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04.07.2000

13:31 Uhr

LUDWIGSHAFEN Mit Skepsis begleiten die Emittenten die geplante Fusion zwischen der London Stock Exchange (LSE) und der Deutschen Börse AG zu iX. Nachdem die 30 Dax-Unternehmen jüngst auch öffentlich darüber klagten, es lägen bislang keine verlässlichen Informationen über die möglichen Folgen der Börsenfusion vor, stellt der Finanzvorstand von BASF, Max Dietrich Kley, nun den generellen Sinn der Fusion für die Emittenten in Frage. Formell würden sie nur ein Joint Venture der beiden Börsen sein.

In einem Gespräch mit dem Handelsblatt sagt Kley, der sich als Präsident des Deutschen Aktieninstituts (DAI) auch um die deutsche Aktienkultur bemüht, dass London und Frankfurt zwei eigenständige Börsen bleiben und nur ein gemeinsames elektronisches System für den Aktienhandel nutzen sollten. Kley kann sich nach eigener Aussage nicht vorstellen, dass die Anteilseigner der Deutschen Börse auf der geplanten außerordentlichen Hauptversammlung Mitte September für das Vorhaben stimmen werden, wenn die Emittenten dagegen seien. Die Dax-Unternehmen wären von der Fusion zu iX besonders betroffen, weil ihre Aktien dann nur noch in der britischen Hauptstadt gehandelt werden sollen.

Kley fordert die Festschreibung des Aktienhandels in Euro. Zudem verlangt er den langfristigen Bestand des Börsen-Index Dax. Zwar ist der BASF-Finanzvorstand davon überzeugt, dass sein Unternehmen auch in einem neuen Aktienindex für iX-Standardwerte aufgenommen würde. Er verweist aber auf kleinere Dax-Unternehmen, die nicht diese Chance hätten und an Anziehungskraft für Anleger verlören, würde der Dax verschwinden.

Zusätzliche Pflichten nicht akzeptabel

Sowohl für den Handel, die Corporate Governance, das Übernahmerecht, die Aufsicht und die Ad-hoc- Publizität muss aus Sicht Kleys weiterhin ausschließlich deutsches Recht gelten. Zusätzliche Pflichten für die Unternehmen aufgrund eines Handelsstandorts London lehnt er rigoros ab, auch wenn sie zeitlich begrenzt würden. Um Überraschungen zu vermeiden, will der BASF-Finanzchef die Mitarbeit der Unternehmen an dem von der Börse in einem Brief angekündigten "Listing-Agreement" durchsetzen. Für den 20. Juli habe die Börse zu einer Informationsveranstaltung nach Frankfurt eingeladen, von der man sich mehr Aufklärung erhoffe.

BASF will bei einer fusionierten iX nicht den Antrag für ein Listing in London stellen, was sich die Börse von Dax-Unternehmen erhofft. "Wir sind bereits in London gelistet und brauchen daher das Angebot der Börse nicht anzunehmen", erklärt Kley und weist gleichzeitig darauf hin, dass die Börse "ihr Eintrittgeld für die Fusion" nicht bezahlen könnte, wenn viele Emittenten auf die geforderte Entscheidung zwischen den Handelsplätzen London oder Frankfurt gegen die City votieren würde. Das Anlegerinteresse an BASF ist in London bereits jetzt hoch: Im ersten Halbjahr 2 000 wurden im Tagesschnitt 600 000 Aktien umgesetzt. Zum Vergleich: In Frankfurt waren es im Schnitt 4,7 Mill.

Auch Kley will nach eigenem Bekunden eine einheitliche Börsenlandschaft. Davon sei Europa aber noch sehr weit entfernt. Es müßten vorher noch die Aufsicht und das Unternehmensrecht sowie der Aktienhandel vereinheitlicht werden. Bislang verfüge jedes europäische Land über eigene Regelwerke. "Die Börsenfusion bewegt sich in einem rechtlichen Minenfeld", warnt er. Aus Emittentensicht würde daher eine einfache Börsenverknüpfung mittels eines gemeinsamen Handelssystems mehr Sinn machen. Ein Netzwerk für den Aktienhandel, an dem später alle europäischen Börsen angeschlossen werden sollten, reiche für die auch bei einer Fusion erzielbaren Synergien aus.

Aktienhandel wie bei Eurex zusammenlegen

Als Vorbild nimmt Kley die deutsch-schweizerische Terminbörse Eurex der Schweizer und der Deutschen Börse, die über ein elektronisches System sämtliche Produkte handelt, aber aus den zwei eigenständigen Gesellschaften Eurex Deutschland und Eurex Schweiz besteht. Mit dieser Struktur habe es die Eurex in kurzer Zeit geschafft, an der britischen Liffe und dem Chicago Board of Trade (CBoT) vorbeizuziehen und zum Weltmarktführer aufzusteigen. Und mit dieser Struktur würde auch am Kassamarkt die Liquidität optimiert, ohne auf den uneinheitlichen steuerlichen und rechtlichen Klippen Schiffbruch zu erleiden. In diesem Zusammmenhang weist Kley darauf hin, dass iX auch noch nicht die Probleme in der Wertpapierabwicklung löse. Hierauf sollten sich die vereinten Kräfte konzentrieren.

Die geplante Börsenfusion London-Frankfurt stellt nach Ansicht von Kley aber keine Gefahr für Frankfurt dar, obwohl sowohl der iX-Sitz als auch der Handel mit Europas Standardwerten in London angesiedelt und der mit der Nasdaq angedachte Wachstumsmarkt von dort aus gelenkt werden soll. In Frankfurt soll der Handel mit den Aktien der Neuen Märkte verbleiben. Es sei unerheblich, wo der Kopf der künftigen Börse sei, betont Kley. Der BASF-Finanzvorstand teilt daher auch nicht die Befürchtungen von Finanzexperten, mit der Fusion werde die Sogwirkung nach London so groß sein, dass die Main-Metropole auch ihr Aktiensegment Neuer Markt mittelfristig verlören.

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