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01.02.2001

17:38 Uhr

Koalitionspartner kündigt kritische Prüfung an

NRW-Grüne gegen Transrapid

Der Plan von Ministerpräsident Wolfgang Clement, eine Transrapid-Verbindung zwischen Ruhrgebiet und Rheinland zu bauen, stößt auf Grüne Kritik. Sylvia Löhrmann von den Grünen kündigt die kritische Prüfung des Projekts an und eine genaue Kosten-Nutzen-Abwägung.

Reuters DÜSSELDORF. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) stößt mit seinem Plan einer Transrapid-Verbindung zwischen Ruhrgebiet und Rheinland auf Widerstand bei seinem Koalitionspartner. Die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion, Sylvia Löhrmann, kündigte am Donnerstag den Einstieg in eine "kritische Prüfung des Projektes" an. Eine genaue Kosten-Nutzen-Abwägung sei nötig. Der Bau des Transrapids in China habe die Bewertung einer Strecke durch die Grünen in Nordrhein-Westfalen "um keinen Deut verändert". Die vom Bundesverkehrsministerium vergebene Machbarkeitsstudie zur wirtschaftlichen Prüfung des Plans sei aber sinnvoll. Das Bundesverkehrsministerium hatte im Januar Machbarkeitsstudien für eine Metrorapidverbindung zwischen Dortmund und Düsseldorf sowie eine Anbindung zwischen der Münchner Innenstadt und dem Flughafen vergeben. Nach den Plänen von Clement soll der "Metrorapid" zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zwischen Rheinland und Ruhrgebiet verkehren.

Die Studie müsse zeigen, ob der "Metrorapid" geeignet sei, die drängenden Verkehrsprobleme im Ruhrgebiet zu lösen, sagte Löhrmann. Es wäre verheerend, wenn er sich als Innovationsbremse erwiese. Wichtig sei, den "Metrorapid", wenn er gebaut werde, in das vorhandene Verkehrsnetz zu integrieren. Der Grünen-Verkehrsexperte Peter Eichenseher fügte hinzu, die Magnetschnellbahn dürfe den Betrieb und Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel nicht behindern. Ökologische Bedenken, die mit der gestoppten Transrapidstrecke Hamburg-Berlin verbunden waren, seien beim Metrorapid weitestgehend ausgeräumt. Durch die Anpassung an bereits bestehende Bahntrassen und niedrigere Geschwindigkeiten wäre der Metrorapid umweltverträglicher.

Erste Transrapidstrecke wird in China gebaut

Die Entscheidung für die weltweit erste kommerzielle Anwendung des Transrapid im chinesischen Schanghai bedeute nicht zwangsläufig den Durchbruch in Deutschland für das umstrittene Projekt, sagte Löhrmann. Einschätzungen, wonach die Chancen für eine Verbindung zwischen Düsseldorf und Dortmund gestiegen seien bezeichnete die Grünen-Politikerin als "Quatsch". Es bleibe dabei, bei einer solch "gigantischen Investition" müsse "das Für und Wider genau unter die Lupe genommen werden". Für den Export der Magnetschwebebahn sei keine Referenzstrecke in Deutschland mehr notwendig. Die gebe es in absehbarer Zeit in China.

Vor rund einer Woche hatte das Transrapid-Konsortium, bestehend aus den Konzernen Siemens und Thyssen Krupp den Auftrag zum Bau einer rund 30 Kilometer langen Transrapidverbindung zwischen Schanghai und dem internationalen Flughafen Pudong vereinbart. Branchenexperten bezifferten den Wert des Gesamtprojektes auf über 2,5 Mrd. DM. Die Bundesregierung will sowohl das Konsortium als auch einen beteiligten Zusammenschluss mittelständischer Unternehmen mit je 100 Mill. DM unterstützen. Auch in den USA ist der Bau einer Transrapidstrecke im Gespräch.

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