Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.04.2003

09:03 Uhr

Klubs suchen nach neuen Geschäftsfeldern

Bei Fußball-Aktien zählt nicht nur das runde Leder

VonChristoph Hus (Handelsblatt)

Die Kursgewinne der Fußball-Aktie Manchester Unitednähren unter Anlegern die Hoffnung, dass auch die Baisse der Papiere anderer Vereine nun ein Ende finden könnte. Analysten bleiben allerdings skeptisch, denn Manchester gilt als ein "Ausnahme-Verein".

Foto: dpa

Foto: dpa

LONDON. Auf gute Nachrichten hatten Analysten und Fondsmanager lange gewartet: Nach dem Horrorjahr 2002, in dem die Aktienkurse der börsennotierten britischen Fußballclubs geradezu abgestürzt waren, kamen die Spekulationen um eine mögliche feindliche Übernahme des Rekordclubs Manchester United (ManU) gerade Recht. Als Zeitungen berichteten, dass mehrere illustre Millionäre größere Aktienpakete an dem Traditionsverein erworben hätten, schoss der Kurs der ManU-Aktie an der Londoner Börse steil nach oben. Seit Jahresbeginn legte das Papier rund 30 % zu, in seinem Sog machten auch Aktien anderer britischer Vereine Boden gut. Die Kursgewinne nähren unter Anlegern die Hoffnung, dass die Baisse der Fußball-Aktien nun ein Ende finden könnte.

Marktbeobachter sind jedoch skeptisch, ob sich die ManU-Kursphantasie auf andere Vereine übertragen wird. "Manchester ist in jeder Hinsicht ein Ausnahmeverein", mahnt David Pope, Analyst bei Brewin Dolphin Securities. Anders als der Traditionsclub, der mit Superstars wie David Beckham aufwarten kann, sind die übrigen 22 börsennotierten Vereine der Insel teils hoch verschuldet. Erst in der vergangenen Woche musste Leeds-United- Präsident Peter Ridsdale angesichts eines Halbjahresverlusts von 25,5 Mill. £ seinen Schreibtisch räumen. Pope ergänzt: "ManU ist das einzige Papier, das man im Moment guten Gewissens empfehlen kann."

Auf dem europäischen Kontinent sieht die Lage für Fußball-Aktien nicht besser aus. Die Papiere, die im Dow-Jones-Fußball-Index notiert sind, gaben seit Anfang vergangenen Jahres im Schnitt um 44 % nach (siehe Grafik). Über dem Emissionspreis notiert zurzeit neben der ManU-Aktie nur noch das Papier des dänischen Clubs Bröndby Kopenhagen. Selbst die Anteilsscheine großer Namen wie Ajax Amsterdam, Juventus Turin oder Lazio Rom sind heute weniger wert als am ersten Handelstag.

Die Kicker-Aktien leiden darunter, dass ihr Geschäft vom sportlichen Erfolg abhängt. Das Ergebnis eines Spieltages oder die Frage des Einzugs in die Champions-League können den Kurs stark bewegen. Doch die Ereignisse sind schwer vorhersehbar. "Eine Investition in Fußballaktien hat eine gewisse Ähnlichkeit mit Glücksspiel", sagt Branchenexperte Pope.

In den vergangenen Jahren hat sich die Abhängigkeit vom Erfolg auf dem Rasen bei vielen Vereinen noch erhöht. In Großbritannien machen die Einnahmen aus Eintrittsgeldern gerade noch ein Drittel der Erlöse aus, während Sponsoring und der Verkauf der Fernsehrechte den Löwenanteil zum Umsatz beisteuern. Doch je größer deren Anteil an den Einnahmen wird, desto größer wird das finanzielle Risiko einer sportlichen Pechsträhne. Hinzu kam im Jahr 2002 der Zusammenbruch des britischen Bezahlsenders ITV Digital. Er schürte die Angst vor einbrechenden Umsätzen aus der Vermarktung von Fernsehrechten. In anderen europäischen Ländern sind die Preise für die TV-Rechte bereits unter Druck geraten.

Alle Clubs versuchen deshalb verzweifelt, neue Geschäftsfelder zu besetzen. Ziel ist es, Wachstum durch zusätzlichen Umsatz zu generieren und die Abhängigkeit vom Spielbetrieb zu verringern. Doch gerade kleineren Vereinen mit weniger bekannten Namen gelingt das nicht. "Viele von denen sind einfach nicht börsengeeignet", kritisiert Paul Sibianu, Analyst der WGZ-Bank.

Vorzeigeclub Manchester United ist wiederum allen anderen voraus. In den vergangenen Jahren haben die Engländer Hotels und Reisebüros für ihre Fans eröffnet, bieten eine ManU-Kreditkarte an und vertreiben ihre Trikots beinahe weltweit. "Manchester ist seinem Ziel schon sehr nahe gekommen, sich vom Fußballverein zum Unterhaltungskonzern zu wandeln", lobt Sibianu. Die übrigen börsennotierten Fußballunternehmen versuchen indes mit mäßigem Erfolg, dem Beispiel der Nordengländer zu folgen.

WGZ-Experte Sibianu empfiehlt - anders als sein Kollege Pope - neben ManU auch die Aktien von Juventus Turin und Borussia Dortmund zum Kauf. Der italienische Verein verfüge über großes Potenzial, neue Umsatzquellen zu erschließen. Und Borussia Dortmund sei an der Börse nach dem Absturz der Aktie nun nicht einmal mehr halb so viel wert wie ihr eigener Kader. Seit Emission im Oktober 2000 hat die Aktie Schwarz-Gelb rund 76 % an Wert verloren. Die WGZ-Bank war beim Börsengang der Borussia als Konsortialbank beteiligt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×