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04.02.2001

18:54 Uhr

ap AHMEDABAD. Mehr als eine Woche nach dem verheerenden Erdbeben im Westens Indiens hat am Wochenende im Katastrophengebiet der Abbruch beschädigter Gebäude mit schwerem Räumgerät begonnen. Die Behörden machen unterdessen korrupte Wohnungsbauunternehmen für die vielen Todesopfer verantwortlich. Bis Sonntag wurden nach offiziellen Angaben über 16 400 Leichen geborgen. Helfer bargen im Erdbebengebiet einen Jungen aus einem Brunnen. Es gab aber keine Bestätigung für Berichte, wonach der Junge während des Bebens in den Brunnen gefallen sei.

Bei der Polizei in Ahmedabad gingen bis Sonntag 21 Klagen gegen Unternehmer ein, die bei der Errichtung von Wohnhäusern Sicherheitsbestimmungen ignoriert haben sollen. Experten erklärten, die Unternehmen hätten Baumaterial von minderwertiger Qualität verwendet, Bauvorschriften verletzt und Beamte bestochen. Der Architekt Ravindra Vasavada sagte, in der Baubranche werde bestochen, weil die Kosten für die legale Errichtung von Häusern hoch seien. Eine Studie von Ingenieuren ergab, dass viele Wohnhäuser in Ahmedabad auf schwachen Stützpfeilern ruhten, die nicht wie vorgeschrieben in einem Stahlfundament versenkt wurden. Dadurch sparten die Bauträger den Angaben zufolge 20 bis 25 % der Baukosten ein. Viele ältere Wohnhäuser überstanden dagegen das Beben fast unbeschadet.

Nachbeben halten an

Die Behörden wiesen die Armee an, im Geschäftsviertel von Ahmedabad 13 Gebäude unverzüglich und 23 weitere in den kommenden Wochen abzureißen. Der Innenminister des am schwersten betroffenen Staates Gujarat, Haren Pandya, erklärte, bislang seien 16 435 Leichen geborgen worden. Diese Zahl werde jedoch vermutlich am Montag sprunghaft ansteigen, wenn die Aufräumarbeiten mit schwerem Gerät weitergehen. Die Gesamtzahl der Todesopfer wird auf bis zu 35 000 geschätzt. Verletzt wurden den Angaben zufolge rund 66 000 Menschen; mehr als 600 000 Menschen sind obdachlos. Hilfsorganisationen warnten vor Epidemien. Ärzte erklärten, viele Kinder litten bereits unter Infektionen der Atemwege, außerdem gebe es Fälle von Mumps und Durchfall.

Die Nachbeben in der Region hielten unterdessen an. Am Samstagmorgen erschütterte ein Erdstoß der Stärke fünf die Stadt Bhachau. Die Menschen rannten in Panik aus ihren Häusern, verletzt wurde offenbar niemand. Ministerpräsident Atal Bihari Vajpayee verschob eine Reise vom 7. bis zum 13. Februar nach Malaysia und Japan auf unbestimmte Zeit. Aus Anlass des Erdbebens telefonierte er erstmals mit dem pakistanischen Machthaber General Pervez Musharraf.



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