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31.01.2003

17:05 Uhr

Kaviar-Burger, Luxushotel oder Jugendherberge

Etat der Ski-WM ist „sportlich"

St. Moritz bietet zu den 28. alpinen Ski- Weltmeisterschaften überraschende und extreme Gegensätze: Nur ein Stockwerk voneinander entfernt konkurriert ein Gourmet-Restaurant mit einer amerikanischen Fast-Food-Kette. Zudem muss der sonst für Luxus und mondäne Lebensweise bekannte Ort mit einem abgespeckten Spar-Etat auskommen.

Blick von der Damen-Rennstrecke hinunter auf St. Moritz. Foto: dpa

Blick von der Damen-Rennstrecke hinunter auf St. Moritz. Foto: dpa

HB/dpa ST. MORITZ. 51 Mill. ? oder 80,4 Mill. Franken stehen den Organisatoren zur Verfügung, vor zwei Jahren bei der WM in St. Anton waren es inklusive der notwendigen Verlegung des Bahnhofs mehr als das Doppelte.

"Das Budget ist im Vergleich zu St. Anton recht sportlich. Ich bin froh, wenn wir ohne Defizit rauskommen", sagte der Präsident des Schweizer Skiverbandes, Duri Bezzola. Auch in der wohlhabenden Schweiz fließen angesichts der verschlechterten Wirtschaftslage die Gelder nicht mehr ungehindert: So lehnte die Bevölkerung des Kantons Graubünden in einem Volksentscheid im September 2000 einen Zuschuss von sieben Mill. Franken ab. Anderthalb Jahre später gewährte die Bevölkerung in einer weiteren Abstimmung immerhin vier Mill. Franken - nach einer massiven Werbekampagne. "Das hat uns sehr viel Geld gekostet", erinnerte sich WM-Finanzchef Michael Conrad.

Teuer ist für die erwarteten 100 000 Zuschauer das Leben im Engadin. Essen und Schlafen sind günstig kaum zu haben. Wer keins der 58 Zimmer zu 52 Franken pro Person in der Jugendherberge ergattert hat, kann auch für 12 000 Franken in der "Presidential Suite" des neu eröffneten Kempinski nächtigen - dafür sogar mit Begleitperson. Dazu passt, dass in den meisten Schaufenstern der luxuriösen Boutiquen die Preisschilder für Pelzmäntel und Designerschuhe von vornherein weggelassen werden. Wer hier kauft, fragt nicht nach dem Preis. Im Durchschnitt lässt ein Gast nach Berechnungen des Tourismusverbandes pro Tag etwa 1000 Franken in St. Moritz.

Doch die Organisatoren betonen, dass der mit 322 Sonnentagen pro Jahr verwöhnte Ort kein WM-Domizil der Super-Reichen sein soll. "Die Region lebt ja auch vom Massentourismus, es gibt auch viele Zwei- und Drei-Sterne-Hotels", erklärte Verbandspräsident Bezzola. Doch auch dort ist eine Übernachtung für weniger als 200 Franken schon ein Schnäppchen. Selbst im "McDonalds" auf der Corviglia kostet der Hamburger stolze 4,90 Franken. In der anderen Etage des "Jachthavens Corviglia" mitten im Skigebiet gibt es im Feinschmecker-Restaurant den McRomanoff mit iranischem Kavier für 195 Franken.

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