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09.02.2003

18:45 Uhr

Kasparow konnte Deep Junior nicht bezwingen

Duell Mensch gegen Maschine bleibt Endlos-Story

Schachgenie Garri Kasparow konnte die Maschine in New York nicht bezwingen, reist aber mit 750 000 US-Dollar nach Hause.

HB/dpa NEW YORK. Nach dem Remis in der sechsten Partie endete der Zweikampf des russischen Ex-Weltmeisters gegen das Schachprogramm Deep Junior in der Nacht zum Samstag mit 3:3. Als Antrittsgeld hatte Kasparow eine halbe Million Dollar erhalten, der Preisfonds wurde auf Grund des Ausgangs geteilt.

Im letzten Spiel mit den schwarzen Steinen besaß Kasparow zwar Stellungsvorteile, verzichtete aber nach 28 Zügen auf weitere Gewinnversuche. Er war durch seine Verlustpartie in der Mitte des Matchs gewarnt und wollte zudem am Ende nicht - wie vor fünf Jahren bei seiner Niederlage gegen das IBM-Programm Deep Blue - alles aufs Spiel setzen.

Kasparow ist für viele Experten der beste Schachspieler aller Zeiten. Aber er gilt als impulsiv, aggressiv und unberechenbar. Diese Eigenschaften sind beim Spiel gegen den emotionslosen Computer weniger gefragt. Nur so ist seine Niederlage im dritten Spiel zu erklären, als er überstürzt angriff und Deep Junior ins offene Messer lief. Dadurch glich das Schachprogramm im Gesamtstand aus und ließ den Menschen bis zum Schluss nicht mehr in Führung gehen.

Großmeister Viswanathan Anand aus Indien, der als bester Computerkenner unter den Top-Spielern gilt, zollte Deep Junior seinen Respekt. Der Weltranglisten-Dritte, der sich während des Matchs auf einer Internetseite zu den Kommentatoren gesellt hatte, erklärte: "Ich habe das Programm bisher unterschätzt, es ist intelligenter als ich dachte." Vor dem Wettkampf hatte Anand noch Kasparow favorisiert. Doch in den Partien 3 und 4 spielte der Rechner nach den Worten des "Tigers von Madras" strategisch einwandfrei.

Mit dem Unentschieden kann auch die Firma ChessBase in Hamburg gut leben. Sie vertreibt neben ihrem Flaggschiff Deep Fritz auch die Software des israelischen Programms Deep Junior. Unternehmensgründer Frederic Friedel ist der Meinung, dass die Schachcomputer von heute fast unschlagbar sind. "Nur die besten Großmeister der Welt können noch mit ihnen mithalten. In wenigen Jahren wird auch das nicht mehr möglich sein", ist sich Friedel sicher.

Das Schachduell zwischen Hirn und Chip wird jedoch weitergehen. Nach Wladimir Kramniks 4:4 in Bahrain gegen Deep Fritz im Oktober 2002 und Kasparows 3:3 in New York gegen Deep Junior ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass der reizvolle Zweikampf Mensch gegen Maschine fortgesetzt wird.

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