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31.01.2003

08:15 Uhr

Kleinere Länder bieten interessante Alternativen zu Euro-Bonds

Schweden ist der Anleihe-Favorit

VonFrank Wiebe

Es muss nicht immer Euro oder Dollar sein. Anleihen aus anderen Währungsräumen haben derzeit bessere Perspektiven. Beispiel Schweden: Kronen-Bonds bieten eine höhere Rendite als etwa deutsche Staatspapiere und durch einen möglichen Beitritt des Landes zum Euroraum bieten sie zusätzlich Kursphantasie.

DÜSSELDORF. Wer bietet mehr? Euro-Anleihen rentieren nur noch bis zu gut 4 %, wenn man Staatspapiere mit maximal zehn Jahren Laufzeit kauft, US-Papiere werfen noch weniger ab. Da bietet es sich an, kleinere Währungen in Augenschein zu nehmen.

Der Favorit der Experten heißt Schweden. Werner Fey von der ING-BHF-Bank setzt vor allem auf kürzere bis mittlere Laufzeiten. Bei diesen Papieren liegt der Spread (Renditeabstand) gegenüber der gleichlaufenden Bundesanleihe bei rund 100 Basispunkten (1 Prozentpunkt). "Die Schweden sind nach den letzten Umfragen zwar nicht so euro-euphorisch", sagt Fey. "Aber letztlich rechnen wir doch mit einem Beitritt zur gemeinsamen Währungszone." Das bietet Phantasie für sinkende Zinsen - also höhere Anleihenkurse - und einen noch leicht steigenden Devisenkurs. Als interessantes Papier nennt Fey eine Anleihe mit Laufzeit bis 20. April 2006, die wegen des niedrigen Kupons von 3,5 % auch unter steuerlichen Aspekten günstig ist (WKN 292881).

Die norwegische Krone gilt hingegen als ausgereizt. Sie profitierte vor allem vom Höhenflug des Öls, weil Norwegen einer der größten Exporteure dieses Rohstoffes ist. Wenn sich die weltpolitische Lage entspannt, kann sich der Trend jedoch rasch umkehren. Ulrich Katz von der Fondsgesellschaft Dit hält allenfalls norwegische Kurzläufer noch für interessant, andere Experten raten sogar ganz davon ab.

Das Urteil der Fachleute zur Dänenkrone: lohnt nicht. Das Kursrisiko ist sehr gering, weil Dänemark sich geldpolitisch eng an die Euroländer anlehnt. Aber auch die Renditeaufschläge sind klein: 25 Basispunkte (Bp) im zehnjährigen Bereich, rund 35 Bp bei zweijährigen Papieren. "Da kaufen Sie besser einen Pfandbrief der bringt genauso viel", sagt Fey. Und Hartmut Preiß von der DZ Bank verweist darauf, dass Privatanleger bei Fremdwährungen meist höhere Gebühren zahlen müssen, die allzu kleine Renditevorsprünge schnell wegfressen.

Das britische Pfund ist sehr hoch bewertet und würde vor Euro-Beitritt vermutlich noch abgewertet, meinen viele Experten. "Das ist für Anleger weniger interessant", sagt zum Beispiel Bac Van Luu von der LBBW.

Nicht nur zum Euro, auch zum US-Dollar gibt es Alternativen: die drei "kleinen" Dollarwährungen aus Kanada, Australien und Neuseeland. Sie segeln - hin und wieder mit kleinen Abstrichen - vom Trend her im Windschatten des großen Bruders, beim kanadischen Dollar ist die Bindung besonders eng. Experte Fey sieht sie daher mit Skepsis - denn er billigt dem US-Dollar bestenfalls eine vorübergehende Erholung zu, wenn sich die weltpolitische Lage entspannen sollte. Preiß hingegen findet den Dollar unterbewertet und stuft daher auch die kleinen Ableger alle drei als interessanteKaufmöglichkeit ein.

Gegenüber dem US-Dollar bieten kanadische Papiere im zehnjährigen Bereich rund 100 Bp Aufschlag, außerdem gilt Kanada im Vergleich als wirtschaftlich gesünder. Preiß nennt als interessante Anlagemöglichkeit eine Anleihe der Landesbank Schleswig-Holstein mit Laufzeit bis Ende 2005, die in kanadischen Dollar notiert wird (WKN 298 547).

Auch die LBBW sieht die Dollar-Ableger positiv. "Vor allem der Austral-Dollar würde von einem Anziehen der Weltkonjunktur profitieren", sagt LBBW-Experte Ralf Umlauf - Australien ist Rohstoffland und würde von einem höheren weltweiten Bedarf der Industrie besonders profitieren. Die australischen Papiere bieten noch etwas mehr Rendite als die kanadischen, und Neuseeland erreicht sogar rund 6 % Rendite für 10-jährige Staatspapiere.

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