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22.01.2007

16:51 Uhr

Klaus Schwab beim „Engadin Skimarathon“

Grenzläufer

VonJan Dirk Herbermann und Carole Boletti

Klaus Schwab hat viel erreicht. Er gründete das seit 1987 jährlich in Davos stattfindende Weltwirtschaftsforum. Er pflegt Umgang mit den Eliten und Vordenkern der ganzen Welt, gilt dabei selbst als einer. Dennoch läuft er, ebenfalls einmal im Jahr, in der Schweiz an seine körperlichen Grenzen - beim Engadin Skimarathon.

Es ist saukalt. Minus 15 Grad Celsius. Schnee, Schnee, Schnee überall Schnee, hart und blendend. Scharfer Wind aus Nord-West. Die Wirbel rasen mit 50 Kilometern in der Stunde heran. Eisige Luft brennt auf der Haut. Frostbeulen bilden sich, das Atmen wird zur Qual. So stark wüten die Elemente, dass es den Menschen wie minus 30 Grad Celsius erscheint

Der Winter greift an diesem 12. März 2006 im Schweizer Engadin hart zu. Rund 12 000 Verwegene treten dennoch zum 38. Engadin Skimarathon an: 42 Kilometer werden sie sich auf ihren Ski-Brettern schinden; 42 Kilometer werden sie gegen ihre schmerzenden Beine, Arme und Hände kämpfen - Langlauf am Limit. Am Ende schleppt sich ein gewisser Mikhail Botvinov, Jahrgang 1967, wohnhaft in Radstadt, Österreich, als Erster ins Ziel. Er bezwingt die Strecke und sich selbst in einer Stunde und 56 Minuten.

Klaus Schwab, Jahrgang 1938, aus Genf in der Schweiz, erlebt diesen Sonntag anders. Für ihn ist es ein schwarzer Tag. Eine Entzündung am Auge zwingt Schwab zum Verzicht; der Engadin Skimarathon beginnt ohne ihn. "Es war ein harter Rückschlag, es war furchtbar enervierend", erinnert sich Schwab. Sein Gesicht, auf dem Schwab nicht viele Regungen duldet, wird hart. Fast beschämt sagt er: "Ich musste aufgeben."

Aufgeben. Aufgeben? Dieses Wort existiert im Vokabular des Professor Dr. Klaus Schwab eigentlich nicht. "In meiner professionellen Karriere kann ich mich nicht erinnern, einmal etwas aufgegeben zu haben", sagt er. Das Leben, die Laufbahn, die Leistung des Mannes aus dem süddeutschen Ravensburg zeigt tatsächlich nur in eine Richtung: immer aufwärts. Wie beim Skimarathon fixiert Schwab in seiner Karriere die Ziele. Dann geht es los. Sein Wille treibt ihn an. Seine Ausdauer erhöht sich mit jedem Ziel, das er erreicht.

Er gründet 1971 das Weltwirtschaftsforum, eine Organisation, die nichts weniger will als: "die Welt zu verbessern". Zunächst als Kaminrunde unter Managern im alpinen Davos konzipiert, weitet sich das Forum immer mehr aus. Wirtschaftslenker wie Bill Gates und Josef Ackermann, Politiker wie Bill Clinton und Angela Merkel und Künstler wie Rockstar Bono zieht es einmal im Jahr in den Kurort. Kommende Woche bittet Schwab von Mittwoch bis zum Sonntag wieder zum WEF-Gipfel.

Keine andere privat organisierte Veranstaltung der Welt kann mit so viel wahrer Prominenz aufwarten. Kein anderer Manager als Schwab hat etwas Vergleichbares zu Stande gebracht. Zwischen den Jahrestreffen seines Forums füllt Schwab seinen Terminkalender unerbittlich voll: Er diskutiert mit Bundeskanzlerin Angela Merkel über Energiepolitik, er jettet nach Saudi-Arabien zum Golf-Kooperations-Rat, er hält Vorträge in den USA, Europa, Afrika. Schwab, der Tausendsassa der Globalisierung, das Gravitationszentrum des WEF, der Lenker.

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