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27.03.2003

08:22 Uhr

Kleinere Mitgliedsunternehmen plädieren für den Vertreter eines Festnetzanbieters an der VATM-Spitze

Telekomverband streitet über Kurs

VonKatharina Slodczyk

Die Lobby der privaten Telekomanbieter soll mehr Profil bekommen, um der Deutschen Telekom stärker Paroli bieten zu können. Heute bestimmen die Mitglieder einen neuen Präsidenten und ihre Strategie.

DÜSSELDORF. Der Verband der Konkurrenten der Deutschen Telekom VATM beschäftigt sich zurzeit vor allem mit sich selbst: Auf der heutigen Mitgliederversammlung führen der künftige Kurs und die Frage nach dem neuen Mann an der Spitze voraussichtlich zu harten Auseinandersetzungen.

Von den Entscheidungen dieser Mitgliederversammlung hängt es ab, ob der VATM wieder schlagkräftiger wird. Nach Einschätzung der Mitglieder hat der Verband in den vergangenen Monaten an Profil verloren. Einige Firmen haben dem VATM zudem den Rücken gekehrt. So haben Mobilfunkdienstleister einen eigenen Verband gegründet.

Um die Probleme in den Griff zu bekommen, plant der VATM eine Satzungsänderung. Diese dürfte einer der Hauptstreitpunkte sein, denn etliche Mitglieder betrachten das nicht als geeignete Lösung: Der Verband will dem Präsidium mehr Macht geben. Die im Verband vertretenen Bereiche Mobilfunk, Festnetz und Internet sollen jeweils ein Mitglied im Präsidium haben. Mit einem Positionspapier, das dem Handelsblatt vorliegt, machen die kleineren Mitglieder, in erster Linie Festnetzunternehmen, Front gegen diese Pläne. Sie fürchten, dass sie an Einfluss verlieren. Durch die Satzungsänderung würde der VATM "zu einem Interessenverband der wenigen großen Unternehmen". Das Präsidium könne an der Vielzahl kleinerer Mitgliedsunternehmen "vorbei agieren."

Auch die Person des künftigen VATM-Präsidenten ist umstritten: Vertreter der kleineren Mitgliedsfirmen fordern einen Manager einer Festnetzfirma an der Verbandsspitze und sprechen sich gegen Debitel-Chef Peter Wagner aus, der nach Angaben aus informierten Kreisen für den Vorsitz des Präsidiums und damit als Nachfolger von Joachim Dreyer kandidieren will. Dreyer steht nach vier Jahren nicht mehr für diesen Posten zur Verfügung.

In dem Positionspapier heißt es: "Wir kommen zu folgenden Anforderungen an einen künftigen Präsidenten: Es muss sich um eine Integrationsfigur handeln, die den VATM vor gegenseitigen Blockaden der Mobilfunker bewahrt. Denn es drohen explizit weitere Abspaltungen und das Ende des VATM. Der Präsident sollte aus einem Festnetzunternehmen kommen."

Bislang hat sich Wagner, der Dreyer bereits an der Debitel-Spitze folgte, nicht eindeutig zu einer Kandidatur geäßert. "Schauen wir mal", hatte er Mitte März auf der Cebit gesagt.

Ihren Widerstand gegen die Wahl Wagners begründen einige VATM-Mitglieder mit den Interessenkonflikten zwischen Mobilfunkwiederverkäufern wie Debitel und Mobilfunknetzbetreibern wie O2 und E-Plus. Um künftiges Wachstum zu sichern, will Debitel stärker in die Vermarktung von mobilen Internetinhalten einstiegen und fordert daher, dass E-Plus und Co. Wiederverkäufern mehr Vorprodukte zur Verfügung stellt. Das widerspricht jedoch den Interessen von E-Plus und Co., die Milliardenbeträge in die neue Technik UMTS investieren und selbst das Geschäft mit mobilen Internetdiensten machen wollen. "Wagner kann daher keine Integrationsfigur sein", sagte der Manager eines VATM-Mitgliedsunternehmens. "Zudem unterhält er enge Geschäftsbeziehungen zu der Mobilfunktochter der Deutschen Telekom, dann kann er als VATM-Präsident doch nur mit angezogener Handbremse agieren." Als mehrheitsfähig für den Posten an der Verbandsspitze werden daher in Verbandskreisen die voraussichtlichen Kandidaten gehandelt: Wolfgang Essig, Deutschland-Chef von BT Ignite, und Tomas Eilers, Geschäftsführer der Oldenburger Telekomgesellschaft Ewetel.

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