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10.03.2003

14:49 Uhr

"Keine konkreten Erkenntnisse"

Außenhandel: Streit mit USA nicht spürbar

Der Bundesregierung ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums von konkreten Störungen in deutsch-amerikanischen Geschäftsbeziehungen wegen des Streit zwischen beiden Ländern über die Irak-Politik bislang nichts bekannt geworden.

Reuters BERLIN. "Solche konkreten Erkenntnisse liegen uns nicht vor", sagte am Montag ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Berlin. Er schränkte aber ein, dass es für das Ministeriums schwierig sei, von solchen Beeinträchtigungen zwischen privaten deutschen Unternehmen und US-Geschäftspartnern etwas zu erfahren. Das gelte auch für den jüngsten Fall eines sächsischen Unternehmens, dessen US-Partner die Geschäftsbeziehungen angeblich wegen der fehlenden deutschen Unterstützung für die US-Politik gekündigt hatte.

EU-Handelskommissar Pascal Lamy sagte der "Süddeutschen Zeitung", er könne derzeit keine Beeinträchtigungen der transatlantischen Handelsbeziehungen als Folge des Streits zwischen wichtigen EU-Ländern und den USA über die Irak-Politik erkennen. Komme es aber zu einem Irak-Krieg, sei eine Verschlechterung der Handelsbeziehungen durchaus möglich.

Die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft beklagen seit Monaten, die politischen Unstimmigkeiten in der Irak-Frage zwischen Deutschland und den USA könnten die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Staaten nachhaltig stören. Sie wollen daher in wenigen Wochen eine hochrangig besetzte Delegation in die USA schicken, um dort für Kontinuität in den transatlantischen Geschäftsbeziehungen zu werben. Der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA), Anton Börner, sagte der Nachrichtenagentur Reuters kürzlich: "Unternehmen berichten über bereits entstandene Ausfälle und schwierige Gespräche mit amerikanischen Kunden."

USA sind für Deutschland ein wichtiger Handelspartner

Die USA sind für Deutschland der zweitwichtigste Handelspartner weltweit. Rund zehn Prozent des deutschen Außenhandels, dem wichtigsten Wachstumsmotor der letzten Monate, wird mit den USA abgewickelt. Besonders bedeutsam ist der US-Markt für die deutsche Exportwirtschaft. Für die EU insgesamt sind die USA der wichtigste Handelspartner überhaupt.

Aktuell seien trotz Boykottdrohungen von einzelnen US-Politikern gegen EU-Produkte keine negativen Auswirkungen des Streits um die Irak-Politik auf den transatlantischen Handel feststellbar, sagte EU-Handelskommissar Lamy, der in der vergangenen Woche Gespräche in den USA geführt hatte: "Bisher haben sie (die Boykottforderungen) sich nicht ausgewirkt." Vielmehr habe er in den Vereinigten Staaten feststellen können, dass auch die US-Partner alles täten, um den politischen Streit nicht auf Handelsfragen überschwappen zu lassen. "Es gab kein EU-Bashing", sagte Lamy mit Hinweis auf seine Gespräche.

Für den Fall eines Irak-Krieges könnten sich aber schon Beeinträchtigungen ergeben. "Es könnte zu einer Verschlechterung der transatlantischen Handelsbeziehungen kommen", warnte er. Beide Seiten wollten das aber verhindern. "Auch unsere amerikanischen Partner sind daran interessiert, den möglichen Schaden zu begrenzen", sagte

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