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10.02.2002

19:26 Uhr

Kleine Schanze

Hannawald fehlte ein Meter zu Gold

Newcomer Simon Ammann hat die Krönung von Sven Hannawald zum "König der Lüfte" verhindert. Lediglich ein Meter fehlte dem Vierschanzentournee-Sieger aus Hinterzarten am Sonntag zum olympischen Triumph auf der Normalschanze.

Foto: ap

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dpa SALT LAKE CITY. Bei der ersten von drei Skisprung-Entscheidungen bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City holte Hannawald mit 267,5 Punkten für Sprünge von 97 und 99 m Silber hinter dem 20-jährigen Saisonaufsteiger aus der Schweiz.

"Bei Olympia zählt nur die Medaille. Da ist relativ wurscht, welche Farbe sie hat", freute sich Hannawald dennoch über den Auftakt. "Ich bin so froh, auf der kleinen Schanze komme ich weniger gut zurecht." Nach dem Schanzen-Krimi hatte er ein Lob für den Überraschungssieger: "Auf jeden Fall hat der Beste heute gewonnen."

Ammann sprang auf 98 und 98,5 m und lag am Ende um die Winzigkeit von 1,5 Zählern vor Hannawald. Dritter wurde der Pole Adam Malysz (98,5/98) mit 263,0 Zählern. "Das ist fantastisch, einfach unglaublich", jubelte der 20 Jahre alte Sieger, der im Auslauf von seinen Teamkollegen vor Freude zu Boden gerissen wurde.

Das hervorragende Abschneiden der Springer des Deutschen Skiverbandes (DSV) komplettierten der viermalige Weltmeister Martin Schmitt (250,0/94,5+94,5) aus Furtwangen mit Platz sieben und Mannschafts-Weltmeister Michael Uhrmann (245,0/92+95,5) aus Rastbüchl mit Platz acht. Christof Duffner (Schönwald) wurde 17. Dennoch war Schmitt unzufrieden: "Ich bin enttäuscht, weil ich mir Medaillenchancen ausgerechnet hatte." Bundestrainer Reinhard Heß wertete das Ergebnis dagegen positiv: "Ich bin nicht enttäuscht, dass es kein Gold geworden ist. Das war ein sehr guter Auftakt."

Dies gilt natürlich in erster Linie für Hannawald, der seine Stärken ohnehin auf der Großschanze hat. Mit Olympia-Silber krönte er vorläufig eine Saison, die bislang wie im Märchen verlaufen war. Noch vor einem Jahr war er vorzeitig aus der Weltcup-Serie ausgestiegen, weil die Leistungen fehlten. "Wir haben Monate lang daran gearbeitet, ihn wieder an die Spitze heranzuführen", hatte sein Heimat-Trainer Wolfgang Steiert vor der Vierschanzentournee angedeutet, welch beschwerlicher Weg hinter dem sympathischen Leichtgewicht liegt.

Der Triumph bei der 50. Vierschanzentournee, wo er als erster Springer überhaupt alle vier Konkurrenzen gewann, machte Hannawald praktisch über Nacht zum Star. Die Fans bejubeln ihn so frenetisch wie sie dies in den Jahren zuvor bei Martin Schmitt getan hatten. Dennoch weist Hannawald die Rolle als neue Nummer eins im Team stets von sich. Doch in Salt Lake City zeigte er erneut, dass er im deutschen Team das Maß aller Dinge ist.

Im ersten Durchgang erzielte der 27-Jährige mit 97 m die drittbeste Weite, im Finale stand der mit 99 m sogar den weitesten Sprung der Konkurrenz. "An den Sprüngen war nichts zu korrigieren. Sven steht hier mächtig unter Strom", kommentierte Heß die hervorragende Vorstellung. Doch am Ende fehlte ein Meter am ganz großen Triumph, weil Ammann über sich hinaus wuchs. "Das er so weit vorn ist, hätte ich nicht gedacht", meinte Heß.

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