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17.01.2003

12:38 Uhr

Kläger erhalten sämtliche Vermögenswerte von Combustion Engineering

ABB: Asbestklagen wohl bald vom Tisch

Der ABB-Konzern hat in den USA mit den zuständigen Anwälten eine Einigung in den Verhandlungen über die Asbest-Klagen erzielt. Nun müssen die Vorschläge noch von den Klägern selbst gebilligt werden, wie ABB am Freitag mitteilte.

Reuters ZÜRICH. Zwar müssen mindestens 75 Prozent der Kläger noch formell zustimmen, aber ABB dürfte damit das Problem im Griff haben, das vorübergehend existenzbedrohende Ausmasse anzunehmen drohte und auf dem Aktienkurs lastete. Der Vertrag sieht Angaben vom Freitag zufolge Schadenersatz in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar (1,68 Milliarden sfr) vor. Das ist deutlich weniger als einige Beobachter erwartet hatten.

ABB und ihre amerikanische Tochtergesellschaft Combustion Engineering einigten sich mit den Anwälten der mehr als 100 000 Asbest-Kläger auf einen so genannten pre-packed Konkurs für Combustion. Gemäss dem Abkommen erhalten die Kläger sämtliche Vermögenswerte des Unternehmens von 800 Millionen Dollar überschrieben. Dazu kommen bis zu 350 Millionen Dollar aus der Kasse von ABB. Diese Summe setzt sich zusammen aus 250 Millionen Dollar, die auf jeden Fall gezahlt werden, und 100 Millionen Dollar, die von der zukünftigen wirtschaftlichen Leistung von ABB abhängen. Zusätzlich werde ABB-Aktien in Höhe von 50 Millionen Dollar zu einem vorher festgelegten Kurs zu Verfügung gestellt. Die Barauszahlungen werden in vorab festgelegten Raten zwischen 2004 und 2009 geleistet.

ABB übernahm Combustion im Jahr 1990 und handelte sich damit das Asbest-Problem ein, da das gesundheitsschädliche Material früher in der Firma verarbeitet wurde.

Wenn die Zustimmung der Kläger vorliegt, muss der Plan noch von einem Konkursgericht genehmigt werden. Der Versand des Planes an die Kläger ist für die nächste Woche geplant. Bis Ende Februar soll der Konkursplan bei Gericht eingereicht werden. ABB gehe davon aus, dass die Anwälte eine ausreichende Anzahl von Klägern vertreten, um den Plan genehmigen zu können.

Die Asbest-Klagen hatten sich für ABB immer mehr zu einem Damoklesschwert entwickelt. Dies umso mehr als immer wieder Spekulationen und Berechnungen die Runde machten, in denen von Schadenersatz-Beträge von zehn oder mehr Milliarden Dollar die Rede war. Industrie-Analysten hatten mit bis zu zwei Milliarden Dollar gerechnet. Auch bei den häufigen Rückstufungen von ABBs Kreditwürdigkeit durch die Ratingagenturen spielte die Asbest-Frage immer eine grosse Rolle. ABB hat Milliardenschulden, die durch den Verkauf von Firmenteilen abgebaut werden sollen.

An der Börse stieg die ABB-Aktien zeitweise um über 14 Prozent und notierten gegen 10.30 Uhr noch um 9,5 Prozent höher bei 4,95 sfr. Der Gesamtmarkt lag 0,2 Prozent im Minus und der DJ StoxxIndustrial-Index tendierte 0,5 Prozent tiefer. ABB hatten im vergangenen Jahr 75 Prozent verloren.

Der nun genannte Betrag liege am unteren Ende dessen, was erwartet wurde, sagte der Analyst Andreas Riedel von der Bank Sarasin. Noch stehe aber die Entscheidung der Kläger selbst aus. Aber immerhin gehe alles in die richtige Richtung, so Riedel.

ABB wird laut Finanzchef Peter Voser auf die Rechnung des vierten Quartales 2002 zusätzliche Rückstellungen zwischen 250 und 300 Millionen Dollar vornehmen. Bereits 2001 hatte ABB 940 Millionen Dollar für die Asbst-Fälle zurückgestellt. Die Koordination der Klagen soll ein Treuhandbüro übernehmen.

Analysten erwarten für den Konzern, der 2001 mit einem Verlust von 691 Millionen Dollar abgeschlossen hatte, 2002 einen Verlust von 260 Millionen Dollar.

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