Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2000

15:22 Uhr

Kaufangebot für rund 5,1 Mrd. DM

Direktbank Entrium steht vor Übernahme

Die Schickedanz Beteiligungs-GmbH will offenbar ihre Mehrheitsbeteiligung an der Entrium Direct Bankers AG an die italienische Bank Bibop verkaufen.

Reuters NÜRNBERG/BRESCIA. Die Nürnberger Familie Schickedanz will offenbar ihre Mehrheitsbeteiligung an der am Neuen Markt notierten Direktbank Entrium Direct Bankers AG an die italienische Bank Bipop SpA-Carire verkaufen. Das Institut aus Brescia und die ehemalige Quelle- Bank aus Nürnberg bestätigten am Freitag Verhandlungen mit Schickedanz. Während Entrium zum Inhalt der Gespräche keine Stellung nehmen wollte, sprach Bipop bereits von der Übernahme einer Mehrheit an der seit zehn Jahren bestehenden Direktbank. Die Schickedanz Beteiligungs-GmbH ist seit dem Börsengang im September noch mit 69 % an Entrium beteiligt, der Rest befindet sich in Streubesitz.

In Branchenkreisen hieß es, die Verhandlungen könnten schon in der kommenden Woche abgeschlossen werden. Nach einem Bericht der Mailänder Wirtschaftszeitung "Il Sole 24 Ore" bietet Bipop einen Betrag für die Mehrheitsbeteiligung, der einem Firmenwert der Online-Bank von insgesamt etwa 2,6 Mrd. Euro (rund 5,1 Mrd. DM) entspricht. Der Kaufpreis solle teilweise in bar und zum anderen Teil in Aktien bezahlt werden. "Il Sole" berief sich dabei auf deutsche Bankenkreise. Nach dem italienischen Übernahmekodex muss ein Unternehmen den Minderheitsaktionären des Akquisitionsobjektes ein Übernahmeangebot für ihre Aktien zu den gleichen Bedingungen unterbreiten.

Schickedanz hatte 1999 ihr Versandhandelsgeschäft mit dem größten deutschen Versandhandelskonzern "Quelle" in die Karstadt Quelle AG eingebracht und ist seither größter Aktionär an dem Düsseldorfer Handelskonzern. Die Quelle Versicherungen, die die Familie behalten hatte, erwägen für das kommende Jahr einen Börsengang. Die 1990 als erste reine deutsche Direktbank gegründete Quelle Bank hatte zunächst vor allem Sofortkredite an Quelle-Kunden ausgereicht; 1995 war sie in den Wertpapierhandel eingestiegen. Entrium sieht sich mit mehr als 800 000 Kunden als eine der größten deutschen Direktbanken.

Im vergangenen Jahr hatte Entrium den Gewinn vor Steuern auf 36,7 (16,6) Mill. DM mehr als verdoppelt. In den ersten drei Monaten 2000 kletterte das Ergebnis weiter um 62 % auf 10,7 Mill. DM.

Im Sommer 1999 war das Institut in Entrium Direct Bankers umbenannt und im September an den Neuen Markt geführt worden. Seither hat sich der Emissionskurs von 16,50 Euro mehr als verdreifacht. Am Freitagnachmittag notierten die Entrium-Aktien mit 57,95 Euro um 0,7 % unter dem Vortageskurs und damit weiter in der Nähe des Jahreshochs. Bipop verloren 0,3 % auf 9270 Lire. Die italienische Bank, die bis vor kurzem nur regionale Bedeutung hatte, hat sich mit zahlreichen Akquisitionen in Frankreich, Portugal, Spanien und in der Schweiz vor allem im Online-Banking profiliert. An der Börse wird sie mittlerweile mit 14 Mrd. Euro (28 Mrd. DM) bewertet.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×