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30.06.2000

12:48 Uhr

Kein Datenschutz

Gescheiterte US-dot.coms verkaufen ihre Kundendaten

Als letzte Kapitalquelle nach dem Bankrott erweisen sich für dot.com-Unternehmen interne Kundendaten. Wenigstens drei der jüngst gescheiterten US-Gesellschaften planen entweder den Verkauf ihrer Daten oder haben ihn schon abgeschlossen, berichtet der Online-Nachrichtendienst CNET.

vwd NEW YORK. Während boo.com etwa - einer Datenschutzverpflichtung zum Trotz - im Juni Informationen über rund 350 000 Kunden an Fashionmall.com veräußerte, soll Toysmart ihre gefragten Daten im vergangenen Monat im "Wall Street Journal" zum Kauf offeriert haben.

Dabei hatte sich nach dem Bericht auch Toysmart in einer Datenschutz-Erklärung verpflichtet, "persönliche Informationen wie Namen, Adresse, Angaben zu Rechnungen und Kaufverhalten" nie an Dritte weiterzugeben. Der Umgang der dot.com-Unternehmen mit ihren Daten haben nicht nur die betroffenen Kunden aufgeschreckt, sondern auch die Ordnungshüter auf den Plan gerufen. Im Falle von Toysmart wird nun ein US-Bundesrichter über die Rechtmäßigkeit des geplanten Datenverkaufs entscheiden müssen. "Es ist unpassend und potenziell illegal, Kundeninformationen zu verkaufen, die gesammelt wurden, um sie ausschließlich zu unternehmensinternen Zwecken zu verwenden", erklärt Dave Steer, Sprecher von TRUSTe.

Gütesiegel sollen Datenschutz sichern

Das vor drei Jahren ins Leben gerufene Programm zur Sicherung des Datenschutzes im Internet vergibt ein Gütesiegel für dot.com-Unternehmen, die den Datenschutzvorgaben entsprechen. Allerdings zählen auch boo.com und Toysmart zu den mehr als 2 000 Webseiten, an die TRUSTe besagtes Gütesiegel vergeben hat. Anders als diese beiden Internetanbieter hat CraftShop.com nach dem Bericht versichert, Datenschutzauflagen nicht zu verletzen. "Wir haben unseren Kunden versprochen, ihre Angaben nicht ohne ihre Zustimmung preiszugeben. Aus diesem Grund können wir die Kundendaten nicht einfach an irgendeinen Interessenten verkaufen", sagt ihr CEO Angus Mackey.

Stattdessen könne Craftshop die Kundendaten nur im Zusammenhang mit dem Verkauf der Internetseite selbst weitergeben. Dass ein solches Vorgehen nach Aussage von Datenschutz-Anwälten legal ist, wird für die betroffenen Kunden indes wenig tröstlich sein. Bislang rechtfertigen die bankrotten dot.com-Unternehmen ihr Vorgehen mit der Notwendigkeit, ihre Gläubiger befriedigen zu müssen. Um Kundenbefürchtungen zu begegnen, gehen Internet-Unternehmen nun zunehmend dazu über, Zusicherungen über die Wahrung des Datenschutzes auf ihre Internet-Seiten zu stellen. Andrew Shen vom Electronic Privacy and Information Center hält dies jedoch bei Weitem nicht für ausreichend.

Er besteht darauf, dass bestehende Schlupflöcher geschlossen werden und die Weitergabe von Kundendaten bei Unternehmensverkäufen oder Fusion durch strengere Auflagen weitestgehend unterbunden werden müssen. Erwartet wird laut CNET gemeinhin, dass US-Gerichte am Ende eine bindende Entscheidung über das zulässige Ausmaß der Weitergabe persönlicher Daten fällen werden.

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