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11.02.2001

14:43 Uhr

Kommandant des U-Boots wurde strafversetzt

USA entschuldigt sich für U-Boot-Kollision

Der amerikanische Botschafter in Tokio entschuldigte sich im Auftrag von US-Präsident George W. Bush bei der japanischen Regierung. Der amerikanische Kommandant des Atom-U-Bootes wurde strafversetzt. 9 Besatzungsmitglieder werden noch vermisst. Die USA boten ihre Hilfe, bei der Suche und der Bergung des Fischerei-Schulschiffes an.

afp HONOLULU/TOKIO. Nach dem Zusammenstoß eines Atom-U-Boots der US-Marine mit einem japanischen Fischkutter vor Hawaii hat sich die US-Regierung für das Unglück entschuldigt und schnelle Hilfe angeboten. Im Auftrag von US-Präsident George W. Bush sagte der amerikanische Botschafter in Tokio der japanischen Regierung am Sonntag einen verstärkten Einsatz bei der Suche nach neun noch vermissten Fischern zu. Japans Regierungschef Yoshiro Mori forderte, die US-Marine solle die in 550 Meter Tiefe liegende "Ehime Maru" so schnell wie möglich bergen. Ein Sprecher der Fischerei-Schule, zu der das verunglückte Schiff gehörte, sagte, die vermissten Männer seien wahrscheinlich mit dem Kutter untergegangen. Die Suchmannschaften hatten kaum noch Hoffnung, die Fischer lebend bergen zu können. Die "USS Greeneville" hatte den japanischen Trawler am Freitag beim Auftauchen gerammt. 26 der insgesamt 35 Menschen an Bord des Fischerei-Schulschiffes konnten gerettet werden.

Neben US-Außenminister Colin Powell versuchte auch Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mit einer Entschuldigung einer diplomatischen Krise vorzubeugen. Mori zeigte sich jedoch verstimmt, dass die USA die Bergung des Schiffs noch nicht in Angriff genommen hätten. Auch die japanische Presse forderte die umgehende Aufklärung der Kollision. Die US-Behörden seien eine Antwort schuldig, warum das Atom-U-Boot die "Ehime Maru" nicht auf ihrem Radar gesichtet habe. Der US-Marineadmiral Tom Fargo erklärte, zum Zeitpunkt des Unglücks habe die "USS Greeneville" ein Not-Auftauchmanöver geübt. Dabei schießt das Unterseeboot mit hoher Geschwindigkeit an die Oberfläche. Derartige Manöver würden regelmäßig trainiert, betonte Fargo.

Immer noch sind 9 Personen vermisst

Am Sonntagmorgen (Ortszeit) hatte sich ein Vertreter der US-Küstenwache noch optimistisch gezeigt, die neun Vermissten bei Wassertemperaturen um die 25 Grad und leichtem Wellengang bergen zu können. Mit Hubschraubern und Booten suchten Küstenwache und Marine weiter ein 780 Quadratkilometer großes Areal um Hawaii ab. Unter den Vermissten waren auch vier 17 Jahre alte Fischerei-Schüler. Für ein älteres Besatzungsmitglied sollte die Fahrt auf der "Ehime Maru" die letzte vor seiner Pensionierung sein. Das Unglück führte zu ersten personellen Konsequenzen: Der Kommandant des Atom-U-Boots wurde strafversetzt, wie der US-Sender CNN berichtete.

Der stellvertretende Leiter der Fischerei-Schule im japanischen Uwajima sagte, nach Angaben des Kapitäns der "Ehime Maru" hätten sich die neun vermissten Seeleute zur Zeit der Kollision unter Deck aufgehalten. Es sei wahrscheinlich, dass sie sich beim schnellen Untergang des Schiffs nicht mehr ins Freie hätten retten können. Laut Kapitän sank der Trawler innerhalb von fünf Minuten. Er vermute die Leichen daher im Wrack des Schiffes, fügte der Vize-Schulleiter hinzu.

Die Fischerei-Schule stellte einen ihrer Räume als Krisenzentrum bereit, um die Angehörigen der Vermissten über die Lage zu informieren. Rund 35 Angehörige wollten noch am Sonntag in Hawaiis Hauptstadt Honolulu eintreffen, um sich vor Ort ein Bild über die Sucharbeiten zu machen.

Die "Ehime Maru" habe sich auf den weiten Weg nach Hawaii gemacht, weil die Verantwortlichen die Gewässer dort als sicherer einstuften, berichtete am Sonntag die "Los Angeles Times". Im Indischen Ozean sei die Gefahr von Piraten-Überfällen zu groß. Als das Atom-U-Boot die "Ehime Maru" rammte, hätten die Schüler gerade einen Tunfisch-Schwarm beobachtet.

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