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26.05.2000

15:44 Uhr

Kohlhaussen: "Sie wollen die Bank in eine Allianz drängen"

Krach auf der Hauptversammlung

Wie geht es weiter mit der Commerzbank? Auf der Hauptversammlung streiten der Großaktionär und der Vorstand.

Reuters FRANKFURT. Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen warf dem Geschäftsführer der CoBRa Beteiligungsgesellschaft, die über 17 % der Commerzbank-Aktien verfügt, widersprüchliche Aussagen vor. Zwar habe CoBRa-Geschäftsführer Hansgeorg Hofmann erneut erklärt, keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik der Bank nehmen zu wollen. "Aber aus ihren Worten entnehme ich auch, dass sie die Bank in eine Allianz mit einem starken Partner drängen wollen. Das halte ich für einen Widerspruch", sagte Kohlhaussen.

Für nicht verantwortbar hält Kohlhaussen die Aussagen Hofmanns, der Wert der CoBRa Beteiligung - ohne die AG - stelle einen Wert von bis zu 50 Euro je Commerzbank Aktie dar. "Ich stimme Ihnen zwar zu, dass der Commerzbank-Kurs noch Spielraum nach oben hat. Aber die von Ihnen genannten 50 Euro je Aktie allein für die Beteiligungen - ohne die AG - kann ich nicht nachvollziehen", sagte Kohlhaussen. Solche Zahlen in den Raum zu stellen, sei aus Kohlhaussens Sicht nicht verantwortbar. Die Bemerkungen zum Wert der Beteiligung bestärkten die Befürchtungen einer Zerschlagung der Commerzbank, wie sie in der Presse teilweise kolportiert worden sei. Er halte dies für gefährlich und wollte deshalb Hofmanns Aussagen nicht unwidersprochen lassen.

Hofmann hatte zuvor unter anderem erklärt, die zur niederländischen Rebon BV gehörende CoBRa wolle ihren 17-prozentigen Anteil an der Commerzbank vorerst nicht deutlich aufstocken. "Es ist vorerst nicht geplant, unseren Anteil auf 30 oder mehr Prozent zu erhöhen", sagte Hofmann. Die Cobra habe ihr Paket bislang noch nicht zum Verkauf angeboten, doch werde die Cobra der Commerzbank helfen, einen starken europäischen Partner zu finden. Gleichzeitig bekräftigte er, keinen Einfluss auf die Geschäftspolitik der Bank nehmen zu wollen.

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre SDK hatte die Strategie der Commerzbank zuvor kritisiert und die CoBRa- Beteiligungsgesellschaft aufgefordert, sich zu präsentieren. Grundsätzlich sei der Aufbau eines Aktienpakets legitim, doch von Interesse sei, wer dahinter stehe, sagte Rudolf Heinz von der SdK auf der Hauptsammlung. "CoBRa ist etwas, was nach Tod und Verderbnis riecht und nicht nach Lösungen", sagte Heinz, der auch auf die Strategie der Bank einging. "Die Vision einer grenzüberschreitenden Europabank klingt zwar gut, doch hilft in wesentlichen Punkten nicht." Die vorgelegten Geschäftszahlen sprächen dafür, dass dringend etwas geändert werden müsse. Das Netz der Überkreuzbeteiligungen sei kein Schutz vor Übernahmen. "Ich frage mich, ob Sie dieses Konzept noch aufrechterhalten sollten oder ob Sie eine neue Lösung finden sollte", sagte Heinz.

Zuvor hatte Vorstandssprecher Martin Kohlhaussen erklärt, das Institut halte an der Vision einer grenzüberschreitenden Europabank fest. Dabei sei das Institut im Inland und im Ausland weiterhin offen für Partnerschaften, und zwar insbesondere im Investment-Banking.

Die Aktien der type="organisation" value="DE0008032004">Commerzbank notierten am Freitag im Xetra-Handel mit 38,70 Euro um rund 1,8 % im Minus.

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