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13.07.2000

13:15 Uhr

Kleinere Londoner Broker erhalten Einmalzahlung von 50 000 Euro

iX hält an umstrittenen Neuer-Markt-Plänen fest

VonSTEFAN KEIDEL

Auf seiner Sitzung am 12.07.2000 hat der Aufsichtsrat der Deutschen Börse AG über das an die Mitglieder versandte "Information Memorandum" beraten. Allerdings soll das Info-Papier wenige strittige Fragen beantworten. Zudem wurde der Beschluss über die angekündigte Hauptversammlung gefällt, auf der die Fusion noch abgesegnet werden muss.

Handelsblatt FRANKFURT. Der Sitz des Neuen Marktes dürfte künftig in London angesiedelt sein. Ein Festhalten an diesen umstrittenen Plänen geht aus dem an den Aufsichtsrat gesendeten "Fragen- und Antwortkatalog zu iX" hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Der Aufsichtsrat der Deutschen Börse AG hat auf einer Sitzung über das "Information Memorandum" beraten. Dabei sollen noch viele Detailfragen offen geblieben sein.

Gespräche mit Euronext, der geplanten Fusion von Paris, Amsterdam und Brüssel, scheinen nicht ganz oben auf der Prioritätenliste von iX zu stehen: Zumindest findet sich in dem Antwortenkatalog keine entsprechende Erwähnung über eine Bereitschaft zu möglichen Verhandlungen mit dem Konkurrenten. Dagegen wird davon ausgegangen, dass Madrid und Mailand nach der Gründung sich iX weiter nähern. Die Anforderungen an die Emittenten müssen noch im Einzelnen mit iX ausgehandelt werden, heißt es weiter.

Am 3. Mai hatten die London Stock Exchange (LSE) und Deutsche Börse AG Fusionspläne verkündet, nach denen die künftige Gemeinschaftsbörse iX und der Handel mit europäischen Blue Chips in London angesiedelt werden soll, der Betrieb der Wachstumsmärkten solle in Frankfurt stattfinden. iX strebt nach eigenem Bekunden an, "die führende globale Börsenorganisation zu werden".

Gründet iX mit der US-Börse Nasdaq wie geplant das Joint Venture mit dem Ziel eines internationalen Marktes für Wachstumswerte, dann werde dessen Sitz in London sein, "der Geschäftsbetrieb erfolge jedoch in Frankfurt unter deutscher Regulierung". Einzelne deutsche Aufsichtsräte hatten in der Vergangenheit gefordert, auch der Sitz des Gemeinschaftsunternehmens müsse in Frankfurt sein, um eine mögliche Sogwirkung in Richtung London zu verhindern.

Die iX-Handelszeit steht offenbar noch nicht fest. Während Frankfurt seine Öffnungszeiten bereits auf 20 Uhr MESZ ausgedehnt hat, sei in London ein solcher Schritt nicht geplant. "iX-international exchange wird die Marktteilnehmer für zukünftige Entscheidungen im Hinblick auf die Veränderungen der Handelszeiten befragen", heißt es im Info-Memorandum.

Die Kosten veranschlagen LSE und Deutsche Börse "nach einer vorläufigen Bewertung" auf 142 Mill. Euro. Handelsteilnehmern der LSE, die noch einen Xetra-Anschluss benötigen, sollen neben vielfältigen Sacheinlagen eine einmalige Zahlung von 50 000 Euro erhalten. Bei diesen Teilnehmern handelt es sich um kleine britische Brokerhäuser, die wegen der Furcht vor hohen Kosten mit der Ablehnung der Fusion gedroht hatten, was ein Scheitern zur Folge haben würde. Vorübergehend soll die Dividendenzahlung der Deutsche Börse ausgesetzt werden.

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