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23.01.2003

11:35 Uhr

Keine Entlassungen geplant

Tui streicht rund 1000 Stellen

Europas größter Touristikkonzern Tui will nach eigenen Angaben 2003 in der Touristiksparte rund 1000 Stellen abbauen. Konkrete Entscheidungen gibt es noch nicht. Betroffen sein könnten mehrere Bereiche, darunter die Fluggesellschaft Hapag-Lloyd in Hannover und die Geschäftsreisetochter TQ3 Travel Solutions in Bremen.

Reuters HANNOVER. Entlassungen seien nicht geplant, sagte Tui-Konzernsprecher Kay Baden am Donnerstag in Hannover. Tui wolle die Fluktuation und Zeitarbeitsverträge nutzen. Bei Ausscheiden von Mitarbeitern würden Stellen nicht wiederbesetzt, befristete Verträge nicht verlängert. Konzernchef Michael Frenzel hatte in einem Interview mit der "Börsenzeitung" (Donnerstagausgabe) gesagt, rund die Hälfte der Stellen werde in Deutschland wegfallen. Konkrete Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen, ergänzte Baden.

Konzernweit sind in der Touristik knapp 50 000 Menschen beschäftigt. Tui hatte am Mittwoch bei Vorlage der vorläufigen Bilanz für 2002 mit starken Umsatz- und Ergebniseinbußen ein Sparprogramm in Höhe von 111 Millionen Euro angekündigt. Rund 46 Millionen Euro entfallen auf Personalmaßnahmen.

Konkurrent Thomas Cook hatte bereits im November für 2003 den Wegfall von 500 Arbeitsplätzen angekündigt. Beide Konzerne, die in den vergangenen Jahren durch Zukäufe in Großbritannien und Frankreich zu den beiden europäischen Marktführer gewachsen waren, hatten bereits 2001 jeweils mehrere tausend Stellen eingespart.

Im Personalbereich will Tui in diesem Jahr mit flexibleren Arbeitszeitmodellen und einer Zeitarbeitsfirma neue Wege gehen und zusätzliche Kosten sparen. Die neue Konzerntochter soll in Deutschland mit 100 Beschäftigten starten. Dabei sollen vor allem die befristet Angestellten von Tui Deutschland übernommen werden. In welchem Umfang welche Konzerntöchter in diesem Jahr zum geplanten Stellenabbau beitragen sollen, wollte Tui am Donnerstag nicht erläutern. Dafür sei es zu früh.

Bekannt sind aber bereits Pläne für Umstrukturierungen bei einer der beiden größten Tui-Fluggesellschaften, Hapag-Lloyd in Hannover. Dort wird geprüft, die Flugzeugwartung zur britischen Schwester-Gesellschaft Britannia nach London-Luton zu verlegen. Dies könnte in Hannover allein rund 100 Jobs kosten. Erhebliche Kostensenkungen sind auch der Geschäftsreise-Tochter TQ3 Travel Solutions in Bremen verordnet worden. Rund 25 Prozent weniger sollen 2003 im Kostenetat stehen. Standortschließungen und Stellenabbau seien nicht ausgeschlossen, hieß es bereits im Dezember.

Die Tui-Aktie geriet am Donnerstag erneut unter Druck. Nach DZ Bank und HypoVereinsbank stufte auch die US-Investmentbank Goldman Sachs die Aktie herunter auf "Underperform" von zuvor "In-line". Tui hatte am Mittwoch mit Umsatzeinbußen von zehn Prozent auf 20 Milliarden Euro und einem unerwartet starken Rückgang des operativen Gewinns um 25 Prozent auf 600 Millionen Euro die Finanzmärkte überrascht. Die Aktie verlor zeitweise um acht Prozent. Auch am Donnerstag hielt der Negativtrend an: Bis zum frühen Nachmittag notierte Tui mit minus zwei Prozent bei 13,60 Euro.

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