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21.01.2005

14:23 Uhr

Klaus Schwab versteht sein Forum als Spiegelbild globaler Probleme

„Gewissen der Welt“

VonDie Fragen stellte Christoph Rabe, Handelsblatt

Klaus Schwab ist Gründer und Präsident des World Economic Forums. Er erläutert, weshalb das WEF das Programm mit Themen fast überfrachten musste, worauf er sich am meisten freut und was er unter sozialer Unternehmensverantwortung versteht.

Handelsblatt: Herr Schwab, Sie rufen die Teilnehmer in Davos zu mehr Verantwortung angesichts schwieriger Entscheidungen auf. Die Welt hat ihre Bereitschaft demonstriert, Verantwortung für die Opfer nach der Flutkatastrophe in Asien zu übernehmen. Wie reagiert das Forum darauf?

Klaus Schwab:

Die Tragödie in Südasien hat bestätigt, wofür wir uns seit Jahren einsetzen: Erstens, dass wir eine Weltgemeinschaft sind. Zweitens, dass wir die globalen Probleme nur gemeinsam lösen können. Weder Regierungen, noch Unternehmen oder Zivilgesellschaften sind den Herausforderungen alleine gewachsen. Und das ist die Grundphilosophie von Davos. Spontan hat das Forum für die Opfer der Fluthilfe 50 000 Franken zur Verfügung gestellt. Und wir werden uns auch in Davos mit den Folgen beschäftigen.

Welche praktischen Initiativen resultieren aus der Erkenntnis?

Man muss zwischen zwei Phasen unterscheiden. Die erste würde ich als die intellektuelle bezeichnen. Wir müssen uns über die globalen Herausforderungen bewusst werden, herausfinden wie sie miteinander verknüpft sind, wie Lösungen aussehen können. Dann müssen wir uns in einer zweiten Phase überlegen, was wir konkret leisten wollen, um die Probleme anzugehen. Die Einzigartigkeit von Davos besteht darin, dass wir einmal pro Jahr die globale Agenda analysieren können.

Lässt sich die komplexe Agenda in Schlagworten abhandeln?

Das ist in der Tat ein Problem. Die globale Agenda ist stark überfrachtet, wir stehen unter erheblichem Zeitdruck und das reflektiert sich auch in Davos. Ich höre von vielen Teilnehmern, das Programm sei überladen, das Forum solle sich auf Kernthemen konzentrieren. Für uns wäre das einfach, aber wir wollen in Davos ein Spiegelbild für die Welt sein und einen Ausblick auf Entwicklungen geben, falls wir nicht rechtzeitig eingreifen, um die Welt in eine bessere Zukunft zu steuern.

Welches sind Ihre persönlichen Highlights in diesem Jahr?

Ich glaube der israelisch-palästinensische Dialog wird in Davos ebenso von besonderer Bedeutung sein wie die Diskussion über die G8-Agenda mit Tony Blair. Als Forum wollen wir für die Themen Klimaschutz und Afrika besondere Vorarbeit leisten.

Wie wollen Sie den Konflikt zwischen kurzfristigem Nutzendenken vieler Politiker und der notwendigen Konzentration auf die langfristig wichtigen Themen lösen?

Viele Herausforderungen verlangen globale Lösungen, die auch nationale Opfer fordern. Unsere Aufgabe als Forum ist, ein Gewissen der nächsten Generation zu sein und daran zu erinnern, dass unser Schicksal heute von globalen Lösungen für morgen abhängt. Nehmen Sie als Beispiele die Probleme der globalen Erwärmung, des Alterungsprozesses in vielen Gesellschaften, der Währungsrelationen oder der Aids-Epidemie. Das sind die Herausforderungen.

Sie fordern von Unternehmen, mehr soziale Verantwortung zu übernehmen. Erkennen Sie eine wachsende Akzeptanz?

Einen global tätigen Konzern geht die Armut in Afrika ebenso viel an wie der Tsunami in Asien. Multinationale Unternehmen sind nicht allein ihren Kapitalanteilseignern oder ihren Mitarbeitern verpflichtet. Trotz des ökonomischen Drucks sollten die Unternehmen ihr Know-how für internationale Anliegen zur Verfügung stellen. Wir haben zum Beispiel nach dem Erdbeben im indischen Gujarat 2001 ein "Global Desaster Resource Network" gegründet, um das Wissen von Unternehmen wie DHL im Logistikbereich zu bündeln. Dieses Firmen-Netzwerk ist 36 Stunden nach dem Tsunami auf dem Flughafen von Colombo im Einsatz gewesen.

Wird es in diesem Jahr in Davos wieder eine "Lex Schwab", ein Krawattenverbot, geben?

Ja, und ich werde verschärft darauf achten, dass es auch eingehalten wird.

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