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10.02.2002

15:23 Uhr

Kirch-Geschäftsführer räumt finanzielle Probleme ein

Bundesliga ist über Kirch-Krise besorgt

Die Zerschlagung des Kirch-Imperiums kann nach Ansicht des Kirch-Gruppe-Geschäftsführers Dieter Hahn verhindert werden. Zugleich räumte Hahn in der "Welt am Sonntag" Finanzprobleme ein.

ap DÜSSELDORF. "Perspektivisch können wir im Laufe des Jahres Luquiditätsprobleme bekommen", sagte er der Zeitung zufolge. Unterdessen sorgt die Finanzkrise des Medienunternehmens auch in der Bundesliga für wachsende Unruhe. Hahn betonte, die Kirch-Gruppe müsse "als voll integriertes audio-visuelles Medienunternehmen zusammengehalten werden. Warum sollte man eine der wenigen Zukunftsindustrien, die man mit zwei starken deutschen Playern - Bertelsmann und uns - besetzt hat, zu Gunsten von Ausländern oder Banken zerschlagen. Das wäre irrational."

Hahn bezeichnete die im Oktober fällig werdende Option des Medienmagnaten Rupert Murdoch zum Verkauf seines 22-Prozent-Anteils an Premiere World für 1,7 Mrd. Euro als ein "strukturelles Problem". Kernaufgabe der Gruppe sei seit Monaten, "dass sich die Kapitalstruktur von Premiere verbessern wird. Das Thema müssen wir lösen". Hahn sagte der Zeitung zufolge auch: "Der offene Griff nach dem Medienunternehmen Kirch lässt viele sagen, wir seien besser als Murdoch, weil man uns kennt. Das ist uns auch bewusst. Wir haben auch Freunde."

Der Kirch-Geschäftsführer betonte, die Banken wüssten, dass "wir eine problematische Kapitalstruktur bei Premiere heute haben. Bis auf eine Bank, die eigene Interessen verfolgt, laufen die Verhandlungen mit allen Banken der Kirch-Gruppe gut". Der EM.TV-Vorstandschef Werner Klatten kritisierte unterdessen in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" Deutsche-Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer, weil dieser Kirch die Kreditwürdigkeit abgesprochen hatte. "Das halte ich für völlig unzulässig und unverständlich. Ein Kunde muss sich auf die Verschwiegenheit seines Kreditinstituts verlassen können."

Liga-Manager: Zur Zeit kein Handlungsbedarf

Klatten betonte, sein Unternehmen werde alle Anstrengungen unternehmen, dem Strudel um die Kirch-Gruppe zu entgehen. "Der größte und gefährlichste Aspekt ist unsere Formel-1-Beteiligung von 16,7 Prozent." Da die Anteile als Sicherheit für Kirch-Kredite verpfändet seien, wären sie im Falle seiner Zahlungsunfähigkeit vermutlich wertlos, befürchtet Klatten. In Sorge um die möglichen Folgen der Kirch-Krise für die Fußball-Bundesliga haben sich Liga-Manager und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wolfgang Clement in Düsseldorf getroffen. Danach sagte Clement der "Bild am Sonntag", ohne die Kirch-Überweisungen aus den Fernsehrechten kämen etwa die Hälfte aller Bundesligaclubs in ernste wirtschaftliche Schwierigkeiten. Allerdings gingen die Liga-Manager davon aus, dass die am Freitag fällige Rate von 100 Millionen Euro pünktlich überwiesen werde.

Clement betonte: "Die Vertreter der Liga haben versichert, dass zurzeit kein Handlungsbedarf besteht, da bisher die Kirch-Gruppe allen ihren Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Liga für die Fernsehübertragungsrecht nachgekommen ist". Er hoffe, dass die Manager mit ihrer optimistischen Einschätzung Recht behielten. Der Manager von Borussia Dortmund, Michael Meier, sagte nach dem Gipfel, angesichts der Probleme Kirchs sei es an der Zeit, Risikoanalysen und mögliche Szenarien auszuarbeiten. Ähnlich äußerte sich sein Kollege von Bayer Leverkusen, Reiner Calmund.

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