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31.01.2003

12:12 Uhr

Kaufpreis niedriger als erwartet

EADS übernimmt Astrium vollständig

Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS wird wie angekündigt vom Rüstungskonzern BAE Systems dessen 25-prozentigen Anteil an der hoch defizitäre Satellitenfirma Astrium kaufen. Vor dem Hintergrund der Krise in der Satellitenbranche konnte der künftige Alleinaktionär EADS den Kaufpreis dabei deutlich drücken.

Reuters LONDON/MÜNCHEN. Die EADS werde für 84 Millionen Euro den Astrium-Anteil von BAE Systems übernehmen, teilten die beiden börsennotierten Unternehmen am Freitag in München mit. Für die EADS, die bislang 75 Prozent der Aktien hielt, erfolge der Kauf aber cashneutral, da beide Partner vor der Transaktion jeweils 84 Millionen Euro in Astrium investierten. Darüber hinaus wird die EADS allein die Leitung der bislang gemeinsam geführten Militärsatelliten-Firma Paradigm übernehmen. Diese verhandelt im Rahmen von "Skynet 5" derzeit mit Großbritannien über einen Auftrag in Höhe von voraussichtlich rund zwei Milliarden Pfund.

Bei der im Juli 2002 getroffenen Vereinbarung über den Anteilsverkauf war noch ein Kaufpreis von 165 Millionen Euro genannt worden. Vor dem Hintergrund des nun deutlich niedrigeren Preises hieß es in der Mitteilung, die nun getroffenen Modalitäten spiegelten "die derzeit ungünstige Situation im kommerziellen Raumfahrtbereich wider".

Die EADS profitiert beim Kaufpreis davon, dass wegen der Konjunkturflaute und der Krise bei den Telekommunikationsfirmen der Markt für Satelliten drastisch eingebrochen ist. Experten gehen davon aus, dass 2003 weniger als zehn der künstlichen Himmelstrabanten ins All geschossen werden - vor wenigen Jahren waren es noch deutlich über 20 gewesen. Hinzu kommen technische Probleme bei der europäischen Trägerrakete Ariane 5.

Sollte die EADS für Paradigm nicht den Zuschlag des britischen Verteidigungsministeriums erhalten, wird der Konzern den Angaben zufolge zusätzlich von BAE Systems 55 Millionen Euro als Entschädigung erhalten. Ein EADS-Sprecher sagte, eine Entscheidung über das als strategisch wichtig erachtete Skynet-5-Projekt werde zur Jahresmitte erwartet.

In Astrium sind neben dem Satellitengeschäft auch die deutschen Ariane-Aktivitäten gebündelt. Nach Worten eines EADS-Sprechers können letztere nun mit den anderen Ariane-Bereichen zusammengefasst werden. Im Zuge dieser Restrukturierung gebe es derzeit aber keine Entscheidungen für neue Stellenstreichungen, fügte er hinzu. Astrium beschäftigt rund 8400 Mitarbeiter und vollzieht momentan den Abbau von 1200 Arbeitsplätzen.

Astrium soll der Mitteilung zufolge 2004 wieder Gewinne schreiben. Alleine in den ersten neun Monaten 2002 hatte der gesamte Bereich Raumfahrt - zu dem Astrium gehört - vor Steuern und Zinsen 101 Millionen Euro Verlust geschrieben. Dennoch will die EADS an dem Geschäft festhalten. "Raumfahrt gehört zu unseren Kernaktivitäten", erklärte Bereichschef Francois Auque.

Der EADS-Sprecher bekräftigte, der Konzern strebe Allianzen oder Zusammenschlüsse im Satellitengeschäft an. "Wir sind der Meinung, es gibt zu viele Satellitenhersteller", sagte er und fügte hinzu: "Wir sagen auch, wir wollen die Führungsrolle." Derzeit liefen Gespräche, Ergebnisse seien aber nicht absehbar. Die EADS peilt hier unter anderem eine Zusammenarbeit mit dem französischen Konkurrenten Alcatel an.

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