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21.01.2001

19:25 Uhr

Kein Börsengang der Investmenttochter WestLB Panmure geplant – Aufbauphase läuft Ende des Jahres aus

WestLB will IPO-Schatz der Sparkassen heben

VonCASPAR DOHMEN

Die WestLB sieht sich als Nischenanbieter im europäischen Investmentbanking gut positioniert. Ende des Jahres soll die Konsolidierung bei der Investmenttochter WestLB Panmure starten. Keine Vorteile für das Investmentgeschäft erwartet das Düsseldorfer Institut von einer Aufspaltung der Landesbank.

DÜSSELDORF. Die These, nur große Investmenthäuser hätten langfristig eine Überlebenschance, kontert Jürgen Sengera gelassen. Das Vorstandsmitglied der Westdeutschen Landesbank (WestLB) verweist im Handelsblatt-Gespräch darauf, dass sich die Investmentsparte des Instituts, für die er verantwortlich ist, bisher im Segment "europäischer Wachstumstitel" gegenüber ihren großen Konkurrenten erfolgreich durchsetzen konnte. Hier rangiere die Bank unter den Spitzeninstituten. Vergangenes Jahr belegte sie, gemessen an der Emissionszahl, mit 18 Platzierungen Platz sieben auf den europäischen Wachstumsmärkten. Spitzenreiter war Credit Suisse First Boston mit 31 Emissionen. Gemessen am Emissionsvolumen von 993,57 Mill. Euro kam Panmure auf Platz 19.

Im Herbst 1998 hatte die Düsseldorfer Landesbank unter dem neuen Label "WestLB Panmure" ihr Investmentbanking neu ausgerichtet. Die Tochter sei ein "wichtiges Glied" im Gesamtkonzept der mit einer Bilanzsumme von knapp 394 Mrd. Euro viertgrößten deutschen Bank, betont Sengera. Ziel sei es, den gesamten Lebenszyklus von Wachstumsunternehmen abzubilden. Dazu zählten vor einem Börsengang Dienstleistungen wie Privat Equity Fonds oder so genannte Brückenfonds für die Zwischenfinanzierung. Für die Zeit danach biete man M&A-Dienstleistungen oder weitere Finanzierungen wie Wandelschuldverschreibungen oder High- Yield-Bonds. Letztere Instrumente seien in 2000 aufgebaut worden.

Keine Konsequenzen aus EM.TV-Skandal

Die Stärke des Hauses sieht Sengera bei Emissionen. Hier konzentriert sich die Bank in den vier Märkten Großbritannien, Deutschland, Frankreich sowie Italien auf die sechs Branchen Life Sciences, Technologie, Hightech- Engineering, neue Finanzdienstleister, Logistik und Medien/Kommunikation.

Bis Ende dieses Jahres soll die dreijährige Aufbauphase abgeschlossen werden. Bereits beendet sei sie in Deutschland und Großbritannien, so Sengera. Im laufenden Jahr sollen die Aktivitäten auf den Neuen Märkten in Italien und Frankreich angekurbelt werden. Die Zahl der Mitarbeiter werde von 850 auf 900 steigen. Die Back-Office-Funktionen blieben allerdings auf die Standorte Düsseldorf und London beschränkt.

Verstärkt will das Institut künftig aus dem Marktpotenzial seiner Sparkassen-Verbundpartner schöpfen. Das gilt sowohl hinsichtlich der Geschäftsanbahnung für Börsenkandidaten, als auch beim Vertrieb der Aktien. Deshalb habe die WestLB eine Pilotgruppe von nordrhein-westfälischen Sparkassen gegründet, sagt Sengera. "Deren IPO-Potenzial analysieren wir momentan." Bis Mitte April werde eine klare Segmentierung von Unternehmen mit Blick auf ihrer Börsenreife erarbeitet.

Der öffentlich-rechtliche Rechtsrahmen wirkt sich nicht auf das Geschäft der WestLB Panmure aus. "Daraus ziehen wir keine Vor- oder Nachteile im Investmentbanking", sagt Sengera. Keinerlei Auswirkungen für die Investmentsparte werde der geplante Umbau des Mutterkonzerns haben. Derzeit überlegen die Eigentümer der WestLB - das sind neben dem Land NRW der rheinische und westfälisch-lippische Sparkassenverband sowie die beiden Landschaftsverbände - die Landesbank in eine öffentlich-rechtliche Mutter und eine private Tochter-Geschäftsbank umzubauen. Das Investmentbanking würde dann bei der privaten Geschäftsbank angesiedelt.

Als abwegig bezeichnete der Vorstand Spekulationen um einen Börsengang der WestLB-Investment - sparte: "Wir haben nicht die Absicht Panmure an die Börse zu bringen." Dies sei sinnlos, denn "wir würden ein erfolgreiches Geschäftsfeld aufgeben und uns einer Produktlinie berauben, die großen Wert für unsere Kunden hat". Seit dem Start vor zweieinhalb Jahren haben die Düsseldorfer nach eigenen Angaben mehr als 350 Mill. Euro in ihr Investmentbanking investiert. Die WestLB-Tochter habe in 2000 einen Return on Equity von mehr als 35 % erwirtschaftet. Die hohe Cost Income Ratio von knapp über 80 % sei typisch für die Aufbauphase, in der sich das Geschäft befinde, erklärt Sengera.

Für dieses Jahr prognostiziert er einen Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe in Euro. Zudem solle die Cost Income Ratio unter 80 % sinken. Ab nächstem Jahr werde die Konsolidierungsphase beginnen. Dann folge der "Feinputz" mit Kostensenkungsmaßnahmen.

Eine leichte Erholung erwartet Sengera für 2001 nach den vorangegangenen "massiven Korrekturen" am Neuen Markt. Den Nemax sieht er bei 3500 Punkten, vorausgesetzt die Konjunktur bleibe in Deutschland stabil und eine harte Landung in den USA werde verhindert. Spitzenwerte am Neuen Markt wie Anfang 2000 würden Investoren auf absehbare Zeit nicht mehr sehen. "Hier machen hochfliegende Pläne nüchternem Denken Platz. Das wird dem Markt gut tun."

Keine Auswirkungen hätten Kursrutsch und Vertrauensverlust der Anleger auf die geplante Zahl der Neuemissionen der Bank. Die Pipeline sei genauso voll mit Emissionen wie im letzten Jahr. Die Schwerpunkte würden im Bereich Technologie, Life Sciences und trotz der Vorgänge bei EM.TV bei Media/Kommunication liegen.

Gibt es nach den Vorfällen bei Infomatec, Teamwork und EM.TV Korrekturbedarf bei der deswegen in die Kritik geratenen WestLB? "Nein", betont Sengera, denn zum Zeitpunkt des Börsengangs seien alle drei Unternehmen gesund gewesen. Die Probleme seien erst nach dem Börsengang aufgetreten. In dieser Phase habe WestLB Panmure als Emissionsbank kaum Einflussmöglichkeiten. "Wenn das Management die Maßstäbe verliert - wie im Falle EM.TV, Infomatec oder Teamwork - kann man als Emissionbank herzlich wenig machen." Das Konzept von drei unabhängigen Abteilungen mit Spezialisten für das IPO sowie für die Branchen- und Kapitalmarktanalyse, welche bei Panmure die Emmissionskandidaten auf ihre Börsentauglichkeit untersuchen, werde beibehalten.

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