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16.01.2003

07:36 Uhr

Kleine Anbieter haben wenig Chancen

Aufschwung steht auf wackligen Beinen

VonSigrun Schubert

Nach langen Monaten der Enttäuschung wachsen in der Computerindustrie der USA erste Keime der Zuversicht. Doch die Gefahren sind unübersehbar. Vor allem politische Krisen könnten den Aufschwung gefährden. Wenn die US-Technologieunternehmen Microsoft, Sun Microsystems, IBM, AMD und Ebay Donnerstag Abend nach Börsenschluss (US-Ortszeit) ihre Quartalsergebnisse bekannt geben, dann werden die Investoren auch diesmal ganz genau hinhören.

SAN FRANCISCO. Denn wichtiger als die Gewinne der vergangenen drei Monate sind dabei die Ausblicke der IT-Hersteller für die kommenden Monate. Schließlich sollen sie Hinweise für die alles entscheidende Frage geben: Wann wird sich die Branche endlich erholen? Positive Signale gab es bereits: So nutzte der Chairman des Chipherstellers Advanced Micro Devices (AMD) ein festliches Abendessen im Silicon Valley vor einigen Wochen als passenden Rahmen, folgende Botschaft unters Volk zu bringen: "Der Aufschwung hat begonnen." Der Finanzchef des Datenbankherstellers Oracle, Jeff Henley, beschied sich mit einer Analystenkonferenz, um Optimismus zu verbreiten: "Wir haben die Talsohle durchschritten", sagte er. Die guten Zahlen des Softwareherstellers SAP und des Chipherstellers Intel sowie der positive Ausblick des Speicherherstellers EMC taten ihr Übriges, um die Laune der Investoren aufzuhellen. So liegt der Aktienkurs des Softwareherstellers Microsoft seit Jahresbeginn um rund 10 % im Plus, Oracle macht gar durch einen Anstieg von rund 20 % von sich reden.

Doch trotz aller positiver Ausblicke einzelner Unternehmen, insgesamt hat die Technologiebranche schwere Zeiten hinter sich, und ob ihr eine gute Zukunft schon bevor steht, ist noch längst nicht ausgemacht. "Zwar gab es in einigen Bereichen, wie bei den Speicherherstellern, positive Überraschungen", sagt Andy Neff, Analyst beim Investmenthaus Bear Stearns; "doch insgesamt überwiegt die Unsicherheit." Faktoren wie ein möglicher Krieg mit dem Irak und die Krise in Nordkorea erschwerten Prognosen.

Auch Chuck Hill, Research Direktor beim Finanzmarktbeobachter First Call, ist skeptisch: "Die Ergebnisse sind sehr gemischt." Anzeichen für eine schnelle Erholung sieht er nicht: Frühestens im dritten Quartal des Jahres sollen sich die Gewinne der IT-Unternehmen nachhaltig verbessern. Denn schlechte Nachrichten über einen kleinere IT-Budgets bei US-Unternehmen schwächen die Hoffnungen auf einen schnellen Aufschwung. Nur die günstigen Anbieter werden in diesem Umfeld noch wachsen können.

Doch auch bei Super-Sonderangeboten der IT-Hersteller bleibt die Stimmung gedämpft: Das Investmenthaus Bear Stearns rechnet damit, dass die Umsätze aus den PC-Verkäufen 2003 weltweit um 4 % auf 162,4 Mrd. $ schrumpfen. Auch bei den tragbaren Taschencomputern gibt es wenig Grund zur Freude: Hier rechnet Bear Stearns mit einem Plus von 2,6 % auf 4 Mrd. $. So werden auch die aktuellen Unternehmensergebnisse keine eindeutigen Signale für einen Aufschwung geben können.

Der Serverhersteller Sun Microsystems jedoch hat weiter Probleme. Analysten erwarten hier für das abgelaufene Quartal einen Verlust von 2 Cents pro Aktie. Einziger Trost: Im Vorjahresquartal lag das Minus bei 13 Cents pro Aktie deutlich höher. Beim Chiphersteller AMD erwarten Marktbeobachter ein Minus von 42 Cents pro Aktie. Das rückt die guten Zahlen des Konkurrenten Intel ins rechte Licht: Sie sind weniger ein Hinweis auf starkes Wachstum der Branche sondern eher ein Zeichen für die Wettbewerbsstärke Intels. Das Unternehmen hat dem Konkurrenten AMD konsequent Marktanteile abspenstig gemacht.

Microsoft kann vergleichsweise glänzen. Analysten erwarten einen Gewinn von 46 Cents pro Aktie. Doch beim weltgrößten Softwarekonzern ist das eher ein Zeichen für erfolgreiches Wirtschaften als ein Signal für die gesamte Branche.

Auch Netzwerkausrüster Cisco Systems verbreitet im Vorfeld der Quartalsbericht-Saison gute Neuigkeiten über mehr Aufträge. "Cisco ist Marktführer und kann die Preise diktieren", kommentiert Steven Milunovich, Technologie-Analyst beim Investmenthaus Merrill Lynch. Robert Gensler, Fondsmanager des T. Rowe Price Global Technology Fonds, glaubt, dass sich dieser Trend fortsetzen wird: "Die Marktführer werden in diesem Umfeld weiter wachsen können, doch Raum für Nischenanbieter gibt es kaum."

Quelle: Handelsblatt

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