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07.06.2000

12:26 Uhr

Keine Massenentlassungen bei Zusammenschluss geplant

EADS sieht Weg für Super-Jumbo A3XX frei

Aus Sicht des Airbus-Mehrheitsaktionärs EADS steht dem Bau des Großraumflugzeuges A3XX in technischer und finanzieller Hinsicht nichts mehr im Wege.

afp / reuters BERLIN. Dies erklärten die beiden EADS-Chefs Rainer Hertrich and Philippe Camus am Mittwoch bei der Internationalen Luft- und Raumfahrtaustellung (ILA) in Berlin. Sechs Fluggesellschaften hätten schon ihre Absicht bestätigt, das neue Flugzeug zu bestellen, mit dem Airbus das Monopol des US-Konkurrenten Boeing bei Maschinen mit mehr als 400 Sitzplätzen brechen will. Die Entscheidung für den Bau wird nach Aussagen der französischen Regierung aber erst in knapp zwei Monaten fallen. Frankreichs Verkehrsminister Jean-Claude Gayssot sagte der Zeitung "Les Echos" (Mittwochausgabe), er hoffe auf einen Beschluss während der Flugschau im britischen Farnborough vom 24. Juli und bis zum 30. Juli.

Ursprünglich sollte der Startschuss bereits auf der ILA gegeben werden. Schon seit Monaten streiten Deutschland und Frankreich aber darüber, welche Teile des Flugzeuges in Toulouse und welche in Hamburg produziert werden sollen. Der A3XX soll zwischen 480 und 650 Passagieren Platz bieten. Die Entwicklungkosten für den neuen Flugzeugtyp werden auf 24 Milliarden Mark geschätzt - drei Mal soviel wie Boeing für seinen jüngst angekündigten Groß-Jumbo B747-X ansetzt. Boeing will lediglich seinen bestehenden Super-Jumbo verlängern, während Airbus eine ganz neue, zweistöckige Maschine entwickeln will.

Zur EADS fusionieren im Juli die französische Aerospatiale Matra, die spanische Construcciones Aeronauticas (Casa) und die deutsche DaimlerChrysler Aerospace AG (Dasa). Mit einem Umsatz von 22 Mrd. Euro wird EADS das größte Luft- und Raumfahrtunternehmen Europas und weltweit der drittgrößte Konzern der Branche sein.

Der Zusammenschluss der drei Luft- und Raumfahrtkonzerne aus Deutschland, Frankreich und Spanien soll nicht viele Arbeitsplätze kosten. Es wird in einigen Bereichen einen Stellenabbau geben, es sind aber keine Massenentlassungen vorgesehen. Genaue Zahlen wurden allerdings bisher nicht genannt. In den Unternehmen der EADS sind derzeit rund 92 000 Mitarbeiter tätig.

Börsenerlös wird für Hubschrauber-Programm eingesetzt

Die Aktien der European Aeronautic Defence und Space Company sollen in Kürze in Frankreich, Deutschland und Spanien angeboten werden. Für den 10. Juli ist die Handelsaufnahme an den Börsen in Frankfurt am Main, Paris und Madrid geplant. EADS will die aus dem Börsengang erlösten Mittel vor allem für das NH-Hubschrauber-Programm einsetzen. Nach dem Börsengang sollen sich etwa 30% der Aktien in Streubesitz befinden, auch die übrigen Unternehmensanteile hat EADS bereits festgelegt.

Danach soll der französische Staat und Largardere zusammen mit französischen Finanzinstituten 30 % halten. DaimlerChrysler werde ebenfalls über 30 % verfügen und die spanische Staatsholding Sociedad Estatal de Participationes Industriales (SEPI) 5,5 %.

Das neue Riesen-Unternehmen will nach Angaben von Philippe Camus nicht nur mit Kooperationen, sondern auch mit Übernahmen auf dem US-Markt wachsen. "Wir denken auch an Übernahmen auf dem US-Markt", sagte Camus am Mittwoch auf der Berliner Luftfahrtmesse ILA. Namen nannte er aber keine. Darüberhinaus gebe es Kooperationsprojekte mit Boeing, Lookheed Martin und Northrop in verschiedenen Teilbereichen, sagte Camus.

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