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15.02.2001

19:26 Uhr

Kirch-Vereinbarung mit EM.TV "wertloser Mist"

Ecclestone wehrt sich gegen Kirchs Einstieg

VonAndreas Hoffbauer (Handelsblatt)

LONDON. Der geplante Einstieg der Kirch-Gruppe in das Formel-1-Geschäft stößt bei Renn-Promotor Bernie Ecclestone auf heftigen Widerstand. Der 70-jährige Brite bestätigte am Donnerstag dem Handelsblatt, der von ihm kontrollierte Familientrust habe bereits von einem Veto-Recht Gebrauch gemacht.

Der Formel-1-Boss, der persönlich keine Anteile an der Formel-1-Holding SLEC hält, erklärte, es sei eindeutig festgelegt, dass kein TV-Sender als Miteigentümer in das Formel-1-Geschäft einsteigen dürfe. "Da gibt es ein klares Verbot", so Ecclestone. EM.TV-Chef Thomas Haffa habe einen Brief erhalten, in dem er darauf ausdrücklich hingewiesen worden sei. Ecclestone: "Thomas ist sich der Sache voll bewusst."

Nachteile bei der Vergabe der Fenrsehrechte befürchtet

Der Brite, der den Autorennsport in den vergangenen 30 Jahren aufgebaut hat und über ein undurchsichtiges Firmenimperium kontrolliert, fürchtet durch einen Einstieg von Leo Kirch und dessen Pay-TV-Sender Premiere World Nachteile bei der Vergabe der Fenrsehrechte für die Formel Eins. Die von Eccelstone indirekt kontrollierte SLEC hat sich die Vermarktungsrechte für die Formel Eins über die nächsten 100 Jahre gesichert. Unklar blieb am Donnerstag, welche weiteren juristischen Schritte der Brite plant, um die Vereinbarung zwischen Leo Kirch und Thomas Haffa möglicherweise noch zu stoppen. Ecclestone ausweichend: "Ich persönlich kann gar nichts machen, ich bin nur Chef der Formel One Administration (FAO)." Diese habe keine Verträge mit EM.TV.

EM.TV fehlt das Geld für weitere SLEC-Anteile

EM.TV hatte im vergangenen Jahr 50 % der SLEC gekauft und will weitere 25 % für 2 Mrd. DM von Ecclestone übernehmen. Allerdings fehlt dem inzwischen finanziell angeschlagenen Filmrechtehändler für diese Option das Geld. Darum hat Kirch die Finanzierung für das weitere SLEC-Viertel zugesichert. Damit würden die neuen Partner Kirch und Haffa 75 % der SLEC übernehmen, was für Ecclestone einen Machtverlust in seinem Renn-Imperium bedeuten würde.

Ecclestone bezeichnete die Vereinbarung zwischen Kirch und Haffa als "Mist" und wertlos. "Jeder kann so etwas verkünden. Ich kann auch sagen, ich kaufe Ihre Zeitung. Das ist dann wahr, aber wertlos." Nach seinen Worten habe nur EM.TV die Zukaufsoption, nicht aber die von EM.TV zwischengeschaltete Speed Limited. Ecclestone: "Kirch hat dieses Recht auf jeden Fall nicht."

Zeitdruck vor dem Start der Rennsaison

Ecclestone versuchte am Donnerstag, den Schulterschluss von Kirch und Haffa herunter zu spielen: "Für die Formel 1 bedeutet das nichts." Dennoch ist er selbst nach Aussagen von Beratern an einer baldigen Lösung interessiert. Da im kommenden Monat die neue Rennsaison starte, "gibt es schon einen zeitlichen Druck", heißt es.

Ein Drittel der SLEC "am liebsten an eine Bank"

Der Medienunternehmer Kirch dürfe aber auf keinen Fall das Formel-1-Geschäft exklusiv über seinen Pay-TV-Sender Premiere World vermarkten. "Als stiller Investor ist Kirch willkommen wie jeder andere", so ein Ecclestone-Vertrauter. Eine Sportart wie die Formel-1 dürfe nicht nur im Bezahlfernsehen ausgestrahlt werden. Ecclestone will statt Kirch und Haffa lieber ein Konsortium von fünf Autofirmen in das Formel-1-Geschäft einbeziehen. Im Idealfall sollten Mercedes, Ferrari, Jaguar, BMW und Renault ein Drittel an der SLEC bekommen, ein Drittel will Ecclestone behalten und ein Drittel solle an einen Investor gehen - "am liebsten eine Bank."

Kirch-Sprecher: Keine Voraussetzung für Vetorecht Ecclestones

Ein Sprecher der Kirch-Gruppe sagte unterdessen am Donnerstagabend, dass Bernie Ecclestone den geplanten Einstieg der Kirch-Gruppe in das Rennsportgeschäft nicht mit einem Veto verhindern könne. Der Sprecher betonte, der Vertrag von EM.TV und der Kirch-Gruppe sehe lediglich eine Beteiligung der Kirch-Gruppe von 49 % an der Speed Ltd. vor, die die SLEC kontrolliert. Damit trete "kein change of control" ein. Dies aber wäre die Voraussetzung, um ein Vetorecht gegen diese Vereinbarung ausüben zu können.

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