Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.06.2000

19:00 Uhr

Keine automatische Umwandlung in Bestensorders

Gefährliche Stop-Loss-Orders

VonHolger Alich

Ist der Kurs der Aktie bei Eintreffen einer Order bereits unter die Stop-Loss-Marke gerutscht, lehnt Xetra die Orders ab - und einige Broker streichen sie dann einfach. Experten halten diese Vorgehen für angreifbar.

DÜSSELDORF. Da staunte Tim van der Horst nicht schlecht: Der Consors-Kunde wollte sich gegen Kursrückgänge der Aixtron-Aktie absichern und versah daher seine Aixtron-Bestände im Depot mit einer Stop-Loss-Marke; Fällt der Kurs unter 297,50 Euro, so sollte Consors die Papiere über Xetra verkaufen, instruierte er die Bank.

Als van der Horst sein Depot den Tag darauf nochmal prüfte, rieb er sich verwundert die Augen: "Der Kurs war mittlerweile auf rund 280 Euro abgerutscht, aber die Papiere waren immer noch in meinem Depot. Zudem hat Consors meine Order gestrichen und kassierte auch noch Gebühren" ärgert er sich. (Mittlerweile notieren Aixtron nach einer Verdoppelung des Grundkapitals und der Ausgabe von Berichtigungsaktien bei Kursen um 145 Euro.)

Diesen Wirbel mit einer Stop-Loss-Order könnten auch andere Direktbank-Kunden haben, die über ihren Broker Stop-Loss-Marken bei der Computerbörse Xetra platzieren. Das Problem ist komplex und könnte für Anleger teuer werden.

Die Details: Als van der Horst seine Stop-Loss-Marke setzte, war der Kurs bereits unter seine Verkaufsgrenze von 297,50 Euro gerutscht. Doch statt die Order zu streichen, hätte die Order seiner Ansicht nach in eine Bestensorder umgewandelt werden sollen, also zum nächst besten Kurs verkauft werden sollen. "Dann wäre ich wenigstens nicht auf den Papieren sitzen geblieben", schimpft er.

An der Präsenzbörse in Frankfurt wird tatsächlich so verfahren, wie sich van der Horst das vorstellt. "Hat der Kurs der betreffenden Aktie die die Stop-Loss-Marke bei Eintreffen der Order bereits unterschritten, wird die Order automatisch in eine Bestensorder umgewandelt und zum nächsten Kurs ausgeführt.", erklärt ein Mitarbeiter der Marktsteurung der Deutschen Börse AG.

Aber: Van der Horst hat seine Order auf dem automatischen Handelssystem Xetra und eben nicht an der Präsenzbörse platziert. "Xetra führt eine Plausibilitätsprüfung bei den eingehenden Orders durch. Eine Stop-Loss-Order oberhalb der aktuellen Kurses akzeptiert das System nicht", erklärt ein Sprecher der Börse. Allerdings streiche Xetra die Orders nicht, sondern versende an den Marktteilnehmer eine Warnmeldung. "Was mit diesen Meldungen passiert, ist Sache der Bank", so der Sprecher.

Und die Broker streichen einfach diese Order, die von Xetra zurückkommen. "Das lässt sich im Zusammenspiel der Systeme nicht anders darstellen", erklärt Melanie Pronath, Consors-Juristin. Auch bei Comdirect und van der Horst auf die Nase gefallen. "Wer sich Handel mit Aktien zutraut, muss das wissen", meint lapidar Comdirect-Sprecher Mathias Hajek. Bei der Direkt Anlage Bank hätte van der Horst gar keine Stop-Loss-Order für Xetra aufgeben können. "Wir arbeiten noch an der Umsetzung", sagt ein Sprecher.

Den Kunden hinterherzutelefonieren, um zu fragen, was mit der Order passieren soll, ist den Brokern zu stressig. "Das könnte nie im angemessenen zeitlichen Rahmen geschehen", meint Pronath. Überdies würden die Consors-Kunden über diese Details beim Handel auf Xetra in "Der Wertpapier-Wegweiser" auf Seite 39 hingewiesen, den jeder Kunde von Consors zugesandt bekommt.

Dem Rechtsanwalt Hans-Jürgen Polt, der sich mit Schwierigkeiten mit Direktbroker beschäftigt, hält dieses Vorgehen für angreifbar. "Der Kunde hat der Bank einen Auftrag erteilt. Wenn Consors den ablehnen will, muss die Bank den Kunden dies unverzüglich mitteilten", argumentiert er. Dieser Anzeigepflicht sei Consors nicht nachgekommen. Überdies hält er den Hinweis auf die Broschüre für zu dünn: "Wenn es um die Schnelligkeit der Orderausführungen geht, erklären die Broker, dass Angaben in Broschüren nicht verbindlich seien. Aber in diesem Punkt soll das auf einmal anders sein", wundert er sich.

Für Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz zeigt der Fall eines: "Direktbroker-Kunden müssen sich selbst über alles informieren." Die günstigen Gebühren können sie sonst teuer zu stehen kommen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×