

Quelle: Handelsblatt

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