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02.02.2001

17:50 Uhr

Kehrtwende binnen weniger Tage

Telekom will doch eine UMTS-Lizenz in Frankreich

Die Aussicht auf mögliche Verbesserungen der Ausschreibungsbedingungen für die französischen UMTS-Mobilfunklizenzen hat bei der Deutschen Telekom und weiteren Unternehmen erneut Interesse an der Lizenzvergabe aufkommen lassen.

rtr PARIS. Nachdem nur zwei Interessenten für die vier zu vergebenden Lizenzen übrig sind, will die Telekom nun die Bedingungen für eine zweite Vergaberunde prüfen, wie Telekom-Chef Ron Sommer der Tageszeitung "La Tribune" sagte. Eine Allianz mit dem kleinsten französischen Mobilfunkanbieter Bouygues Telecom schloss Sommer nicht aus und vollzog damit innerhalb weniger Tage eine Kehrtwende.

Auch Hutchison Whampoa und Bouygues Telecom erwägen nach ihrem Rückzug nun wieder, sich um eine Lizenz beim französischen Staat zu bewerben, wenn sich die Vergabebedingungen verbessern. Bouygues hatte seinen Rückzug mit mangelnder Finanzierbarkeit begründet. Der Versorger Suez Lyonnaise schloss hingegen eine erneute Beteiligung aus. Unterdessen äußerte EU-Kommissar Erkki Liikanen wegen der deutlichen Unterschiede bei den Lizenzpreisen Besorgnis über mögliche Ungleichgewichte in der EU.

Telekom-Chef Sommer sagte in dem Zeitungsinterview, man habe nie definitiv "Nein" zum französischen Markt gesagt. Vor wenigen Tagen hatte Sommer noch die Ende November getroffenen Entscheidung gegen die Teilnahme an der Lizenzvergabe in Frankreich verteidigt. Seine inzwischen geänderte Haltung zum französischen UMTS-Markt erklärte er damit, dass man sich gegen eine Lizenz unter den damaligen Bedingungen ausgesprochen habe. "Jetzt beobachten wird die Entwicklungen ganz genau", sagte der Telekom-Chef der Zeitung. "Gegenwärtig spielen wir die Karte der Globalisierung, aber nur teilweise, da man dies auch finanzieren können muss."

Ein Sprecher der Telekom sagte hingegen: "Unsere Position hat sich nicht geändert." Man habe immer gesagt, dass man den französischen Markt, auf dem man bereits mit drei der vier Konzernsparten vertreten sei, aufmerksam beobachte. Den Zeitungsbericht bewertete der Sprecher als zugespitzt. Die Telekom hatte Ende November entschieden, nicht an dem französischen Vergabeverfahren teilzunehmen und dies damit begründet, dass das Unternehmen in Frankreich über keine Kundenbasis verfüge.

Mit Blick auf den Rückzug des Bieterkonsortiums aus Suez Lyonnaise und Telefonica aus dem UMTS-Vergabeverfahren in Frankreich hatte Sommer Ende vergangener Woche betont, dies ändere nichts an der Kalkulation, da man nicht als so genannter Greenfield-Operator antreten wolle.

Nachdem dann Anfang dieser Woche auch die Bouygues Telecom ihren Verzicht bekundet hatte, blieben nur noch zwei Bieter für die vier ausgelobten Lizenzen übrig. Die französische Regulierungsbehörde hat die Regierung deshalb inzwischen um eine neue Ausschreibung der Lizenzen gebeten. Die Behörde hält eine neue Ausschreibung für notwendig, um Wettbewerb auf dem künftigen Mobilfunkmarkt zu erreichen.

Finanzminister Laurent Fabius kündigte eine neue Vergaberunde für zwei weitere Lizenzen an. Einzelheiten stehen noch nicht fest. Man könne tatsächlich mehrere Parameter in der in einigen Monaten stattfindenden zweiten Runde verändern. Als Beispiele hatte der Minister die Laufzeit der Lizenzen, die Kosten und den Zeitplan genannt.

Frankreich wollte ursprünglich vier UMZTS-Mobilfunklizenzen gegen eine Gebühr von jeweils 4,95 Mrd. ? vergeben. Als Teilnehmer an dem Vergabeverfahren blieben nach dem Rückzug von Bouygues Telecom und Suez Lyonnaise/Telefonica lediglich der Marktführer France Telecom/Orange und der Anbieter SFR übrig.

Der Vorstandschef von France Telecom, Michel Bon, sagte der "Financial Times", Nachzügler bei der Ausschreibung müssten höhere Lizenzgebühren zahlen als in der erste Runde verlangt würden. Die Bieter hätten durch die Kenntnis des Marktpotenzials Vorteile.

Liikanen sagte in einem am Freitag veröffentlichten Zeitungsinterview, die Preise für die UMTS-Lizenzen lägen in Europa zwischen Null und 600 ? pro Einwohner. Diese großen Differenzen seien ein ernstes Problem für das Prinzip des einheitlichen EU-Binnenmarktes, für die Branche und die Volkswirtschaften. Nach Abschluss der Lizenzvergabe in Europa sollte die EU seiner Ansicht nach darüber entscheiden, welches der beste Weg bei künftigen Gebührenerhebungen sei. Vorschläge zur künftigen Vorgehensweise nannte der Kommissar nicht.

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