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12.07.2000

10:00 Uhr

Kaufpreis beträgt 10,8 Milliarden $

UBS will viertgrößten US-Broker PaineWebber kaufen

Andere reden über Zusammenschlüsse, der Schweizer Bankkonzern präsentiert Fakten. Der Kauf des US-Brokers mit Kundeneinlagen von mehr als 450 Mrd. $ wird von Analysten als positiv, aber teuer gewertet.

Reuters NEW YORK. Der Schweizer Bankenkonzern UBS will für mindestens 10,8 Mrd. $ den amerikanischen Vermögensverwalter PaineWebber übernehmen. Mit dem Kauf des viertgrößten US-Brokers gewinnt die Schweizer Großbank Zugang zur lukrativen Vermögensverwaltung für reiche Amerikaner. Wie die UBS am Mittwoch mitteilte, verwaltet PaineWebber mit 7600 Finanzberatern Anlagen im Wert von rund 452 Mrd. $ (rund 760 Mrd. sfr, knapp eine Billion DM). UBS selbst betreute Ende des ersten Quartals 2000 Vermögen von 1767 Mrd. sfr (rund 1,4 Billionen DM). Mit dem Zukauf baut die UBS ihre führende Stellung in der Vermögensverwaltung kräftig aus.

Engagement in den USA kam nicht überraschend

Die UBS, die aus der Fusion von Schweizer Bankgesellschaft und Schweizerischem Bankverein entstanden ist, hatte in jüngster Zeit Mühe, die verwalteten Vermögen zu erhöhen und die Kunden zu halten. So hieß es in dem am Mittwoch vorgelegten vorläufigen Quartalsbericht, der Nettozufluss an Neugeldern im Vermögensverwaltungsbereich sei im zweiten Quartal enttäuschend geblieben.

Die Schweizer Großbank hatte wiederholt erkennen lassen, dass sie an einer Übernahme in den USA interessiert ist. Allerdings war in Marktkreisen der Eindruck entstanden, es gehe UBS um kleinere auf bestimmte Nischenprodukte spezialisierte Firmen.

PaineWebber hat reiche Kunden

PaineWebber betreut den Angaben zufolge 2,7 Millionen reiche amerikanische Kunden. Dieser Kundenstamm könne nun auch durch den Vermögensverwalter UBS Warburg bearbeitet werden, betonte UBS. UBS Warburg habe bereits eine führende Stellung im Verkauf von nichtamerikanischen Anlageprodukten an US-Kundschaft. Im Geschäft mit institutionellen Kunden ist UBS in den USA gut vertreten. Auch im Online-Banking verfügt PainWebber über eine bedeutende und stark wachsende Marktposition. Die Mitarbeiter von PaineWebber will UBS auf jeden Fall halten. Ein Bonus-Plan im Wert von 875 Mill. $ über die nächsten drei Jahre soll wichtige Mitarbeiter bei der Stange halten.

Die Übernahme soll Synergien im Wert von schätzungsweise 425 Mill. $ vor Steuern im Jahr abwerfen, die 2002 erstmals voll zum Tragen kommen sollen. Es wird nach den Angaben mit Umstrukturierungskosten von 400 Mill. $ vor allem in den USA gerechnet.

Der Kaufpreis von 73,50 $ je PaineWebber-Aktie solle je zur Hälfte in bar und in UBS-Aktien entrichtet werden, teilte die UBS weiter mit. Kleine Aktionäre können ihre Aktien voll gegen bar oder voll gegen UBS-Aktien abgeben. Bei der Aktienbezahlung sollen 0,4954 UBS-Aktien einem PaineWebber-Anteilsschein entsprechen. Zur Finanzierung der Übernahme will die UBS für 6,2 Mrd. $ 42,3 Milliionen neue Aktie und für 1,5 Mrd. $ Vorzugsaktien ausgeben. Erst kürzlich hatte die UBS ihre Aktien an der New Yorker Börse notieren lassen, um eine Währung für eine Übernahme zu haben. 4,7 Mrd. $ des Kaufpreises sollen durch Barmittel und Kredite aufgebracht werden. Werden alle PainWebber-Optionen ausgeübt, so erhöht sich der Kaufpreis auf 12,4 Mrd. $, wie es auf den UBS-Unterlagen im Internet, hieß.

Mit den neuen Aktien wird ein früheres Rückkaufprogramm der UBS wieder revidiert. In den fünf Monaten bis Ende Juni 2000 kaufte die UBS rund 18,5 Mill. eigene Aktien zu einem Durchschnittspreis von 217 sfr zurück gekauft. Diese Titel sind zur Vernichtung bestimmt.

Börse und Analysten reagieren nicht enthusiastisch

Die Börse reagierte auf die Übernahme und die anstehende Kapitalerhöhung zunächst skeptisch. Die UBS-Aktie verlor bis zum Nachmittag mehr als fünf Prozent.

Strategisch mache die Übernahme Sinn, sagte die Bank-Analystin Madleine Hoffmann von Credit Suisse First Boston. US-Konzernchef Marcel Ospel wurde mit dem Satz zitiert, "die Kombination der Produktepalette der UBS mit der führenden Position von PaineWebber im US-Markt für vermögende Kunden wird ein weltweit führendes Investmenthaus schaffen".

Die Übernahme werde vom PaineWebber-Aufsichtsrat und von den zwei großen PaineWebber-Aktionären, General Electric und Yasuda Mutual Life, die zusammen 30 % an PaineWebber halten, unterstützt. Die Transaktion soll im November abgeschlossen sein. Der Kauf soll sich ab dem Jahr 2001 positiv auf den Gewinn je Aktie der UBS auswirken. Der Übernahmepreis liege 47 % über dem Börsenkurs der PainWebber-Aktien am 11. Juli, erklärte die UBS weiter.

Analysten den Zürcher Kantonalbank erklärten, der Preis sei nicht gerade günstig, er entspreche aber dem, was in den letzter Zeit für solche Transaktionen gezahlt worden sei. Aktienhändler sagten, die Übernahme sei positiv für UBS, da sie die Stellung des Schweizer Bankenkonzerns im US-Markt bedeutend verstärke.

UBS-Gewinn im zweiten Quartal rückläufig

Wie die UBS weiter mitteilte, schwächte sich der Reingewinn im zweiten Quartal auf 2163 Mrd. sfr von 2216 Mrd. sfr im ersten Quartal ab. Im Vergleich zu den 926 Mill. sfr Gewinn im entsprechenden Quartal des Vorjahres ergab sich aber eine markante Steigerung um 134 %.

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