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08.04.2003

13:42 Uhr

Kinder entscheiden über Heimtiernahrung

Der Hungrigen Zähmung: Vitakraft

VonStefanie Scharbau

Es flötet, wuselt und schwimmt immer seltener in deutschen Wohnzimmern, die Zahl der Haustiere sinkt, der Markt für Heimtiernahrung schrumpft. Trotzdem behauptet sich die Bremer Vitakraft nun schon seit1837 am deutschen Markt.

Etwa dreißig Kilometer Luftlinie sind es bis zum größten, fast übermächtigen Konkurrenten. Seit mehr als 40 Jahren hat die Masterfoods GmbH, der deutsche Marktführer für Heimtiernahrung, ihren Sitz in Verden an der Aller. Mit einem mächtigen US-Konzern im Rücken, bearbeitet Masterfoods direkt vor den Toren von Vitakraft den europäischen Markt. Die Amerikaner, die ehemals unter Effem firmierten und auch Süßigkeiten wie Mars, Snickers oder Milky Way verkaufen, machen jährlich einen Umsatz von 16 Mrd. Dollar.

Dagegen wirken die Vitakraft-Werke der Wührmann & Sohn GmbH & Co. KG wie ein Winzling: Rund 2 500 Mitarbeiter erzielen einen Umsatz von etwa 250 Mill. Euro. Trotzdem behauptet sich das Familienunternehmen mit Sitz am Bremer Autobahnkreuz seit 1837 am deutschen Markt. "Heino Wührmann war der erste Unternehmer in der Heimtierbranche, das Saaten und Sand industriell abgefüllt und mit einer Marke belegt hat", sagt Dieter Meyer, verantwortlich für das Marketing. Die Inhaberfamilie, vertreten durch Heiko Wührmann als Vorsitzendem der Geschäftsführung, hält sich im Hintergrund.

Während Masterfoods sich in erster Linie um Hund (Chappi, Pedigree) und Katze (Kitekat, Cesar) kümmert, hat sich Vitakraft trotz der berühmten Jod-S-11-Körnchen des US-Konkurrenten bei Futter für Ziervögel und Nager an der Spitze gehalten. Die Marke Vitakraft hat dabei zuletzt eine Bekanntheit von 82% erreicht. Vitakraft beschränkt sich allerdings nicht nur auf Piepmätze und Nager. Mit einem Sortiment von 3 500 Artikeln deckt es fast alle Wünsche rund ums Haustier ab.

Die Zeiten, in denen es bei Zwei- und Vierbeinern allein ums satt werden ging, sind jedoch vorbei. Der Wellness- und Bio-Trend aus der "Humannahrung", wie Meyer es nennt, seien auch beim Tierfutter angelangt. Der neueste Clou aus dem Hause Vitakraft ist der "Beef-Stick Sport", ein Hunde- Snack: Mit diesem "Belohnungsfutter", wie es in der Branche heißt, will der Bremer Mittelständler den Outdoor-Markt besetzen. "Dieser Bereich ist bislang noch gar nicht definiert. Daher sehen wir hier ein großes Potenzial", sagt Meyer. Vitakraft richtet sich mit dem Produkt an Hundebesitzer, die laufen, skaten oder Rad fahren. Der Verzehr der Sticks soll nämlich auch Muskelkater bei Hunden bekämpfen. Vergangenen Februar sei der Stick in den Handel gegangen - mit "außerordentlich positiver Resonanz".

Vitakraft weiß aber, dass hohe Markenbekanntheit allein nicht reicht. Neben den Marktführern Masterfoods und Nestlé (Friskies) hat der spanische Mischkonzern Agrolimen seine Tierfuttersparte Affinity ausgebaut und steht heute auf Platz drei in Europa. Vitakraft bringt dagegen jährlich 150 Neuheiten auf den Markt. Doch es gehe nicht nur darum, die "Gier des Verbrauchers nach dem Neuen" zu befriedigen, sondern auch umartgerechte Ernährung.

In Deutschland gibt es heute 22 Mill. Haustiere - Tendenz sinkend. Folglich werden auch weniger Käfige und Futter gekauft. Zuletzt hat der Industrieverband Heimtierbedarf ein Marktvolumen von 2,8 Mrd. Euro ermittelt. Insbesondere der Umsatz von Vogelfutter ging mit 7% klar zurück. "Als Marktführer sind wir hier immer auch betroffen", räumt Meyer ein. Dennoch konnten die Bremer den Umsatz dank des breiten Sortiments im einstelligen Prozentbereich steigern. "Wir erzielen Jahr für Jahr relativ gute Renditen", sagt Meyer.

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