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27.01.2003

18:02 Uhr

Kleinaktionäre zeigten sich verstimmt

Mobilcom präsentiert sich völlig zerrissen

In einer teilweise tumultartigen Hauptversammlung haben die Aktionäre der Mobilcom AG am Montag in Hamburg eine vielstündige Debatte um die Sanierung des Unternehmens geführt. Dabei präsentierte sich die Mobilfunkfirma in einer desolaten Verfassung: Vorstandschef Thorsten Grenz musste über hohe Verluste im Kerngeschäft berichten, Aufsichtsräte zankten sich auf offener Bühne, Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid bezichtigte den Vorstand der Täuschung und die Kleinaktionäre blickten kaum noch durch. Die Hauptversammlung dauerte am Abend noch an.

Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid, Foto: dpa

Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid, Foto: dpa

HB/dpa HAMBURG. Dreh- und Angelpunkt der Versammlung war das missglückte Mobilcom-Engagement im neuen Mobilfunkstandard UMTS. Grenz legte den Aktionären ausführlich dar, dass mit UMTS für Mobilcom kein Geld zu verdienen war. Noch auf Jahrzehnte wären selbst bei optimistischen Annahmen alle Gewinne an die Geldgeber zur Schuldentilgung geflossen. "Wir haben die Chancen von UMTS deutlich überschätzt", sagte der Vorstandschef mit einem Seitenhieb auf seinen Vorgänger Schmid. Nachdem France Télécom im vergangenen September die Zahlungen an Mobilcom eingestellt habe, sei der Ausstieg aus UMTS die einzige Möglichkeit geblieben.

Auf der Tagesordnung stand die Übernahme der Mobilcom-Schulden durch France Télécom. "Die Übernahme der Lasten befreit Mobilcom von den Folgen eines finanziellen Abenteuers, das sie nicht überlebt hätte", sagte Grenz. Die Rettung sei vor allem Aufsichtsrat Dieter Vogel zu verdanken, der im Auftrag der Bundesregierung mit France Télécom verhandelt hatte und schließlich die Übernahme von 7 Mrd. Euro Schulden erreichte. Dagegen trat Schmid ans Rednerpult und reklamierte die Entschuldung des Unternehmens für sich und die belastbaren Verträge, die er mit France Télécom ausgehandelt habe.

Vor den Türen der Hauptversammlung trommelte der Mobilcom-Gründer für ein weiteres UMTS-Engagement der Mobilcom, nachdem die 8 Mrd. Euro teure Lizenz und das bislang für 1 Mrd. Euro aufgebaute Netz praktisch umsonst an Mobilcom fallen. "Das sind Träume, die sich mit dem ausgehandelten Vertrag nicht in Übereinstimmung bringen lassen", sagte Vogel, den die Aktionäre zuvor zum Versammlungsleiter bestimmt hatten. Grenz zeichnete genau das Gegenteil an die Wand: Gelinge es nicht, bis spätestens März die Sende- und Netzanlagen zu verkaufen, so müsse Mobilcom sie wieder abbauen. Die Lizenz dürfte an den Staat zurückfallen.

Zündstoff schaffte auch die drei Mal gescheiterte Wahl von Vogel zum Aufsichtsratsvorsitzenden. "Die Bundesregierung hat mich dringend gebeten, diese Funktion zu übernehmen, so lange öffentliche Gelder im Spiel sind", sagte Vogel. Das gleiche gelte für France Télécom und die Banken. Er kritisierte, dass die Aufsichtsräte Gerhard Picot und Joachim Dreyer diesen Wunsch der beteiligten Parteien vereitelt hätten, indem sie als Vertreter der Kapitalseite seiner Wahl nicht zustimmten.

Diese wiesen die Vorhaltungen zurück und bestritten, im Auftrag von Schmid zu handeln. "Ich bin ja nicht in einen Konsensverein eingetreten", sagte der ehemalige Debitel-Chef Dreyer. Bei sechs Kapitalvertretern im Aufsichtsrat müsse zumindest einer etwas vom Geschäft verstehen.

Ungeachtet der verbalen Scharmützel galt die Zustimmung der Hauptversammlung zu dem Vertrag mit France Télécom als sicher. Sowohl Schmid als auch Aufsichtsrat Helmut Thoma, der als sein Treuhänder amtierte, wollten dem Vertragswerk zustimmen. Der MobilCom-Gründer will die Ergebnisse der Hauptversammlung auch nicht anfechten, obwohl er Thoma als Treuhänder gekündigt hat. Schmid will jedoch nach Hauptversammlung unverändert den Hamburger Wirtschaftsprüfer Otto Gellert als Treuhänder durchsetzen.

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