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09.01.2001

05:59 Uhr

Kaufpreis von zwei Milliarden Dollar im Gespräch – Druck auf Branchendritten Delta Air Lines wächst

American Airlines will TWA übernehmen

American Airlines steht in Verhandlungen, sowohl die TWA als auch Teile von US Airways zu übernehmen. Sollte der Deal zu Stande kommen, würde er weiteren Fusionen in der Branche den Weg ebnen.

HANDELSBLATT, 9.1.2001

kol/kk NEW YORK/DÜSSELDORF. Für rund 2 Mrd.  $ will American Airlines nach Angaben aus Unternehmenskreisen den hochverschuldeten Konkurrenten Trans World Airlines (TWA) übernehmen. Eine Einigung könnte bereits am Mittwoch verkündet werden. Doch noch sind die Verhandlungen nicht abgeschlossen, und könnten auch noch scheitern. Beide Fluggesellschaften lehnten eine Stellungnahme zu den Berichten ab.

Sollte die Übernahme zu Stande kommen würde sie für TWA-Chef Bill Compton einen Schlusspunkt unter die verzweifelten Bemühungen setzen, die achtgrößte US-Airline zurück in die schwarzen Zahlen zu führen. Zuletzt schien die Situation der Fluggesellschaft so hoffnungslos, dass nach Ansicht von Branchenkennern die Liquidation der Gesellschaft wahrscheinlicher war als die Übernahme durch einen Konkurrenten.

Als Vorbereitung für die Übernahme durch American Airlines wird TWA voraussichtlich noch in dieser Woche Gläubigerschutz beantragen. In den ersten drei Quartalen 2000 wies das Unternehmen, das rund 20 000 Mitarbeiter beschäftigt, einen Verlust von 115,1 Mill. $ (rund 236 Mill. DM) aus.

Parallel zur geplanten Übernahme von TWA steht American Airlines auch in Verhandlungen, einen Teil von US Airways , der sechstgrößten amerikanischen Fluggesellschaft zu kaufen. Im Mai vergangenen Jahres hatte United Airlines angekündigt, US Airways zu übernehmen, war damit aber auf erbitterten Widerstand der US-Wettbewerbsbehörden gestoßen. Der Verkauf eines Teils von US Airways an American soll wohl nun die Kartellwächter besänftigen. Denn so entstünden zwei fast gleich große Airline-Gruppen. Die Dominanz von United wäre abgemildert.

United ist gezwungen, einen großen Teil der Verbindungen am Flughafen Washington abzugeben, wo sie zusammen mit US Airways eine dominierende Position hätte. Die Flugrechte und die Flugzeuge für diese Strecken will der schwarze Unternehmer Robert Johnson , Gründer von Black Entertainment Televison, übernehmen und damit die Regionalfluggesellschaft DC Air gründen. An dieser DC Air will American nun 49 % erwerben. Außerdem soll American in Verhandlungen stehen, einen Teil des Shuttle-Verkehrs zwischen Boston, New York und Washington von US Airways zu übernehmen. Angeblich ist American bereit, für den Anteil an US Airways 1,4 Mrd.  $ zu bezahlen.

Positiver Nebeneffekt dieses komplizierten Deals für American: Mit der Übernahme von TWA verlöre sie einen lästigen Konkurrenten, der durch seinen erbitterten Existenzkampf in der Vergangenheit die Preise im inneramerikanischen Verkehr verdorben hat. "Indem sie TWA kauft, kann American nicht nur einen Wettbewerber ausschalten, sondern darüber hinaus einen, der die Preise niedrig gehalten hat", erläutert Morris Garfinkle, Unternehmensberater bei PAConsult und einer der gefragtesten Experten der Airline-Industrie.

Ursprünglich hatte American Airlines in Erwägung gezogen, als Reaktion auf die geplante Fusion von United und US Airways die Nummer fünf der Branche, Northwest Airlines zu übernehmen. Diese Verhandlungen scheiterten dem Vernehmen nach jedoch an den unterschiedlichen Preisvorstellungen der Unternehmen.

Sollten die Übernahmen wie geplant über die Bühne gehen, würde das die Konsolidierung in der amerikanischen Airline-Industrie weiter anheizen. "Die große Frage ist nun: Was macht Delta Air Lines", sagt Luftfahrtexperte Garfinkle. Die weltweite Nummer drei unter den Fluggesellschaften muss sich nun ihrerseits nach einem Fusionspartner umsehen, um nicht den Anschluss an American und Delta zu verlieren. Nachgesagt wird ihr verstärktes Interesse an einem Einstieg bei Continental .

Denn Größe ist ein wichtiges Kriterium in der Luftfahrtbranche. Mit einem weitverzweigten Netz von Verbindungen steigern die Airlines nicht nur ihre Attraktivität für die Kunden. Mit einer großen Flotte ist es für sie auch leichter, die Kosten zu drücken.

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