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30.01.2004

07:10 Uhr

Kolumne: Rush Hour

Das Forrest-Gump-Prinzip

VonUrsula Weidenfeld

Die Unternehmensberatung McKinsey hat Probleme, genügend ordentlichen Nachwuchs für ihre Teams zu finden, sagt sie. Und seit ein paar Tagen wissen wir auch, warum: Deutsche Wirtschaftsstudenten verstehen einfach nichts von Wirtschaft. Das ist, kurz gefasst, das Ergebnis einer Umfrage, die die Commerzbank in Auftrag gegeben hat. Genauso wie die Grundschüler nicht lesen können, den Gymnasiasten das Rechnen nicht beigebracht wurde, lernen die Wirtschaftsstudenten an der Uni nichts - am allerwenigsten Wirtschaft.

Der Führungsnachwuchs der kommenden Jahre - leider ein kompletter Ausfall. Die Hälfte weiß nicht, wo die Europäische Zentralbank sitzt. Die andere rätselt erfolglos, wie sich der Bruttolohn zusammensetzt. Was unterscheidet eine Kapitallebensversicherung von einer privaten Rente? Die aktuelle Inflationsrate? Äh, meinen Sie jetzt mit Media Markt - oder ohne?

Aber, ist das jetzt schlimm? Was passiert, wenn sich zur Dummheit noch eine Führungsposition gesellt? Haben alle Recht, die das Land mitsamt seiner Volkswirtschaft untergehen sehen, die um die eigenen Renten fürchten, um das Überleben der Unternehmen, in denen sie alt werden wollten? Einerseits ja. Denn es ist nun mal nicht zu erwarten, dass aus den kleinen tauben Nüssen an der Uni später große Geister in den Unternehmen werden. Sie werden zwar ein paar Basisfunktionen des Lebens beherrschen. Sie werden wissen, wie man ein hellblaues Hemd trägt und wann man das Jackett ablegen darf. Sie können zweisprachig Krawattenknoten binden und dreisprachig ambitioniert auf den Zehenspitzen wippen. Aber werden sie wenigstens ahnen, dass es ohne ein paar von diesen alten Knackis im Keller nicht geht, die sie sich als Datenträger halten? Gucken Sie sich Ihren Praktikanten an: Glauben Sie, dass er es weiß?

Es ist, wie immer, schlimmer: Die ersten Unternehmensberater fangen an, die Beratungskonzepte für das Jahrhundert der Idiotie zu erfinden: Sie nennen es Ignoranz- Management. Der "Harvard Business Manager" gibt uns einen Vorgeschmack von dem blühenden Schwachsinn, der bevorsteht: Dummheit ist Klasse, heißt es da. Weil der Doofe gute von schlechten Ideen nicht unterscheiden kann, glaubt er, dass hinter jeder Regung menschlichen Geistes ein schlaues Konzept steht. Und nur so, belehrt uns der BCG-Denker, werden gute Erfindungen gemacht.

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