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18.03.2004

12:01 Uhr

Klassenerhalt hat oberste Priorität

Alpine findet Zahlung ganz normal

Im Schmiergeldskandal um den Bau des neuen Münchner Fußballstadions hat der österreichische Baukonzern Alpine weitere Details veröffentlicht. Derweil hat Ex-Nationalspieler Rüssmann, der als Sportdirektor bei 1860 München im Gespräch war, den "Löwen" einen Korb gegeben.

Der Baukonzern Alpine findet nichts Ungewöhnliches an seinen Zahlungen an Wildmoser & Co. Foto: dpa

Der Baukonzern Alpine findet nichts Ungewöhnliches an seinen Zahlungen an Wildmoser & Co. Foto: dpa

HB MÜNCHEN/SALZBURG. Alpine-Geschäftsführer Dietmar Aluta-Oltyan räumte am Donnerstag in einer schriftlichen Erklärung ein, der Schulfreund von Karl-Heinz Wildmoser junior habe für den Fall des positiven Ausgangs der Bewerbung Geld verlangt und auch erhalten. Dazu habe es am Sitz der österreichischen Konzernleitung in Salzburg ein Gespräch gegeben.

Der Wildmoser-Freund habe von einem "Tipp für ein tolles Projekt" gesprochen, heißt es in der Erklärung des Alpine-Geschäftsführers. Die Zahlung einer "arrangement fee" sei "weder unredlich noch unüblich", verteidigte Aluta-Oltyan die Zahlung. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen, denn wir haben nichts Unredliches getan."

Alpine habe aber nicht das Gutachtergremium bei der Ausschreibung beeinflusst und auch nicht die beiden Bundesligisten FC Bayern und 1860 München geschädigt oder manipuliert, erklärte das Unternehmen. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft seien gegenstandslos.

Der inzwischen als Präsident des Bundesliga-Clubs TSV 1860 München zurückgetretene Karl-Heinz Wildmoser senior (64), sein Sohn (40) und zwei weitere Beschuldigte sollen zusammen 2,8 Millionen Euro Schmiergelder für die Auftragsvergabe der "Allianz Arena" kassiert haben. Der Ex-"Löwen"-Präsident und einer der Beschuldigten wurden inzwischen aus der Untersuchungshaft entlassen, Wildmoser junior und sein Schulfreund sitzen dagegen weiterhin im Gefängnis.

Rüssmann lehnt Posten ab

Auch die Suche nach einem neuen Sportdirektor für die "Löwen" geht weiter, nachdem Ex-Nationalspieler Rolf Rüssmann TSV 1860 München eine Absage erteilte, "Es stimmt, ich ziehe mich aus der Sache zurück", sagte der ehemalige Manager von Borussia Mönchengladbach und des VfB Stuttgart am Donnerstag der Nachrichten agentur dpa.

Rüssmanns Gespräch mit dem neuen "Löwen"-Chef dauerte am Mittwoch nicht einmal eine Stunde. Über Inhalte und vor allem die Gründe der gescheiterten Zusammenarbeit wollte sich der Ex-Profi nicht äußern. Ein Engagement zu einem späteren Zeitpunkt hält Rüssmann ebenfalls für unwahrscheinlich. "Diese Möglichkeit sehe ich im Moment nicht", sagte er. Trainer Falko Götz kommentierte Rüssmanns Absage am Donnerstag gelassen: "Ich denke, dass ich mit unserem Sportdirektor Dirk Dufner sehr gut zusammen arbeite".

"Löwen"-Chef Auer äußerte sich am Donnerstag grundsätzlich positiv über Rüssmann, der sich "absolut korrekt" verhalten habe. Doch Auer hat die Suche nach einem neuen, starken Fußball-Fachmann vorläufig abgeblasen. "Wir haben so viele andere Probleme", betonte der am vergangenen Montag inthronisierte Nachfolger von Karl-Heinz Wildmoser. Der Unternehmer will sich anscheinend keine - noch dazu finanziell teuren - Schnellschüsse leisten. "Ich kann nicht innerhalb von zwei Tagen den Verein umkrempeln", rechtfertigte Auer sein Verhalten in der Personalie Rüssmann.

Die Prioritätenliste des neuen "Löwen"-Chefs umfasst fürs erste andere Schwerpunkte. "Vorrang hat der Klassenverbleib", erklärte Auer. Als 14. der Tabelle haben die Sechziger nur noch zwei Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Personell ist für Auer nach der Absetzung von Karl-Heinz Wildmoser junior die Suche nach einem neuen Geschäftsführer der "Allianz Arena Stadion GmbH" sowie einem Vizepräsidenten für den Verein vordringlich.

"Der Verein hat den Umbruch eingeleitet. Es gibt jetzt keine Alibis mehr. Wir haben genug negative Dinge erlebt. Es wird Zeit, dass wir wieder positive Schlagzeilen schreiben", sagte Götz, der seit Donnerstag die Mannschaft in einem Trainingslager in Bad Wörishofen auf das wichtige Heimspiel am Sonntag gegen den SC Freiburg vorbereitet: "Ich hoffe, dass die Spieler ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln und die Verkrampftheit lösen." Präsident Auer will vor seiner ersten Bundesliga-Partie als neues Oberhaupt der "Löwen" ganz nah an die Profis heranrücken. Er kündigte an, das Team besuchen zu wollen.

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